Syrer findet Wohnung
Krank in der Gartenlaube

Münster -

Fatih Shamout (36) hat vor seiner Flucht im syrischen Hama ein kleines Café betrieben. Er ist ein stiller Mann, der vor der Terrorgruppe IS geflohen ist. „Plötzlich stand er hier vor der Tür“, sagt Dr. Georgios Tsakalidis vom Integrationsrat der Stadt Münster. Shamouts Nieren sind krank, er muss drei Mal in der Woche zur Dialyse, um den Arm hat er einen Verband. Als er sich an den Integrationsrat wandte, lebte er in einer Gartenlaube.

Freitag, 30.10.2015, 11:10 Uhr

Der Syrer Fatih Shamout (r.) hat jetzt eine Wohnung. Dazu verholfen haben ihm Ulrich Klitz (2.v.l.) vom Amt für Wohnungswesen, Dr. Georgios Tsakalidis (2.v.r.) und Rita Malaschinsky (l.) vom Integrationsrat.
Der Syrer Fatih Shamout (r.) hat jetzt eine Wohnung. Dazu verholfen haben ihm Ulrich Klitz (2.v.l.) vom Amt für Wohnungswesen, Dr. Georgios Tsakalidis (2.v.r.) und Rita Malaschinsky (l.) vom Integrationsrat. Foto: bn

Tsakalides griff zum Telefon und rief im Amt für Wohnungswesen an. Dort nahm Ulrich Klitz ab. Der „Belegungsmanager“ ist ein Mann, der sich für Schwache einsetzt. In Münster , sagt er, haben 2800 Menschen einen Wohnberechtigungsschein. 1600 von ihnen stehen auf der Warteliste seines Amtes. „Wir haben erkannt“, sagt er, „dass es eine Bestenauslese gibt.“ Die Guten setzen sich durch, „wer echt bedürftig ist, fällt hinten herunter“.

Deshalb ist er da. Zum Termin mit Fatih Shamout kommt er etwas später, weil er gerade an der Grevener Straße bei einer Schlüsselübergabe dabei war. Ein Ehepaar aus dem Iran, beide gehörlos, fand eine Wohnung. „Wir haben nur über Zettel schriftlich kommuniziert“, sagt Klitz.

Auch für Shamout fand er eine kleine Wohnung der LEG . „Dialyse und Gartenlaube “, stöhnt er, „das geht gar nicht.“ Für Notfälle findet sein Amt immer noch einen Platz, denn bei staatlich geförderten Sozialwohnungen kann die Stadt ihr Belegungsrecht ausüben: „Einzelfälle gehen.“

Die Wohnungsnot ist groß in Münster, gerade am Rande der Gesellschaft. „Wir brauchen dringend mehr Quartiere“, sagt Klitz. Behinderte, die barrierefrei wohnen sollten, alte Menschen, die nach einem Krankenhausaufenthalt nicht mehr in die alte Wohnung zurückkönnen, Menschen, die auf der Straße leben – die Bandbreite ist groß und es geht nicht allein um Migranten und Flüchtlinge.

„Für die Vermieter ist es wichtig, dass sie wissen, jemand kümmert sich“, sagt Klitz. Denn Pannen passieren. Wie in dem Fall des Mieters, der aus der Sozialhilfe heraus eine Arbeit bekam – mit geringem Gehalt. Als Erstes entfiel der Mietkostenzuschuss des Sozialamtes. Die Miete fiel aus – und Klitz musste das Problem klären.Fatih Shamout ist mittlerweile in seine kleine Wohnung eingezogen. Jetzt kann er seinen Deutschkurs belegen. Er kam zwar allein, aber trotzdem hat er Netzwerke. Im Gespräch nimmt er sein Handy und sagt: „Ein Freund“. Am anderen Ende ist Dr. Nazem Georges, Steuerberater und seit vielen Jahren in einem syrischen Kulturverein tätig. „Ich kenne den Fall“, sagt er, „ich betreue ihn, wenn ich helfen kann.“ Dann übersetzt er noch eine Frage von Shamout: „Er will wissen, ob er Chance hat, seine Mutter nach Deutschland zu holen.“

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