Fremdenfeindlichkeit
Taxifahrt endet mit Strafanzeige

Münster -

Solch ein Fall ist Taxiunternehmer Hermann Kröger in seiner jahrzehntelangen Berufspraxis noch nicht untergekommen. Ein ausländischer Student, den er als Fahrer seit Jahren wegen seiner Zuverlässigkeit schätzt, sei bei einer Nachtfahrt am Sonntag (23. August) von Fahrgästen mit fremdenfeindlichen Sprüchen beleidigt worden.

Dienstag, 01.09.2015, 07:09 Uhr

„Mein Taxifahrer forderte das Paar, das vom Bült nach Nienberge gebracht werden wollte, an der Steinfurter Straße auf, auszusteigen.“ Nach einer Schimpfattacke des Fahrgasts habe dessen Begleiterin schließlich die bis dahin entstandenen Fahrtkosten bezahlt. Womit der Fall aber längst nicht erledigt war, wie sich herausstellte. Das Paar erstattete nämlich kurz darauf Anzeige gegen den Taxifahrer „wegen Bedrohung“, wie Polizeisprecherin Angela Lüttmann auf Anfrage bestätigt.

Danach sei genau das Gegenteil geschehen. Das Paar habe den Taxifahrer nach seinem Herkunftsland gefragt, woraufhin dieser zunächst geantwortet haben soll, das gehe die Fahrgäste nichts an. Im Laufe der Fahrt sei der Fahrer aggressiv geworden, weshalb das Paar das Taxi an der Steinfurter Straße verlassen habe. Dort soll der Taxifahrer die beiden mit den Worten „Ich hau dir in die Fresse“ bedroht haben.

Taxiunternehmer Hermann Kröger hat den Fall inzwischen seinem Anwalt übergeben. Ein Fall, der ihm zunächst die Sprache verschlug, wie er sagt. Er selbst möchte ein klares Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit setzen, die er in seinem Beruf zunehmend erlebe.

Eines gibt er dabei zu bedenken: „Wer nur gut 50 Kilometer weiterfährt, ist selbst Ausländer – in den Niederlanden.“

Der 32-jährige Taxifahrer aus Palästina, der sich sein Studium an der münsterischen Uni finanziert, ist gewohnt, wie er sagt, manchen Ärger und manche Anfeindungen herunterzuschlucken. „In den Gesprächen meiner Fahrgäste geht es immer häufiger um Probleme mit Flüchtlingen, die Sorge um Arbeitsplätze und die Kosten für die zunehmenden Flüchtlingsströme“, sagt der Taxifahrer, der lieber anonym bleiben möchte.

Aber wenn er Sprüche höre wie „Hier klaut keiner wie bei dir zu Hause“ oder „Kanaken haben hier nichts zu sagen“, wie im jüngsten Fall, dann ziehe er die Reißleine.

Und Taxi-Unternehmer Kröger wünscht sich, dass er, wenn er selber am Steuer sitzt, Sprüche wie „Schön, dass es auch noch deutsche Taxifahrer gibt“ nicht mehr hören muss.

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