Deutsch für Akademiker
Wilhelms-Universität bietet Sprachkursus für künftige Studenten an

Münster -

In dem Unterrichtsraum im Untergeschoss des Hüfferstifts in Münster ist jeder Stuhl besetzt. Ein Blick durch die Reihen gleicht einer Reise um den Globus: Junge Erwachsene aus Albanien, Taiwan, Palästina, China, Syrien und dem Irak blicken neugierig auf die Folien, die Lehrerin Ulrike Lüken mit einem Projektor an die Wand neben dem Pult wirft.

Donnerstag, 05.11.2015, 01:11 Uhr

Vorbereitungskurs „Deutsch als Fremdsprache“.
Zinar Ala (kl. Bild) möchte in Deutschland studieren. Um die Sprache zu lernen, besucht er einen Vorbereitungskurs „Deutsch als Fremdsprache“. Foto: Matthias Ahlke

Viermal in der Woche lernen ihre 23 Schülerinnen und Schüler „Deutsch als Fremdsprache“. Zinar Ala ist einer von ihnen. Der Kurde kommt aus Nordsyrien und ist bereits vor zehn Jahren vor dem Assad-Regime aus seinem Heimatland nach Spanien geflüchtet. Seit drei Monaten lebt der 38-Jährige nun bei seiner Freundin in Münster . Für ihn ist es ein Neubeginn – einmal mehr.

„Der Sprachkursus ist für mich eine große Chance“, erklärt Zinar Ala, der nach eigenen Angaben in Spanien als Journalist und Übersetzer gearbeitet und in Syrien Wirtschaftswissenschaften studiert hat. Im Alltag fehle ihm noch das Selbstvertrauen, auf Deutsch zu kommunizieren, sagt er. „Ich höre viel Nachrichten im Fernsehen und Radio und gehe in die Bibliothek und lese deutsche Zeitungen. Das Sprechen ist die Schwierigkeit“. Trotz der zurückhaltenden Einschätzung seines Könnens spricht er mit fester Stimme und in verständlichem Deutsch. Im Kreise der Teilnehmer des Sprachkurses traut er sich auch, frei zu sprechen, denn Fehler darf hier jeder machen.

In Gruppen arbeiten die Frauen und Männer ihre Träume von einem idealen Lernumfeld heraus. Sie sollen die deutsche Sprache aktiv anwenden, schriftlich wie mündlich. Deshalb verlangt Ulrike Lüken von ihren Schülern, die Träume erst aufzuschreiben und dann vorzutragen. Ein Dritter muss das Vorgetragene auf eine Klarsichtfolie schreiben.

Die Wünsche sind ebenso unterschiedlich wie die sprachlichen Vorkenntnisse. Während eine junge Frau von einem Raum träumt, in dem sie deutsche Musik und Kultur kennenlernt, hätte ein anderer gerne einen Wasserspender. Eine Asiatin formuliert lyrisch: „Wenn ich aus dem Panorama-Fenster sehe, springt der königliche Garten ins Auge.“ Schallendes Gelächter füllt den Raum. Überhaupt lachen die Schüler oft, jedoch nie hämisch. Verzweifelt der Kandidat an der Klarsichtfolie an den Feinheiten der deutschen Grammatik, helfen die Mitschüler durch das Zurufen von Hinweisen.

Zinar Ala wünscht sich einen Sportraum. An den Wänden soll es Plakate mit Sprichwörtern und klugen Sätzen deutscher Philosophen geben. Er mag die Sprache, überlegt, Germanistik oder Kommunikationswissenschaft zu studieren. „Ich glaube, in einem Jahr bin ich so weit, vielleicht sogar in einem halben“, hofft er. Dann will er auch in Deutschland als Journalist sein Geld verdienen.

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