Erna de Vries
Viele wollen sie erleben

Münster -

Die 92 Jahre alte Holocaust-Überlebende Erna de Vries erzählt von ihren Erfahrungen im NS-Staat so lange sie es kann. Als sie am Mittwoch im Schloss der Universität zu Gast war, war der Andrang riesig.

Freitag, 13.11.2015, 07:11 Uhr

Stehende Ovationen für Erna de Vries (l.), die von den Initiatoren der Veranstaltung in die völlig überfüllte Aula im Schloss geleitet wurde.
Stehende Ovationen für Erna de Vries (l.), die von den Initiatoren der Veranstaltung in die völlig überfüllte Aula im Schloss geleitet wurde. Foto: kv

Erna de Vries erzählt von ihrem mittlerweile 92 Jahre währenden Leben, so oft sie kann. Das Interesse, sagt sie beiläufig, habe in den letzten Jahren zugenommen. Im Schloss der Universität wurde dies am Mittwochabend eindrucksvoll bestätigt.

In der mit nahezu 600 jungen Leuten völlig überfüllten Aula standen Zuhörer auf den Freiflächen, viele saßen auf dem Boden. Rund 200 Interessenten hatten die Organisatoren von der Studenteninitiative „Weitblick“ nach Hause schicken müssen.

Sie alle wollten Erna de Vries erleben, die als junge Frau in Ausschwitz den Holocaust überlebte. Seit 1998 erzählt sie in Schulen und anderen Bildungseinrichtungen von ihren Erfahrungen – ihrer Mutter hatte sie das vor deren Ermordung im Vernichtungslager versprochen.

Erna de Vries im Schloss

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  • Die Studenteninitiative „Weitblick“ hatte die Holocaust-Überlebnde Erna de Vries eingeladen. Das Interesse war si groß, dass d Aula vollkommen überfüllt war. Foto: kv
  • Die Studenteninitiative „Weitblick“ hatte die Holocaust-Überlebnde Erna de Vries eingeladen. Das Interesse war si groß, dass d Aula vollkommen überfüllt war. Foto: kv
  • Die Studenteninitiative „Weitblick“ hatte die Holocaust-Überlebnde Erna de Vries eingeladen. Das Interesse war si groß, dass d Aula vollkommen überfüllt war. Foto: kv
  • Die Studenteninitiative „Weitblick“ hatte die Holocaust-Überlebnde Erna de Vries eingeladen. Das Interesse war si groß, dass d Aula vollkommen überfüllt war. Foto: kv
  • Die Studenteninitiative „Weitblick“ hatte die Holocaust-Überlebnde Erna de Vries eingeladen. Das Interesse war si groß, dass d Aula vollkommen überfüllt war. Foto: kv
  • Die Studenteninitiative „Weitblick“ hatte die Holocaust-Überlebnde Erna de Vries eingeladen. Das Interesse war si groß, dass d Aula vollkommen überfüllt war. Foto: kv

Die Veranstaltung war schon weit über eine Stunde alt, als Erna de Vries – mit der Bahn aus ihren Heimatort Lathen an der Ems angereist – dazu stieß. zuvor hatten die Initiatoren von „Weitblick“ den Dokumentarfilm mit dem Titel „Ich wollte noch einmal die Sonne sehen“ des Studentenprojekts „Zeitlupe“ über das Leben von Erna de Vries gezeigt.

Der bewegende Film, in dem sie in ihrem Wohnzimmer sitzend, von ihren Leben und Überleben im NS-Staat erzählt, ist zwar schon neun Jahre alt – Erna de Vries scheint seither nicht älter geworden zu sein. Lebhaft und geduldig beantwortet sie die Fragen der Zuhörer, die meisten Studierende.

Wie sie nach dem Holocaust weiter in Deutschland leben konnte? „Ich habe in meinem Heimatort Lathen an der Ems niemals Ressentiments erlebt“, sagt Erna de Vries. Ins Emsland war sie in der Nachkriegszeit mit ihrem Mann Josef de Vries gezogen – auch er ein Holocaust-Überlebender, der schon 1981 gestorben ist.

„Ich hoffe, dass etwas hängen bleibt, wenn wir nicht mehr da sind“, sagt Erna de Vries zu den jungen Leuten – und dass sie sich über jeden Tag freut, den sie erlebt.

Zu Beginn hatte der Rechtswissenschaftler Prof. Fabian Wittreck mit einem kurzen Vortrag die politische Dimension des Abends skizziert: Das deutsche Grundgesetz sei zwar inspiriert von der Erfahrung mit der Nazi-Diktatur, so Wittreck, es könne aber nur bewahrt werden „von Menschen die die Grundrechte verteidigen“.

Am 27. November ist Erna de Vries wieder in Münster zu Gast: Dann feiert die ehemalige Karl-Wagenfeld-Realschule an der Spichernstraße ihren neuen Namen: Sie heißt jetzt bekanntlich „Erna-de-Vries-Schule“.

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