Kampfansage gegen Grippe
Virologe aus Münster entwickelt neues Medikament

Münster -

Virologen der Universität haben eine Therapie gegen Grippeviren entwickelt. Das neue Medikament setzt nicht bei den sich ständig verändernden Viren an, sondern bei den Mechanismen der Zellen, die befallen werden.

Dienstag, 03.11.2015, 08:20 Uhr aktualisiert: 03.11.2015, 08:32 Uhr
Wenn einen die Grippe plagt....
Wenn einen die Grippe plagt.... Foto: dpa

Herbstzeit ist Grippezeit. So gesehen also ein idealer Zeitpunkt, eine hoffnungsfrohe Botschaft zu verkünden, als sich am Montag Virologen und Grippeforscher zu einer Konferenz des „FluResearchNet“ im Max-Planck-Institut in Münster trafen.

Der Virologe Prof. Stephan Ludwig von der Universität ist bei der Therapie der Grippe auf vielversprechenden neuen Wegen. Mit seinem Team und in Zusammenarbeit mit einer Pharmafirma hat er ein Medikament entwickelt, das womöglich künftig bei vielen Grippeviren wirksam helfen wird. „Es setzt nicht beim Virus an, sondern bei Mechanismen in der Zelle, in die die Viren eindringen“, erklärt Stephan Ludwig .

Mit anderen Worten: Die Zellen werden durch das Präparat so fit gemacht, dass sie Grippeviren gar keine Chance lassen.

Medikament in der Erprobungsphase

Das Medikament mit dem Namen „Lasag“ ist derzeit in der zweiten Phase der klinische Erprobung. „Die Ergebnisse sind sehr ermutigend“, sagt Ludwig, der mit seinen Kollegen jahrelang an Strategien gegen Grippeviren geforscht hat.

Der Virologe Prof. Stephan Ludwig hat mit seinem Team an einem neuen, vielversprechenden Grippemedikament geforscht.

Der Virologe Prof. Stephan Ludwig hat mit seinem Team an einem neuen, vielversprechenden Grippemedikament geforscht. Foto: WWUn

Lasag wird inhaliert – und ist deswegen besonders geeignet, Grippevirus-befallene Zellen der Atemwegsorgane zu behandeln. Grundbestandteil des Medikaments ist die gute alte Acetylsalicylsäure, Basis des Aspirins. Aspirin-Tabletten zu schlucken reiche aber gegen Grippe-Viren nicht aus, sagt Ludwig – und den Wirkstoff des Aspirins zu inhalieren sei wegen des hohen Säuregehalts nicht möglich. Ludwig hat es selbst ausprobiert: „Man verbrennt sich die Atemwege“, erzählt er.

Es sei nicht einfach gewesen, Partner in der Pharmaindustrie für die Entwicklung des Medikaments zu finden, sagt Ludwig. Grippe sei für Pharmaunternehmen ein „Saisongeschäft“ – und nicht in jedem Jahr breche die Influenza stark aus.

Neue Gefahren im Blick

Dass langfristig sogar Impfungen gegen Grippe nicht mehr notwendig sein werden, glaubt Ludwig eher nicht: „Eine gute Vorsorge gegen die Ansteckung wird auch künftig nicht falsch sein“, sagt er.

Die Grippeforscher hatten bei der Konferenz aber auch neue Gefahren im Blick: Zurzeit breitet sich weltweit bei Vögeln und in Geflügelställen mit H5N8 ein neues Vogelgrippenvirus aus. „Zum Glück greift das Virus Menschen nicht an“, erklärt Ludwig, für Geflügelbestände sei es aber eine große Gefahr.

Womöglich ein Fall zur Erprobung seines neuen Grippe-Medikaments? Ludwig nickt. „Wir haben schon darüber nachgedacht.“

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