Finanznot durch Tariferhöhung
Kita-Vereine machen Rabatz

Münster -

Fast alle der rund 50 Elterninitiativen in Münster geraten durch den Tarifabschluss für Erzieher aus dem Sommer in große Finanznöte. Rund 1000 Eltern, Erzieher und Kinder machten am Mittwoch vor dem Stadthaus 2 darauf aufmerksam. Es zeichnet sich Hilfe ab.

Donnerstag, 03.12.2015, 06:12 Uhr

Große Versammlung vor dem Stadthaus 2: Die Kita-Vereine sind durch die Tariferhöhung für Erzieher in Nöten.
Große Versammlung vor dem Stadthaus 2: Die Kita-Vereine sind durch die Tariferhöhung für Erzieher in Nöten. Foto: Oliver Werner

Das Finanzloch der von Elterninitiativen betriebenen Kitas hat bedrohliche Ausmaße, die sich im hohen sechsstelligen Bereich summieren. Entsprechend groß war die Versammlung, zu der sich rund 1000 Eltern, Kinder und Erzieher vor dem Stadthaus 2 zur Sitzung des Jugendausschusses spontan am Mittwochnachmittag eingefunden hatten.

„Kita Süd 22 000 Euro“, „Kita Rasselbande 10 200 Euro“, Kita Kleine Wiese 10 000 Euro“, „Kita Kinderhof 13 000 Euro“. Das waren nur einige der rund 50 in Münster tätigen Elterninitiativen, die für 27 Prozent der Träger von Kindertageseinrichtungen in Münster stehen und für etwa 1100 Kinder Platz bieten.

Kitas protestieren gegen Unterfinanzierung

Nach den Tariferhöhungen für die Erzieher-Gehälter im öffentlichen Dienst geraten nun, wie berichtet , fast alle in die Finanzklemme, das führte Beate Heeg vom Verein „Eltern helfen Eltern“ im Jugendausschuss aus.

Stadt will in dringenden Fällen einspringen

Wenn Vereine in die Insolvenz gehen, gehen Kita-Plätze verloren.

Hermann Schmäing vom Vorstand der Kita Süd

„Die Kibiz-Pauschale“, also der Zuschuss des Landes, müsse erhöht werden, betont Hermann Schmäing vom Vorstand der Kita Süd. Die jährliche Steigerung ist bei 1,5 Prozent gedeckelt. Die Tarife der Erzieher erhöhten sich in den vergangenen Jahren jährlich um durchschnittlich vier Prozent. Vor dem Stadthaus demonstrierten die Kitas, weil die Stadt verpflichtet sei, Betreuungsplätze anzubieten. „Wenn nun einzelne Vereine in die Insolvenz gehen, gehen auch Kita-Plätze verloren“, so Schmäing, Vater von zwei Kita-Kindern. Silke Köhl von der Kita Kinderdorf in Albachten hebt dabei hervor, dass die erhöhten Gehälter für das Personal „völlig gerechtfertigt“ seien.

Kita-Protest in Münster

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  • Am Mittwochnachmittag demonstrierten in Münster rund 1000 Eltern, Kinder, Erzieherinnen und Erzieher aus vielen münsterischen Kitas...

    Foto: Oliver Werner
  • ...gegen die chronische Unterfinanzierung ihrer Einrichtungen.

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  • Vor dem Stadthaus am Ludgeriplatz richtete sich der Protest...

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  • ...gegen zu geringe Betreuungspauschalen, die viele Kitas in Finanznot bringen.

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  • Seit Jahren steigen die Gehälter der Erzieherinnen und Erzieher deutlich stärker als die vom Land gezahlten Betreuungspauschalen.

    Foto: Oliver Werner

In der Sitzung führte Jugendamtsleiterin Anna Pohl aus, dass eine Erhöhung der Kibiz-Pauschale um drei Prozent des Landes vorgesehen sei. Außerdem fließen laut Pohl bis 2018 bundesweit 430 Millionen Euro in die Kitas, die für das Betreuungsgeld geplant waren. Die Stadt will nun schnell mit den Kita-Vereinen den Finanzbedarf klären und in besonders dringenden Fällen einspringen.

Kinderbildungsgesetz Kibiz

„Kibiz“ ist die Abkürzung für das Kinderbildungsgesetz, das in NRW seit 2008 gilt. Es sieht derzeit vor, dass die Betreuungspauschale pro Kind im Jahr maximal um 1,5 Prozent steigen darf. Damit sind die Gehaltssteigerungen für das Personal nicht bezahlbar. Auch die Stadt, große freie Träger und die Kirchen haben dasselbe Grundproblem, aber anders als die kleinen, selbstverwalteten Elternvereine eher die Möglichkeit, Finanzen umzuschichten.Die meisten Elterninitiativen bezahlen ihr Personal nach dem öffentlichen Tarif. Lange war dies die Voraussetzung dafür, um überhaupt die Genehmigung zum Betrieb einer Kita zu erhalten. Weil viele Initiativen bereits seit 20 bis 30 Jahren arbeiten und wenig Personalfluktuation verzeichnen, sind sie von den Tarifsteigerungen, die langjährige Mitarbeiter mit einer Erhöhung von bis zu 15 Prozent Gehalt belohnen, besonders betroffen. Der Verein „Eltern helfen Eltern“ sieht die Initiativen von Insolvenz bedroht.

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