Hausbesetzer
Alle wollen das Hauptzollamt

Münster -

Die Dinge überschlagen sich. Die Hausbesetzer geben eine Pressekonferenz. Die Bima spricht von Flüchtlingsunterkünften im Hauptzollamt. Die Stadt bekundet Kaufinteresse. Nicht erst seit Donnerstag.

Freitag, 16.10.2015, 06:10 Uhr

Während die Sprecher der Besetzer von einem sozialen Zen­trum im früheren Hauptzollamt träumen, werden ganz andere Pläne bekannt.
Während die Sprecher der Besetzer von einem sozialen Zen­trum im früheren Hauptzollamt träumen, werden ganz andere Pläne bekannt. Foto: bn

Zum großen Theater gehört ja oft, dass man erst langsam erkennt, was läuft. Während also am Donnerstag die Sprecher der Besetzer des Hauptzollamtes noch rosa Lätzchen für die Pressekonferenz vor ihren Gesichtern drapierten, ließ die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) verkünden, sie könne sich in dem Gebäude an der Sonnenstraße auch Flüchtlingsunterkünfte vorstellen.

Besetzer geben Auskunft

Woraufhin die Stadt genussvoll auflistete, wie lange sie das Gebäude schon kaufen will. Seit Monaten.

„Schriftlich“, so Stadtsprecher Joachim Schiek , habe man am 31. März 2015 Kaufinteresse bekundet. Man brauche das Gebäude für Kita-Zwecke. Antwort der Bima: Vor einem Verkauf müsse man erst einmal den Bedarf von Bundeseinrichtungen prüfen.

Am 9. September, so Schiek, habe die Stadt noch einmal telefonisch nach dem Sachstand gefragt. Antwort: Es liege kein Ergebnis vor. Unter der Hand ist von der Bima, die das Hauptzollamt seit drei über Jahren leer stehen lässt, zu hören, derlei Prüfungen seien schwierig.

Sollte nun die Bima sich eine Flüchtlingsunterbringung an der Promenade vorstellen können, so Schiek, werde die Stadt eine solche Möglichkeit prüfen.

Bilder vom besetzten Hauptzollamt an der Sonnenstraße

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  • Hinweis auf das Soziale Zentrum auf der Promenade.

    Foto: Günter Benning
  • Die Besetzer versuchen, das alte Hauptzollamt bewohnbar zu machen.

    Foto: Günter Benning
  • Die Besetzer versuchen, das alte Hauptzollamt bewohnbar zu machen.

    Foto: Günter Benning
  • Die Besetzer versuchen, das alte Hauptzollamt bewohnbar zu machen.

    Foto: Günter Benning
  • Die Besetzer versuchen, das alte Hauptzollamt bewohnbar zu machen.

    Foto: Günter Benning
  • Die Besetzer versuchen, das alte Hauptzollamt bewohnbar zu machen.

    Foto: Günter Benning
  • Die Besetzer versuchen, das alte Hauptzollamt bewohnbar zu machen.

    Foto: Günter Benning
  • Die Besetzer versuchen, das alte Hauptzollamt bewohnbar zu machen.

    Foto: Günter Benning
  • Die Besetzer versuchen, das alte Hauptzollamt bewohnbar zu machen.

    Foto: Günter Benning

Wobei er betont: „Natürlich immer in Abstimmung mit unseren politischen Gremien.“

Derweil beginnen die ungewollten Urheber dieser dramatischen Entwicklung politisch korrekt ihre Pressekonferenz: „Benötigt jemand einen Gebärdendolmetscher?“

Ihre Vermummung, sagen Mathias, Loui, Linda und Thorben, diene dem Persönlichkeitsschutz. Denn sie wissen, dass sie gegen Gesetze verstoßen. Die Namen stimmen übrigens auch nicht. Als sich Matthias draußen die Maske abnimmt, ist es der Tom von vorgestern. Aber Tom war auch nicht sein richtige Name. Sagt er.

Jetzt verkünden sie die „bald bevorstehende Räumung des Gebäudes“. Thorben spricht gar von „brutaler Räumung“ und ist sicher, er werde einen „Schlagstock vor den Kopf kriegen“. „Das ist interessant“, sagt derweil Polizeisprecher Andreas Bode , „Räumung ist nicht unser primäres Ziel.“ Erst einmal müsse man den Dialog suchen und Gesprächsbereitschaft zeigen. Bisher sei man in Gesprächen mit der Bima.

Im bunt bemalten Hauptzollamt laufen Workshops, Jamsessions, Diskussionen. „Es wird immer gemütlicher“, sagt Loui. Auch die Nachbarn hätten Zustimmung signalisiert, zu „99 Prozent“. Im Garten haben die Besetzer mit einem gestifteten Rasenmäher den Herbstschnitt besorgt, Hecken gestutzt und Fixerbestecke entsorgt. So soll es weitergehen.

Freundlich führt eine Aktivistin zwei Personen durch die Räume, die selber sehr szenemäßig aussehen. Wer sie sind? „Wir sind die Security“, sagt einer schelmisch, „die Bima hat uns beauftragt, hier nach dem Rechten zu schauen.“ 

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