Bußgeld gegen Architekt verhängt
Wirbel um das Waisenheim

Münster -

Der Architekt muss ein saftiges Bußgeld bezahlen, der Baubeginn erfolgte ohne behördliche Genehmigung, die Netzanschlüsse werden nicht so schnell gelegt, wie es sich der Bauherr wünscht. Ein Neubau für die Kinder- und Jugendhilfe St. Mauritz sorgt für einige Aufregung.

Samstag, 17.10.2015, 14:10 Uhr

Das Kinderheim steht bereits, die Netzanschlüsse fehlen allerdings noch.
Das Kinderheim steht bereits, die Netzanschlüsse fehlen allerdings noch. Foto: Matthias Ahlke

Wirbel um das neue Wohnhaus, das die Kinder- und Jugendhilfe St. Mauritz derzeit an der Schmittingheide errichtet. Ende des Jahres sollen die ersten Kinder einziehen, doch Heimleiter Klemens Richters befürchtet, dass das Haus erst Ostern bezugsfertig sein wird. Den schwarzen Peter schiebt er an das Bauordnungsamt und die Stadtwerke-Tochter Münsternetz, deren Verhalten bei der Umsetzung des Projekts bezeichnet er als „skandalös“. Die Beschuldigten winken ab – und betonen, dass der Heimleiter selbst verantwortlich sei, dass das Projekt nicht schneller fertig werde.

Das Wohnhaus für acht Kinder zwischen 10 und 17 Jahren, die Erziehungshilfe erhalten, wird von der „Stiftung Kinderheim und Waisenhaus auf Sankt Mauritz“ errichtet. Im Dezember habe man den Bauantrag eingereicht, sagt Heimleiter Richters – und dann erst einmal nichts mehr vom Bauordnungsamt gehört. Sechs Wochen nach dem Einreichen des Bauantrages begannen Bagger, die Baugrube auszuschachten, danach wurden die ersten Fundamente gegossen – obwohl noch gar keine Baugenehmigung vorlag. „Das war rechtens, denn wenn nicht spätestens nach vier Wochen eine Baugenehmigung erteilt wird, darf der Bauherr einfach beginnen“, sagt Richters.

Falsch, entgegnet Andreas Lohaus , Leiter des Bauordnungsamtes. Nur im Rahmen eines „Genehmigungsfreistellungsverfahrens nach Paragraf 67“ darf nach vier Wochen auch ohne Genehmigung mit den Bauarbeiten begonnen werden – doch unter diesen Paragrafen falle das Vorhaben der Waisenhaus-Stiftung gar nicht. Dass dennoch die Baugrube ausgeschachtet wurde, werde im Behördendeutsch als „ungenehmigtes Bauen“ bezeichnet“ – „und im Volksmund als Schwarzbau“, so Lohaus. Die Konsequenzen muss nun der Architekt tragen: Dieser erhielt nach Angaben von Richters einen Bußgeldbescheid über rund 3000 Euro.

Am 2. September beantragte der Bauherr dann den Netzanschluss bei der Stadtwerke-Tochter Münsternetz. Danach geschah erst einmal nichts, kritisiert der Heimleiter. Auf Nachfrage sei ihm am Freitag mitgeteilt worden, dass die Arbeiten in der 48. Kalenderwoche beginnen. Richters fiel aus allen Wolken. „Damit müssen wir die Eröffnung vom Jahresende auf Ostern verschieben, können keine neuen Kinder aufnehmen.“ Stadtwerke-Sprecher Florian Adler weist die Kritik zurück: „Der Bauherr hätte nachfragen müssen, wir wissen schließlich nicht, wie weit die Bauarbeiten sind.“

„Obwohl es nicht unser Fehler war“, so Adler, lenkten die Stadtwerke am Freitagnachmittag ein. Die Netzanschlüsse sollen nun bereits in zwei Wochen gelegt werden. Heimleiter Richters atmet durch – er rechnet damit, dass das Heim nun im Januar öffnen kann.

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