Tag der Deutschen Sprache
Keine Gefahr durch Smileys, „LOL“ & Co

Münster -

LOL“, „yup“, „jo“. Bei WhatsApp herrscht bunte Kreativität. Satzfetzen, Abkürzungen, dazwischen gibt es noch viele farbige, kleine Zeichen: Emojis. Für die Sprache des Kurznachrichtendienstes, in der viele Jugendliche pausenlos mit ihren Freunden „chatten“, gibt es keinen Duden.

Samstag, 12.09.2015, 12:09 Uhr

Ein Kulturverfall? Der Sprachwissenschaftler Peter Schlobinski gibt im Gespräch mit unserem Redaktionsmitglied Claudia Kramer-Santel Entwarnung: Alles halb so wild.

Wie schreiben Sie denn so Ihre Nachrichten bei WhatsApp ?

Schlobinski: Ich schreibe klein und verwende Abkürzungen wie alle anderen auch. Ich schreibe oft „mbg“ (mit besten Grüßen) oder „lg“ (Liebe Grüße) und nutze den zwinkernden Smiley. Allerdings geht das nicht mit jedem ...

Droht durch die verkürzte WhatsApp-Sprache ein Sprachverfall?

Schlobinski: Nein, ich sehe das gelassen. Das ist kein Angriff auf die Schriftsprache. WhatsApp-Kurznachrichten ähneln ja ein wenig der mündlichen Kommunikation. Das heißt: Alles muss schnell gehen. Wir haben es mit einer Art Umgangssprache zu tun. Das würde nur zum Problem werden, wenn Schüler nicht mehr in der Lage wären, anders zu schreiben. Wenn sie zum Beispiel eine Klausur über Schiller oder Goethe sprachlich ähnlich angehen würden wie eine WhatsApp-Nachricht. Doch Studien zeigen: Das passiert nicht. Die Jugendlichen können ihren Stil der Situation anpassen, unterschiedliche Register ziehen, ganz problemlos von der Substandard-Orthografie in die korrekte Rechtschreibung wechseln.

Muss man denn nicht immer richtig schreiben?

Schlobinski: Zeitungen sind Normträger, sie sollten normgerecht schreiben. Das gilt auch für Online-Zeitungsseiten. Doch in anderen Kontexten gelten manchmal andere Regeln. Doch es kommt auf die richtige Dosis an. Viele Jugendliche empfinden es ja als Anbiederung, wenn Erwachsene locker oder gewollt „cool“ schreiben oder reden. Die Pseudo-Netzsprache im falschen Kontext wirkt unglaubwürdig.

Was ist denn das Besondere an der WhatsApp-Sprache?

Schlobinski: In Kurzmitteilungen gibt es viele Abkürzungen und Auslassungen. Das dient der Sprachökonomie. Es ist wie im Gespräch – alles muss schnell gehen. Dass man dann keine großen Romane schreibt, ist völlig in Ordnung. Bei Whats­App werden auch mehr Bildzeichen benutzt als in SMS und Tweets. Die Integration von Bildzeichen – sogenannte Emojis – in den Text interessiert mich persönlich sehr. Die Symbole dienen in erster Linie dazu, klarzumachen, wie eine Aussage gemeint ist. Sie können beispielsweise Ironie oder Sarkasmus vermitteln und dadurch Missverständnissen vorbeugen. Sie drücken auch Emotionen aus.

Ist die WhatsApp-Sprache denn in sich homogen?

Schlobinski: Nein. Sie variiert abhängig von der Gruppe, in der man sich bewegt. Das hat nicht nur mit dem Inhalt zu tun, sondern auch mit ästhetischen Komponenten. Studien zeigen, dass Mädchen mehr Emojis benutzen. Übrigens verwenden auch Erwachsene viele dieser Zeichen. Das hat andere Gründe. Es hängt damit zusammen, dass sie langsamer tippen. Die Bildzeichen sind leicht zu treffen und man braucht nur wenige Daumenklicks. Sie dienen dann nicht der Illustrierung, sondern der Sprachökonomie. Beispiel: Ein ? kann die Frage ersetzen: Wollen wir ein Bier trinken gehen?

Ist die WhatsApp-Sprache ansonsten so anders als die übliche Schriftsprache?

Schlobinski: Die immer perfekteren Spracherkennungsprogramme und die Korrekturprogramme führen dazu, dass die Sprache immer weniger abweicht.

Wozu dienen eigentlich solche Ausdrücke wie „seufz“, „stöhn“?

Schlobinski: Es ist wie im Comic, wo ja auch Lautäußerungen und die nonverbale Kommunikation imitiert werden sollen: Sie machen die Kurzmitteilungen bunt und emotional. Sie sollen Gestik und Mimik kompensieren, weil man das Gegenüber ja nicht sieht. Oft werden auch eine wechselnde Stimmhöhe oder besondere Effekte wie das Grummeln (grummel) ausgedrückt.

Beeinflusst das permanente WhatsApp-Schreiben wirklich nicht die korrekte Standardsprache?

Schlobinski: Sprachbewahrer befürchten dies. Ich sehe den abweichenden und teilweise kreativen Umgang mit Sprache in den sozialen Medien auch als Chance. Man hat ja auch gedacht, Comics wären der Untergang der deutschen Hochsprache. Doch die Folgen blieben gering. *das-ganz-ohne-schmunzel-mein ;-)

Kommentar: Von wegen verstaubt von Claudia Kramer-Santel

Why don‘t you ­speak English!“ (Warum sprechen Sie nicht Englisch!“), herrscht eine Verkäuferin eine Kundin an – mitten in einem bekannten Berliner Modeladen. Ganz ehrlich: Das geht zu weit. Sprache hat sich immer schon gewandelt, ein paar englische Wörter lassen sich nicht vermeiden. Doch man kann es auch übertreiben. Tag der deutschen Sprache: ein längst verstaubtes Ritual? Die deutsche Sprache zu würdigen und ins Bewusstsein zu rufen, ist immer gut, sofern damit nicht Vorurteile zementiert werden.

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