Interview mit "Kochprofi" Ole Plogstedt
Nebenjob in der Flimmerkiste

Münster -

Ole Plogstedt ist einer von vier Köchen in der RTL-2-Serie „Die Kochprofis – Einsatz am Herd“. Der gebürtige Berliner besitzt in Hamburg ein Restaurant und hat vor 22 Jahren den Catering-Service „Rote Gourmet Fraktion“ mitgegründet, der Bands wie die Toten Hosen auf ihren Tourneen begleitet. Unser Redaktionsmitglied Carsten Vogel traf Plogstedt in Münster, wo er gerade seine Bekanntheit eingesetzt hat, um Geld für einen gute Zweck bei der Aktion " Plattenladen für einen Tag " zu sammeln. Mit Erfolg: 11.000 Euro wurden für das Flüchtlingsprojekt „Sea Watch“ gespendet.

Dienstag, 10.11.2015, 16:11 Uhr

Ole Plogstedt privat...
Ole Plogstedt privat... Foto: Gunnar A. Pier

Ole , du bist oft mit Rock- und Popstars auf Tour.

Ole Plogstedt: Ich habe ein Restaurant und einen Nebenjob in der kleinen Kiste, die immer so flimmert. Aber stimmt schon: Seit 22 Jahren mache ich Tournee-Catering, seither auch für die Toten Hosen.

Und für Jan Delay und viele andere. Fühlst du dich manchmal selbst wie ein Rockstar?

Plogstedt: Da denke ich gar nicht drüber nach: ein ganz klares Nein.

Einen Catering-Service auf Tour mitzunehmen, das ist klingt eher nach Lactose-frei und Low Carb als nach Sex, Drugs and Rock’n’Roll.

Plogstedt: Sex, Drugs and Rock‘n‘Roll gibt es ja noch, das wollen wir mal nicht abstreiten. Heutzutage sind richtige Produktionen aber mit mehreren Trucks unterwegs. Und die Bands müssen liefern. Deshalb müssen sie sich vernünftig ernähren. Unsere Saftpresse, unser Fenchel- oder Ingwertee haben auf Tour Hochkonjunktur. Und leckeres Essen ist immer geil.

Ole Plogstedt im Gespräch

Da hat sich in den Köpfen der Künstler aber schon etwas geändert?

Plostedt: Künstler sind oft Vorreiter. Vor 22 Jahren gab es auf Tour bereits Vegetarier, da wussten viele noch nicht mal, wie man das Wort schreibt (lacht). Und vielen Künstlern wie Jan Delay ist es wichtig, dass ihre Crew ein vernünftiges Catering bekommt.

Mit welcher Band würdest du gerne mal auf Tournee gehen?

Plogstedt: Es gäbe Hunderttausende. Aber ich hätte Angst, dass sie meine Träume zerstören würden. Nachher sind die scheiße (lacht).

Vergleicht man mal Japan, Frankreich und Deutschland , dann fällt nicht nur auf, dass die anderen beiden Länder viel mehr „Drei Sterne Restaurants“ aufweisen können, sie ernähren sich tatsächlich anders, gesünder vielleicht. Schwappt dieses Bewusstsein langsam zu uns rüber?

Plogstedt: Ob das aber etwas mit „Drei Sterne Restaurants“ zu tun hat, wage ich stark zu bezweifeln. Ich möchte nicht deren Kunst mindern, aber ich habe ein ethisches Problem mit den High-End-Produkten, die dort verwendet werden. Also: Was woanders Topware ist, taugt „Drei-Sterne-Köchen“ nichts. Bei solchen Bewertungen müsste mit einbezogen werden, dass man verantwortungsvoll mit Lebensmitteln umgeht und mit welchen.

Die Kochprofis - Einsatz am Herd

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  • m „Richter’s im Tschaikowski Eck“ in Berlin-Pankow läuft es nicht rund. Der gelernte Einzelhandelskaufmann Markus (33) und die gelernte Hotelfachfrau Vivian (24) bringen mit ihrem Kneipen-Restaurant ihre Ersparnisse ums Eck. Auch der gelernte Koch Mathias (35) fährt mit seinen kulinarischen Kreationen auf ausgefahrenen Gleisen – Innovation wird hier klein geschrieben. Hier im Bild: Kochprofi Nils Egtermeyer (li.) mit Koch Mathias in der Küche.

    Foto: RTL II
  • Die Kochprofis Andi Schweiger, Ole Plogstedt und Nils Egtermeyer versuchen einen Weg aus dem Gastro-Labyrinth zu zeigen. Hier im Bild: Kochprofi Ole Plogstedt (re.) im Gespräch mit Vivian und Markus.

    Foto: RTL II
  • Doch trotz gradliniger Konzepte und wegweisender Werbekampagnen stoßen Andi, Ole und Nils immer wieder an ihre Grenzen. Können die Kochprofis diese Mauern einreißen?Gruppenfoto mit den Kochprofis (v.li.n.re.: Markus, Vivian, Koch Mathias und die Kochprofis Ole Plogstedt, Nils Egtermeyer und Andi Schweiger).

    Foto: RTL II
  • Oder fährt das junge Pärchen mit ihrem „Richter’ s im Tschaikowski Eck“ am Ende gegen die Wand? Hier im Bild: Koch Mathias (li.) mit Kochprofi Andi Schweiger (re.). 

