Bernd Begemann im Interview
„Revolverheld klingt wie Bierwerbung“

Münster -

Wer Bernd Begemann noch nicht live erlebt hat, der hat etwas versäumt. Begemann ist mehr als nur ein Singer/Songwriter, er ist ein Entertainer, der sein Publikum zu unterhalten versteht. Musikalisch ist er der sogenannten Hamburger Schule zuzuordnen – also der Schublade von Bands wie „Die Sterne“ und „Blumfeld“. Mit Humor und mit Referenzen an den Beat der 60er Jahre. Begemann betreibt zudem den Filmpodcast „Flimmerfreunde“. Vor seinem Konzert im Hot Jazz Club hat unser Redakteur Carsten Vogel mit ihm gesprochen.

Donnerstag, 22.10.2015, 08:10 Uhr

Du kennst Münster , oder?

Begemann : Ja, das ist immer eine der ersten Stationen von fahrenden Musikanten.

Dein neues Album „Eine kurze Liste mit Forderungen“ ist so gut wie fertig?

Begemann: Ich habe gerade mit dem Masteringstudio gesprochen. Morgen nehmen wir noch die letzten Änderungen vor. Für Leute, die ihre Alben auf dem Laptop produzieren, ist das leicht, aber wir haben extrem viele Musiker, Gastmusiker, Percussionisten, Chöre, und es wird ein Vinyl-Doppelalbum mit 30 Liedern. Wir haben uns entschlossen, da zu investieren.

Nehmt ihr die Songs denn in so großer Besetzung live im Studio auf?

Begemann: In Teilen. Mir geht es immer um das Beste aus beiden Welten. Mit Overdubs oder live. Ich habe alle Formen von Platten gemacht: traditionelle Rockalben, die Pop-Platte mit einem Produzenten genauso wie ein Album komplett allein zu Hause aufzunehmen. Mir fehlt die Abenteuerlust in der Musik: Ich höre Popsongs, aber die Idee dahinter nicht. Du hörst den neuen Song von Revolverheld und denkst, das klingt wie Bierwerbung (lacht).

Vielleicht ist es ja Bierwerbung. . .

Begemann: Dann siehst du ein Bild von Revolverheld und fragst dich, warum haben die nicht BWL studiert (lacht)? Nein, ich habe nichts gegen Revolverheld. Das sind nette Typen. Mir geht es aber um das Lebensgefühl. Deshalb hat sich die Band entschieden, etwas Riskanteres zu wagen und aufzunehmen. Und deshalb haben wir alles live aufgenommen. Unsere Geheimwaffe ist Seven Kacirek , der Percussionist, fünfter Mann der Band, der auf 20 Tracks zu hören ist. Es war sehr inspirierend mit ihm.

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Freitag, 21 Uhr, Hot Jazz Club, Hafenweg 26b.

...

Kommt er mit auf Tour?

Begemann: Ich weiß es noch nicht.

Fehlt der dann nicht? Ich weiß ja nicht, wie viele neue Songs ihr auf der Tour spielt, aber. . .

Begemann: Ja und nein. Münster ist ein Solo-Konzert, da fehlt alles (lacht). Die Bandkonzerte starten im Dezember, weil wir auch erst am 18. das Album releasen. Aber Lieder von dem neuen Album spiele ich trotzdem, auch wenn ich es nicht dabei habe.

Für das Publikum ist es ja auch doof, wenn man nur die neuen Lieder spielt. Das schlägt schnell um und man langweilt sich.

Begemann: Das passiert mir nie (lacht). Ich suche immer den Weg, Songs miteinander zu korrespondieren und sprechen zu lassen. Viele Lieder sind Fortsetzungen von anderen. Es ist nahtlos – ich fertige einen Abend an für die Leute, die kommen. Manchmal merken sie gar nicht, dass es neue Lieder sind. Ich schreibe Songs, die man im Augenblick versteht, wenn man sie hört. Ich schreibe keine allegorischen Sachen mit großen Worten wie „Ewigkeit“ oder „die Zeit“.

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