Erna-de-Vries-Schule
Ihr Name verpflichtet

Münster -

50 Jahre hieß die Realschule an der Spichernstraße nach Karl Wagenfeld. Nun gibt ihr Erna de Vries den Namen. Eine Holocaust-Überlebende ersetzt einen Nazi-Dichter. Der Festakt zur Umbenennung feiert die ungewöhnliche Kehrtwende.

Freitag, 27.11.2015, 17:11 Uhr

Schulleiterin Sabine Leifhelm (l.) und  Erna de Vries beim Festakt zur Umbenennung der Schule. Die 92 Jahre alte Holocaust-Überlebende, die regelmäßig als Zeitzeugin Jugendlichen der Schule erzählt, gibt der Schule ihren Namen.
Schulleiterin Sabine Leifhelm (l.) und  Erna de Vries beim Festakt zur Umbenennung der Schule. Die 92 Jahre alte Holocaust-Überlebende, die regelmäßig als Zeitzeugin Jugendlichen der Schule erzählt, gibt der Schule ihren Namen. Foto: Oliver Werner

Ein Name ist Schall und Rauch? Nicht für die Realschule an der Spichern­straße im Süden Münsters, die über 50 Jahre lang den Namen des Heimatdichters Karl Wagenfeld, der die Nationalsozialisten aktiv unterstützte und in seinen Werken deren Ideologie transportierte. Jetzt trägt die Schule den Namen der Holocaust-Überlebenden Erna de Vries (92) aus Lathen, die den Jugendlichen der Schule seit sieben Jahren regelmäßig von ihren Erfahrungen in den Konzentrationslagern und ihrem Leben erzählt und mit Schülern diskutiert.

Eine Kehrtwende, die am Freitagmittag beim Festakt zur Umbenennung der Schule mit großer Freude und stehenden Ovationen bedacht wurde, Oberbürgermeister Markus Lewe gratulierte der Schule zu ihrer Namenswahl – und unterstrich, was zuvor schon Schuleiterin Sabine Leifhelm in ihrer Rede festgestellt hatte: „Der Name von Erna de Vries ist für die Schule Programm“, er verpflichte, immer wieder an Unrecht in der Geschichte zu erinnern und so heute und künftig deutlich zu machen, dass Ausgrenzung und Rassismus keinen Platz in der Gesellschaft haben dürften. Die Diskussion um die Namenswahl wertet Lewe als „Ermutigung“. Die Schüler hatten sich übrigens bei zwei Abstimmungen jeweils einstimmig für den Namen Erna de Vries ausgesprochen.

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Die 92 Jahre alte Holocaust-Überlebende Erna de Vries erzählt von ihren Erfahrungen im NS-Staat so lange sie es kann.

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Festakt zur Umbenennung der Erna-de-Vries-Schule

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  • Die ehemalige Karl Wagenfeld-Schule trägt jetzt den Namen der Holocaust-Überlebenden Erna de Vries. Die Umbenennung wurde mit einem Festakt in der Schule gefeiert. Foto: kv
  • Die ehemalige Karl Wagenfeld-Schule trägt jetzt den Namen der Holocaust-Überlebenden Erna de Vries. Die Umbenennung wurde mit einem Festakt in der Schule gefeiert. Foto: kv
  • Die ehemalige Karl Wagenfeld-Schule trägt jetzt den Namen der Holocaust-Überlebenden Erna de Vries. Die Umbenennung wurde mit einem Festakt in der Schule gefeiert. Foto: kv
  • Die ehemalige Karl Wagenfeld-Schule trägt jetzt den Namen der Holocaust-Überlebenden Erna de Vries. Die Umbenennung wurde mit einem Festakt in der Schule gefeiert. Foto: kv
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  • Die ehemalige Karl Wagenfeld-Schule trägt jetzt den Namen der Holocaust-Überlebenden Erna de Vries. Die Umbenennung wurde mit einem Festakt in der Schule gefeiert. Foto: Oliver Werner
  • Die ehemalige Karl Wagenfeld-Schule trägt jetzt den Namen der Holocaust-Überlebenden Erna de Vries. Die Umbenennung wurde mit einem Festakt in der Schule gefeiert. Foto: kv
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Erna de Vries überlebt Auschwitz

Den innigen Wunsch ihrer Mutter hat sie erfüllt: „Du wirst überleben und erzählen, was sie mit uns gemacht haben.“

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Die feierliche Veranstaltung im Foyer der Schule, zu der neben Ehrengästen die Lehrer und Schulpflegschaft aus Platzgründen jeweils mit nur zwei Vertretern jeder der 17 Klassen eingeladen waren, zeigte viel von dem Schwung, den der neue Name dem Schulleben einhaucht. Die Jugendlichen hatten ein Programm aus Musik und Tanz einstudiert. Die Siebtklässlerin Lisa Thompson etwa zeigte eine beeindruckende Ballett-Interpretation zur Filmmusik von „Schindlers Liste“.

Und Erna de Vries? Sie war „gerührt und dankbar“, wie sie auf der Bühne kundtat. Vor allem deswegen, weil sie einer Schule ihren Namen leihen darf: „Ich selbst durfte als Mädchen mit jüdischer Abstammung in der Nazizeit nicht mehr zur Schule gehen“, erinnerte sie. Und sie hofft noch, möglichst oft den Jugendlichen „ihrer“ Schule im Unterricht erzählen zu können.

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