Klima-Pilger erreichen Münster
Etappe im Dauerregen

Münster -

Dauerregen begleitet die Gruppe auf ihrem Weg von Greven nach Münster. Die Pilger, denen sich unterwegs immer mehr Menschen anschließen, zeigen Durchhaltevermögen und werden mit offenen Armen aufgenommen.

Samstag, 17.10.2015, 12:10 Uhr

Geschafft: Im Dauerregen liefen die Klima-Pilger am Freitag von Gimbte nach Münster, wo sie ganz offiziell vor dem Rathaus empfangen wurden.
Geschafft: Im Dauerregen liefen die Klima-Pilger am Freitag von Gimbte nach Münster, wo sie ganz offiziell vor dem Rathaus empfangen wurden. Foto: Matthias Ahlke

Die Klima-Pilger sind bester Laune – und das auch bei Dauerregen . Bei einigen Frauen und Männern reicht es zur Ankunft vor dem münsterischen Rathaus sogar noch für ein Tänzchen zur Musik. Rita Meyer , Vorsitzende der Jakobsfreunde Münster , freut sich, dass auf der 20-Kilometer-Etappe von Gimbte bis in die Stadt alles gut gegangen ist. Sie führt die Gruppe heute weiter nach Rinkerode.

Zwischendurch beziehen die Gäste Quartier in vielen Familien. Hildegard Ehrfeld springt noch spontan als Gastgeberin ein, als sich herausstellt, dass die Unterkünfte nicht reichen. Es ist ein unkompliziertes Miteinander, das die Pilger pflegen. Die meisten rufen sich beim Vornamen. Hubert Schulze Dieckhoff berichtet von intensiven Gesprächen unterwegs. Der 58-jährige Biologe ist Münsteraner und wird vor dem Rathaus von seiner Frau Gabriele erwartet. Beide nehmen zwei Pilger auf. Heute will auch Gabriele Schulze Dieckhoff eine Etappe mitgehen.

Die meisten der rund 30 Dauerpilger, die Mitte September in Flensburg losgezogen sind und den Klima-Gipfel in Paris zu Fuß erreichen wollen, sind wetterfest ausgerüstet. 100 Tagespilger haben sich am Freitag auf der Etappe zwischen Greven und Münster angeschlossen. Die ökumenische Aktion steht unter dem Motto „Geht doch“.

Und es geht, dass die Klima-Pilger vor dem Rathaus empfangen werden. „Wir haben nicht locker gelassen, dass wir hier uns hier an dem symbolischen Ort treffen können“, freut sich Organisator Dieter Schönfelder vom evangelischen Kirchenkreis. Pfarrer Martin Mustroph, Projektleiter für die Etappe, lobt das Durchhaltevermögen der Gruppe, die ein Zeichen setzen möchte. „Wir wollen Ungerechtigkeit beim Namen nennen.“ Bürgermeister Gerhard Joksch hätte am liebsten den Regenschalter umgelegt. Für den Klimaschutz müsse jetzt gehandelt werden, verlangt er. Weihbischof Stefan Zehkorn zieht den Hut vor der Pilgergruppe. „Wenn wir uns alle mit dem, was existiert, verbunden fühlen“ dann sei schon viel erreicht. Er bezieht die Flüchtlinge mit ein: „Ich meine, wenn wir unser Herz gegen die Not der Menschen verschließen, dann gehen wir unter.“

Es sind Pilger wie Heike Mertens, die beeindrucken. Die 50-Jährige, die Parkinson hat, wird von Hündin Alma begleitet. Bis Wuppertal will sie mitmachen. Die Strapazen nimmt sie aber gerne auf sich, weil sie für ihre drei Kinder eine bessere Zukunft erreichen möchte. Die 50-Jährige übernachtet bei der Superintendentin, die auch einen Hund habe – nur dieser soll nicht orgelfest sein. Ihre Alma hat Angst vor Regenschirmen.

Acht Tage Urlaub hat sich Paul Engelen für die Aktion gegönnt. Der selbstständige Gärtner aus Dortmund läuft seit Hasbergen mit und spricht von einem sehr intensiven Erlebnis. Tränen stehen ihm dabei in den Augen. Dazu spielt die Band von Kantor Hans Werner Schwarnowski „An Tagen wie diesen . . .“

Und 1000 Luftballons steigen mit der „Geht doch“-Botschaft auf.

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