Luftverschmutzung
Der Bült bleibt Sorgenkind

Münster -

Zum Jahreswechsel war Münster landesweit Spitzenreiter beim Feinstaubgehalt in der Luft. Das Resultat der einmaligen Silvester-Böllerei bereitet den Behörden aber keine Sorgen – anders als die anhaltende Luftverschmutzung mit Stickstoffdioxid am Bült

Donnerstag, 07.01.2016, 06:01 Uhr

Autoabgase sorgen  im Wesentlichen für die Luftbelastung mit Stickstoffdioxid.
Autoabgase sorgen  im Wesentlichen für die Luftbelastung mit Stickstoffdioxid. Foto: dpa

Beim aktuellen Jahreswechsel war Münster mit seiner Mess-Station an der Weseler Straße etwa in Höhe der Antoniuskirche landesweit Spitzenreiter bei der Luftbelastung. 126 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft wurden gemessen, der von der EU festgelegte Grenzwert liegt bei 50.

Doch diese gewaltige Überschreitung beunruhigt Ralf Besler vom städtischen Umweltamt kaum. „Das Silvesterfeuerwerk zusammen mit der Wetterlage waren Ursache für die hohe Belastung“ sagt Besler. Ein anderer Schadstoff in der münsterischen Luft macht ihm eher Sorgen: Die Belastung mit Stickstoffdioxid ist zwar gesunken, in der Innenstadt am Bült ist sie aber weiterhin zu hoch – trotz vieler Maßnahmen, die der erst kürzlich fortgeschriebene Luftreinhalteplan vorsieht.

Münster gehörte zu den rund 30 Kommunen bundesweit, deretwegen der Bund in dieser Angelegenheit eine Mahnung von der EU-Kommission erhielt.

Dabei gibt es Erfolge: An der Mess-Station Weseler Straße wurde der erlaubte Grenzwert für Stickstoffdioxid 2014 und nach derzeitigen Erkenntnissen auch 2015 knapp unterschritten. 49 Mikrogramm pro Kubikmeter sind erlaubt, 39 waren es hier an beiden Stellen. Am Bült, wo das Stadtklima weniger durchlüftet wird und viel Verkehr fließt, lag der Jahresmittelwert 2014 bei 46 Mikrogramm und damit weiter über dem in der EU erlaubten Grenzwert. Da hier mit einem anderen System gemessen wird, liegen für 2015 noch keine Gesamt-Ergebnisse vor. Besler hält es aber für ausgeschlossen, dass der Grenzwert eingehalten wurde.

Dabei hatten Stadt und Bezirksregierung speziell für den Bült diverse Maßnahmen festgelegt, um die Luftbelastung zu verringern. Vor allem die vielen dort verkehrenden Stadtbusse sollen mit umweltfreundlicher Technologie ausgestattet werden. „Die Maßnahmen greifen noch nicht komplett“, sagt Besler.

Ob der Bund nun Münster und die anderen übermäßig belasteten Städte anweist, noch weitergehende Maßnahmen zur Verringerung des Stickstoffdioxid-Gehalts zu verhängen, ist noch offen. Die EU-Kommission hat angeregt, den Verkehr von dieselbetriebenen Autos einzuschränken. Dafür fehlen aber bisher gesetzliche Grundlagen.

Grundsätzlich ist die Luft in der Stadt aber in den vergangenen Jahren zunehmend reiner geworden, auch am Bült. 2011 betrug dort das Jahresmittel an Stickstoffdioxid noch 455 Mikrogramm. Und 2008 wurde an der Weseler Straße noch der Grenzwert für Feinstaub mit mehr als 35 Tagen mit zu hohem Feinstaubgehalt geknackt. 2015 waren es noch 14. Die Böllerei zum Jahreswechsel sorgte nun am 1. Januar für den ersten Tag mit zu viel Feinstaub 2016.

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