Mehr Aufmerksamkeit erwünscht
Auf dem Abstellgleis

Münster -

Die historische Straßenbahn von 1926 ist restauriert, fristet aber im Lichthof hinter dem Stadthaus 3 eher ein Schattendasein. Der Verein zur Rettung der letzten Straßenbahn will jetzt Öffentlichkeitsaktionen durchführen.

Freitag, 16.10.2015, 19:10 Uhr

Die Straßenbahn soll bekannter werden: Hans Rath (links) und Dieter Remme wollen das im Lichthof des Stadthauses 3 stehende Industriedenkmal mehr in den Fokus der Öffentlichkeit rücken. Es wird ein Bürgerfest und Hinweisschilder geben.
Die Straßenbahn soll bekannter werden: Hans Rath (links) und Dieter Remme wollen das im Lichthof des Stadthauses 3 stehende Industriedenkmal mehr in den Fokus der Öffentlichkeit rücken. Es wird ein Bürgerfest und Hinweisschilder geben. Foto: hpe

Mehr als zehn Jahre hat die kleine Gruppe der Straßenbahnfreunde um Hans Rath und Dieter Remme gebraucht, um aus einem Stahlgerippe wieder einen Triebwagen zu formen, wie er früher auf schmalen Gleisen Menschen durch Münster beförderte.

Jetzt steht die funktionsfähige Straßenbahn im Lichthof des Stadthauses 3, ist dort gegen Witterung und Vandalismus geschützt. Aber leider auch gegen neugierige Blicke, die durchaus erwünscht wären.

„Wir müssen den Standort bekannter machen, hier sieht man sie einfach nicht“, sagt Hans Rath, Vorsitzender des Vereins zur Rettung der letzten Straßenbahn. Denn ins technische Rathaus, wo der liebevoll restaurierte Triebwagen in voller Pracht auf einem Stück Gleis quasi im Hinterhof steht, kommt die Masse der Bürger nicht hin. Um die Straßenbahn aus dem Dornröschenschlaf zu holen, will Rath nun mit Stadt und Stadtwerken sprechen. Geplant sind mehrere Hinweisschilder auf das kleine, aber feine Industriedenkmal am Albersloher Weg im Bereich Hafenplatz und Kiesekamps Mühle.

Bislang kommen nur selten Besuchergruppen, Remme würde sich über eine größere Resonanz freuen. „Weil ich von Anfang an dabei war, kann ich von der Begeisterung der ehrenamtlichen Helfer beim Wiederaufbau erzählen“, so Remme, der die letzte Straßenbahn 1954 noch durch Münster rollen sah. „Statt eines Ausbaus des Gleisnetzes wurde die Bahn dann stillgelegt. Eine Kooperation mit dem Individualverkehr schein damals bei dem Gedanken an eine autogerechte Stadt nur mit Bussen realisierbar“, erinnert sich Remme. „Ein Fehler“, glaubt er noch heute.

Rath will nun bei den Anbietern von Stadtrundfahrten vorstellig werden, der Triebwagen soll in die Touren als Besichtigungspunkt eingepflegt werden. 2016 soll es am Stadthaus 3 ein Straßenbahnfest geben. „Wir möchten Helfern und Sponsoren danken und gleichzeitig der Bevölkerung zeigen, was wir hier für ein Schmuckstück haben“, so Rath. Ein Film vom Wiederaufbau wird zu sehen sein, und Zeitzeugen sollen die Möglichkeit bekommen, von ihren Bahnerlebnissen zu berichten. Haltestelle und Mast sollen bis 2016 an der Bahn installiert werden und das Gesamtbild abrunden.

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