Flüchtlinge
Verirrter Hilfs-Transport

Münster -

Renald Golf und seine Freunde hatten sich ins Zeug gelegt. Fünf Umzugskisten voller Kleider und Schuhe hatten sie gesammelt, um sie Flüchtlingen zu spenden. Doch die Abgabe der Spende entwickelte sich am Samstag zur Odyssee durch Münster.

Mittwoch, 23.09.2015, 06:09 Uhr

Volle Regale in der Flüchtlingsunterkunft Wartburgstraße. Einige Kleiderkammern der Stadt haben bereits einen Annahmestopp bis zur Wintersaison verhängen müssen.
Volle Regale in der Flüchtlingsunterkunft Wartburgstraße. Einige Kleiderkammern der Stadt haben bereits einen Annahmestopp bis zur Wintersaison verhängen müssen. Foto: Matthias Ahlke

„Wir hatte uns beim ASB erkundigt“, sagt Golf , „da sagte man uns, wir sollten zur Wartburgschule gehen.“ Doch in der ehemaligen Grundschule wurden die Helfer abgewiesen, man könne nicht mehr annehmen. Der Münsteraner fuhr zur York-Kasserne: „Das gleiche Problem.“

Mittlerweile war es eine Kleinkarawane mit Sachspenden, hinter Golfs Mercedes Kombi fuhr noch ein VW Bulli und ein vollgepackter Smart. Schließlich ging es zur Oxford-Kaserne. Auch da wusste niemand, was mit den Spenden anzufangen sei. Golf: „Da habe ich ein paar Flüchtlinge angesprochen – die haben die Sachen angenommen.“

Einzelaktionen „kontraproduktiv“

Münsteraner wie Golf wollen helfen. In den Flüchtlingsunterkünften und zahlreichen Kleiderkammern der Gemeinden kann man das sehen. In der Wartburgschule etwa, wo das DRK sammelt, stapeln sich Hosen, Pullover, Jacken in den Regalen. „Wir können nicht mehr aufnehmen“, sagt die Leiterin der Kleiderkammer. Vielerorts ist ein Aufnahmestopp verhängt. Erst Ende Oktober können wieder Spenden angenommen werden – für den Winter.

Ansprechpartner

Bei wem Sie sich melden können, wenn Sie Flüchtlingen helfen wollen , haben wir für die Orte im Münsterland in einem Special zusammengestellt.

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Für Stadtpressesprecher Joachim Schiek sind Einzelaktionen wie die von Golf „kontraproduktiv“. Die Spenden binden Kräfte. Kleider müssen geprüft, sortiert, gereinigt werden. Außerdem müsse man wissen, wo tatsächlich Bedarf ist.

Auf einer Serviceseite im Internet hat die Stadt alle Organisationen aufgelistet, die weiterhelfen können. Schiek: „Man sollte sich vorher schon informieren.“

Zielgerichtete Hilfe

Jörg Rostek vom neuen Integrationsforum Flüchtlinge Münster (IFFM) kam Dienstagabend von einem Spendeneinsatz. 30 Münsteraner hatten nach einem Aufruf Fahrräder angeboten. 20 holte der IFFM mit einem Leihbulli von Carsharing ab.

Auch das macht Arbeit. Aber sie ist zielgerichtet. Die Räder sind für Flüchtlinge gedacht, die an Fahrkursen des Fahrradclubs ADFC teilnehmen. Gebraucht werden nur so viele wie es Teilnehmer gibt. Langfristig, glaubt Rostek, kommt es darauf an, nachhaltig zu unterstützen. Zum Beispiel durch Deutsch-Kurse und Nachhilfe für Flüchtlinge.

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