Nach Tarifabschluss
Kita-Elterninitiativen in der Finanzklemme

Münster -

Die rund 50 Elterninitiativen in Münster, die Betreuungsplätze für rund 1000 Kinder anbieten, haben finanzielle Sorgen: Viele können sich den hohen Tarifabschluss vom vergangenen Sommer nicht leisten. Das Land bezahle zu wenig für die Kita-Plätze, heißt es.

Dienstag, 01.12.2015, 21:12 Uhr

Kinder  und Erzieher der „Rappelkiste“ an der Hafenstraße – der Trägerverein kann die höheren Gehälter nicht zahlen.
Kinder  und Erzieher der „Rappelkiste“ an der Hafenstraße – der Trägerverein kann die höheren Gehälter nicht zahlen. Foto: ohw

Der Tarifabschluss für Kita-Personal im vergangenen Sommer müsste Erzieher wie Rainer Firgau eigentlich richtig freuen. Seit über 20 Jahren ist er Leiter der Kindergruppe Rappelkiste – und erfahrene Kräfte in Leitungsfunktionen kleiner Einrichtungen profitieren am stärksten vom Tarifabschluss, weil sie bei früheren Gehaltsrunden kaum bedacht wurden. Rund 500 Euro pro Monat soll Firgau nun mehr bekommen, auch seine beiden Kolleginnen in der Kita mit 21 Kindern dürfen eine nennenswerte Steigerung erwarten. Nun verzichten die Angestellten aber auf die Nachzahlung, die ihnen seit Juli eigentlich zusteht. Zusammen hätten sie Anrecht auf 5500 Euro, doch der Trägerverein der Elterninitiative hat das Geld nicht auf der hohen Kante.

Kibiz

„Kibiz“ ist die Abkürzung für das Kinderbildungsgesetz, das in NRW seit 2008 gilt. Es sieht derzeit vor, dass die Betreuungspauschale pro Kind im Jahr maximal um 1,5 Prozent steigen darf. Damit sind die Gehaltssteigerungen für das Personal nicht bezahlbar. Auch die Stadt, große freie Träger und die Kirchen haben dasselbe Grundproblem, aber anders als die kleinen, selbstverwalteten Elternvereine eher die Möglichkeit, Finanzen umzuschichten.Die meisten Elterninitiativen bezahlen ihr Personal nach dem öffentlichen Tarif. Lange war dies die Voraussetzung dafür, um überhaupt die Genehmigung zum Betrieb einer Kita zu erhalten. Weil viele Initiativen bereits seit 20 bis 30 Jahren arbeiten und wenig Personalfluktuation verzeichnen, sind sie von den Tarifsteigerungen, die langjährige Mitarbeiter mit einer Erhöhung von bis zu 15 Prozent Gehalt belohnen, besonders betroffen. Der Verein „Eltern helfen Eltern“ sieht die Initiativen von Insolvenz bedroht. - kv-

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So wie dem Team der Rappelkiste geht es jetzt vielen der 50 Elterninitiativen in Münster, die Betreuungsplätze für rund 1000 Kinder anbieten. Beispiel Kita Kotenbeis: Hier verzichten die drei Mitarbeiterinnen auf das Weihnachtsgeld – „schon zum zweiten Mal“, sagt Erzieherin Charmaine Skene. Das Finanzloch der Kita am Tibusplatz habe sich auf mittlerweile rund 10 000 Euro ausgeweitet, so Skene.

Sie und ihre Kolleginnen haben die Elterninitiativen nun zu Aktionen aufgerufen, um auf die Situation aufmerksam zu machen. Der Verein „Eltern helfen Eltern“, Dachverband der Elterninitiativen, warnt vor einer „sehr ernsten Situation“. „Die Kitas der Initiativen sind durch die zu knapp bemessene Pauschale, die das Land nach dem Kibiz-Gesetz zahlt, chronisch unterfinanziert“, sagt Geschäftsführerin Beate Heeke. Die nun vereinbarte Tarifsteigerung breche vielen Vereins-Kitas finanziell das Genick. Kita-Erzieher, Eltern und Kinder wollen am Mittwoch um 16.30 Uhr vor der Sitzung des Ausschusses für Kinder, Jugendliche und Familien im Stadthaus 2 Alarm schlagen.

„Der Protest richtet sich in erster Linie an das Land“, sagt Heeke, denn das Land setzte die Betreuungspauschalen im Kibiz fest.

In der Kita Kotenbeis wurden bereits früher die Elternbeiträge erhöht. Wie die höheren Gehaltskosten auf Dauer aufgebracht werden könnten, sei für die meisten Initiativen völlig unklar, sagt Heeke. Die Kita Süd an der Hammer Straße kann immerhin kurzfristig aufatmen. Die Roxeler Firma Völkel lenkte ihre 10 000-Euro- Weihnachtsspende zu dem Verein. Das Geld ist für Projekte in der Kita bestimmt, verschafft dem Trägerverein aber nun finanziell kurzfristig etwas Luft. Dort wurden Nachzahlung und Weihnachtsgeld gezahlt. Langfristig helfen Spenden aber nicht, die Finanzsituation der Elterninitiativen zu verbessern. „Das Problem liegt in der Unterfinanzierung im Kibiz“, betont eine Erzieherin.

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