Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge
Hekmat lebt sich in Münster ein

Münster -

Am Straßburger Weg im ehemaligen Pfarrhaus der Trinitatisgemeinde hat die Diakonie eine Wohngruppe für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge eröffnet. Die ersten sind eingezogen, unter ihnen Hekmat aus Afghanistan.

Mittwoch, 13.01.2016, 08:01 Uhr

Noch ist nicht klar, wo Hekmat in Münster zur Schule gehen wird. Vorerst vertreibt er sich mit Zeichnen die Zeit in seiner neuen Wohngruppe im ehemaligen Trinitatis-Pfarrhaus am Straßburger Weg.
Noch ist nicht klar, wo Hekmat in Münster zur Schule gehen wird. Vorerst vertreibt er sich mit Zeichnen die Zeit in seiner neuen Wohngruppe im ehemaligen Trinitatis-Pfarrhaus am Straßburger Weg. Foto: Matthias Ahlke

Es ist hell an diesem Vormittag Anfang Januar am Straßburger Weg im Geistviertel. Die Sonne scheint ins Fenster der oberen Etage des ehemaligen Pfarrhauses der Trinitatiskirche. Hekmat, der seinen ersten Winter in Deutschland erlebt, nutzt in seinem neuem Zimmer das helle Wetter zum Zeichnen. Er ist gerade 17 Jahre alt geworden, erzählt er – mit Händen und Füßen. Hekmat kann ein paar Worte Englisch und schon ein bisschen Deutsch. Im Sommer lebte der Jugendliche noch in der afghanischen Provinz Badakshan im Nordosten des Landes, mit Vater, Mutter und fünf Geschwistern. „Taliban“ sagt er und ahmt ein Maschinengewehr nach. Die Eltern haben ihn auf die Flucht geschickt, über sein Smartphone hält er Kontakt zu ihnen. Nun ist Hekmat in Münster, ein sogenannter UMF.

Die drei Buchstaben stehen für „unbegleitete minderjährige Flüchtlinge“, erklärt Norbert Siebers, der bei der Diakonie Münster deren Betreuung organisiert. Die oberen Etagen des früheren Pfarrhauses sind das neueste Quartier, das die Diakonie hier für zehn Jugendliche eröffnet hat. Hekmat, ein weiterer afghanischer Junge und zwei minderjährige Syrer, sind einen Tag nach der Eröffnung eingezogen. Acht pädagogische Kräfte betreuen die zehn Jugendlichen rund um die Uhr.

Einer der Erzieher stammt aus Marokko, spricht folglich Arabisch. Das hilft in der Verständigung mit Hekmat nicht. Doch der will sowieso schnell deutsch lernen: „Münster schön“, sagt er und nickt eifrig, als Yussuf, der Erzieher ihm erklärt, dass er in Kürze hier in die Schule gehen kann. In welche, das klären die Betreuer der Einrichtung nun.

Nach Monaten auf der Flucht durch Pakistan, den Iran, die Türkei. Mit dem Schlauchboot über das Mittelmeer nach Griechenland, dann über die Balkanroute nach Deutschland, soll Hekmat nun zunächst wieder normale Dinge tun dürfen. Fußball würde er gern spielen, verdeutlicht er.

Vor allem Freizeitangebote von Vereinen und Gruppen sind als Hilfe für die Jugendlichen willkommen, erklärt Norbert Siebers. Sehr ermutigend findet er, dass beim Tag der offenen Tür, kurz vor der Eröffnung der Wohngruppe, knapp 80 Nachbarn aus dem Geistviertel gekommen waren – „viele wollen helfen“, sagt Siebers.

Hekmat und seine Mitbewohner werden drei Monate am Straßburger Weg bleiben – bis geklärt ist, wie es für sie weitergeht.

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