    Foto: RTL II

Dein Ansatz ist eher der ganzheitliche...

Plogstedt: Ja genau. „Drei-Sterne-Köchen“ geht es eher um eine Penisprothese (lacht). Das stört mich. Und auch der Vergleich, dass man deswegen in anderen Ländern weiter sei. Wobei ich auch nicht weiß, wie die „Drei-Sterne-Restaurants“ in Japan sind. Das ist auch nicht meine Welt. Ich bin Kantinenkoch.

Mit einem Restaurant...

Plogstedt: Ich weiß auch nicht, ob Japaner weiter sind als wir. Erkannt haben sie allerdings, dass es wichtig ist, seine Mitarbeiter vernünftig zu ernähren und sie dadurch nicht nur gebunden, sondern auch leistungsfähiger werden.

Ich war unlängst in Paris und habe festgestellt, dass man in punkto Bio weiter ist als hier.

Plogstedt: Das ist in Deutschland nach wie vor eine Nische. Das hat mit der Wertschätzung von Lebensmitteln zu tun. Die haben wir in dem Maße nicht. Ich merke dies – gerade auch wegen des Fernsehformats – in den Restaurants. Es sind authentische Fälle, die wir bei RTL 2 erleben. Du merkst, dass das Preisniveau in Deutschland komplett unten ist. Wie mag es schon einem Huhn ergangen sein, dass für 2 Euro 42 im Supermarkt angeboten wird?

Früher war es bei uns eine Delikatesse, wenn meine Oma uns Innereien vom Huhn zubereitet hat. Heute wird das weggeschmissen.

Plogstedt: Ja, stimmt. Mit Hühnern und Mastschweinen habe ich Probleme, die überhaupt zu kaufen oder zu essen. Currywurst geht auch nicht mehr so einfach – schade eigentlich. (lacht).

Die Kochprofis_1

... und als "Kochprofi", flankiert von seinen Kollegen (v. l.) Andi Schweiger, Nils Egtermeyer und Frank Oehler Foto: RTL2

Es gibt auch Unterschiede bei den Kochsendungen. Bei Rach, Rosin und auch bei den Kochprofis ist es ja so, dass Restaurants und Küchen geholfen werden soll. Aber man fragt sich, ob Köche nicht langsam mal wissen müssten, wie es geht? Selbst ich weiß ja mittlerweile, dass man Zwiebeln nicht hackt, weil sie dann bitter werden.

Plogstedt: Wow, gut aufgepasst (lacht). Wenn man Kochsendungen anschaut, heißt das nicht gleich, dass man gut kochen kann. Diese Sendung, die wir bei RTL 2 machen, möchte ich mal da herausnehmen. Das Kochen ist nur ein Vergnügen für den, der interessiert ist. Eigentlich ist „Die Kochprofis“ eine Real-Doku-Serie, in der wir Leuten helfen. Es gibt nicht mal ein Drehbuch.

Das Format spricht die Leute aber an.

Plgostedt: Ja, viele kochen uns auch nach. Wobei ich feststelle, dass die Schere größer wird zwischen Leuten, die auf Ernährung achten, und denjenigen, die sich mit einem Ein-Euro-Cheeseburger zufrieden geben.

Wie oft bist du in deinem Restaurant in Hamburg?

Plogstedt: Ganz im Ernst: Ich habe keine Zeit, da zu kochen. Es sei denn, es gibt eine besondere Veranstaltung. Es kann auch mal sein, dass ich einspringe. Aber wenn ich da als Chef hereinkäme und alles ändern wollte, dann würden die auch denken, der hat sie nicht alle (lacht). Es ist aber auch nicht nötig, weil ich eine geile Crew habe, die den Spirit verstanden hat.

Sendetermin

"Die Kochprofis", am Donnerstag, den 12. November, 20.15 Uhr bei RTL 2

...

Du trägst ein „Sea-Watch-Shirt“. Soziales Engagement ist ein wichtiges Thema für dich?

Plogstedt: Wenn man im Fernsehen ist, bekommt man ohne Ende Anfragen. Ich unternehme nur da etwas, wo mich etwas wirklich bewegt. Man kann aber nicht alles annehmen, sonst wird man unglaubwürdig und verkommt zur Charity-Hure. Mir geht es um Welternährung und Menschlichkeit. Und natürlich auch gegen Rechts. Ich war zum Beispiel Kampagnenbotschafter für Oxfam.

Man weiß manchmal gar nicht, wen man eigentlich noch unterstützen kann.

Plogstedt: Vor „ Sea Watch “ ziehe ich meinen Hut, das ist das beeindruckendste Projekt. Unglaublich. Da gibt es Leute wie Harald Höppner, die sagen, ich schaue mir diese Flüchtlingsproblematik nicht mehr an. Europa könnte mit ein paar Mitteln, alle Flüchtlinge aus dem Meer holen – macht es aber nicht. Und diese Leute kaufen sich ein Schiff, sehen zu, dass sie Spenden bekommen – privatinitiiert. Höppner hat bei Günter Jauch sogar zu einer Schweigeminute für die Opfer aufgerufen. Der Einsatz von „Sea Watch“ ist großartig und absolut unterstützenswürdig.

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