Plagiate
Uni will Doktorvater bestrafen

Münster -

Nach den Schummlern beim Verfassen von Doktorarbeiten wächst nun auch der Druck auf die Professoren als Betreuer. Das Rektorat der Universität empfiehlt der medizinischen Fakultät, einen ihrer Professoren, der grobe Verstöße durchgehen ließ, zu bestrafen.

Mittwoch, 30.09.2015, 07:09 Uhr

Medizinische Fakultät
Einem Professor der Medizinischen Fakultät sollen Leistungen gekürzt werden, weil ihm bei der Betreuung von Doktorarbeiten "schweres wissenschaftliches Fehlverhalten" vorgeworfen wird. Foto: Oliver Werner

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen ist der bislang prominenteste Fall. Mit dem Verdacht, bei ihrer medizinischen Doktorarbeit abgeschrieben zu haben, steht sie bei weitem nicht alleine. Medizinische Doktorarbeiten werden besonders häufig als Plagiate ermittelt – auch an der Universität Münster .

Hier hat das Rektorat nun erstmals an die medizinische Fakultät die Empfehlung ausgesprochen, einen Professor, der mehrere plagiierte Dissertationen betreut hat, spürbar zu sanktionieren. Dies bestätigte auf Anfrage der Sprecher der Universität, Norbert Robers . Dem 60 Jahre alten Medziner sollen bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand alle von der Fakultät über die rechtliche garantierte Besoldung und Versorgung hinaus gewährten Leistungen gestrichen werden. Eine empfindliche Strafe, wie es intern heißt.

23 Verdachtsfälle bei Medizinern

Kommentar zum Thema

Mehr Sorgfalt bitte, fordert Karin Völker in ihrem Kommentar .

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Der Professor war als Doktorvater für vier Promotionen in die Kritik geraten. Die fraglichen Arbeiten gehörten zu den 23 Doktorarbeiten an der medizinischen Fakultät der Uni Münster , die im vergangenen Jahr nacheinander im Internetforum „ Vroniplag wiki “ als Plagiatsverdachtsfälle veröffentlicht wurden – und die seither die Fakultät beschäftigen. In zwei Fällen, bei denen der Mediziner als Betreuer gewirkt hatte, wurde den Verfassern inzwischen der Doktortitel aberkannt, in einem Fall sprach die Fakultät eine Rüge aus. In einer vierten von demselben Professor betreuten Arbeit wurde nur deswegen nicht weiter ermittelt, weil der Verfasser zwischenzeitlich gestorben war.

Eine beim Rektorat der Universiät angesiedelte Kommission hat „schweres wissenschaftliches Fehlverhalten“ bei dem Betreuer festgestellt und dessen Verhakten „aufs Schärfste missbilligt“, wie der Uni-Sprecher auf Nachfrage bestätigt. Ob die vorgeschlagene Strafe tatsächlich verhängt wird, entscheidet die medizinische Fakultät. Deren Fachbereichsrat tagt das nächste Mal am 30. Oktober. Das Gremium hat sich noch mit einer ganzen Reihe von Plagiatsverdachtsfällen zu befassen. Insider rechnen damit, dass es in etwa der Hälfte der angezeigten Arbeiten zum Titelentzug kommt.

Kritik an Plagiatsjägern

Die Universität Münster nehme die Hinweise der Plagiatsjäger von „Vroniplag wiki“ „sehr ernst“, sagt Sprecher Robers. Kritikwürdig sei es aber, dass die Verantwortlichen – ein Kreis von Wissenschaftlern um die Berliner Professoren Gerhard Dannemann und Debora Weber-Wulff – bei noch unbewiesenem Verdacht, die Namen der Verfasser ins Netz stellten. Weber-Wulff ihrerseits hatte noch im Juli der Uni Münster einen laxen Umgang mit den Verdachtsfällen vorgeworfen. 

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