Einfluss auf die Stadtverwaltung
Wie Bürger mitentscheiden

Münster -

Auch jenseits von Wahlen gibt es für Bürger viele Möglichkeiten, Einfluss auf die Kommunalveraltung zu nehmen. Politikwissenschaftlerin Andrea Walter hat dies am Beispiel der Stadtverwaltung in ihrer Dissertation untersucht – und wird für diese Arbeit nun ausgezeichnet.

Freitag, 29.01.2016, 05:01 Uhr

Andrea Walter hat die Möglichkeiten der Einflussnahme auf kommunale Verwaltungen jenseits von Wahlen erforscht – am Beispiel der Stadtverwaltung Münster.
Andrea Walter hat die Möglichkeiten der Einflussnahme auf kommunale Verwaltungen jenseits von Wahlen erforscht – am Beispiel der Stadtverwaltung Münster. Foto: Matthias Ahlke

Ein Sportplatz soll gebaut werden oder ein Windpark geplant. Alltag in kommunalen Verwaltungen. Welche Einflüsse haben aber Bürger abseits von Wahlen auf Gestaltungsprozesse in Städten und Gemeinden? Diese Frage hat sich die Münsteranerin Andrea Walter in ihrer Doktorarbeit am Institut für Politikwissenschaft der Universität Münster gestellt – und dies am Beispiel von Münster erforscht.

Mit ihrer Arbeit gewinnt die Wissenschaftlerin, nun den Carl-Goerdeler-Preis für Kommunalwissenschaft, der am Dienstag (2. Februar) in Leipzig übergeben wird.

„Administrative Governance: Chancen und Herausforderungen für Kommunalverwaltung in lokaler Politikgestaltung mit Zivilgesellschaft“: Dieser spröde Titel der preisgekrönten Arbeit täuscht über die Brisanz der Materie hinweg.

Auf welche Experten in Verbänden und Vereinen hören Verwaltungen, wenn sie Planungen in Angriff nehmen? Wer hat außer Politikern Einfluss – und welche Personen aus Vereinen und Verbänden nehmen als kommunale Lobbyisten Einfluss auf die gewählten Vertreter, die in Kommunen wichtige Entscheidungen treffen und so eine Menge Geld bewegen?

Andrea Walter hat 30 Interviews mit Mitarbeiten der Stadtverwaltung Münster und bürgerschaftlichen Experten, mit Personen aus Verbänden und Vereinen geführt. Dabei ging es etwa um die Gestaltung rund um den Aasee oder den Hafen.

Fazit: Der Einfluss der Experten, also einer zivilgesellschaftlichen Lobby auf die Verwaltung ist groß, besonders wenn es Dachverbände gibt, wie in Münster etwa den Stadtsportbund oder das Umwelthaus. „Die Verwaltungen benötigen aber auch den Rat solcher Experten, die sich in einem Fachgebiet detailliert auskennen – und die Innensicht vertreten“, sagt Andrea Walter. Allerdings fühlten sich diese oft ehrenamtlich Tätigen Experten mitunter nicht entsprechend wahrgenommen, sie haben oft das Gefühl, nicht auf Augenhöhe mit den Verwaltungsprofis zu diskutieren. „Umgekehrt gab es nicht selten Klagen in der Verwaltung, die sich von engagierten Bürgern unfair vorgeführt fühlte“, fasst die Wissenschaftlerin zusammen – Beispiel sei das vor einigen Jahren veranstaltete Hafenforum gewesen.

Fazit: „Je transparenter die Verwaltung ihre Arbeit darstellt, desto besser funktioniert die Zusammenarbeit“, fasst Andrea Walter zusammen. Sie nimmt in Münster ein breites Engagement der Zivilgesellschaft wahr. Verglichen hat sie allerdings nicht mit anderen deutschen Kommunen, sondern mit den Strukturen in den USA. Dort sind engagierte Experten noch viel stärker gefordert als hierzulande. Die gewählten Räte in US-Städten seien sehr klein, Parteipolitik spiele keine Rolle. Dort seien lokale Politiker und die Verwaltung noch stärker auf das Mitwirken von engagierten Experten aus der Bürgerschaft angewiesen.

Die Preisverleihung wird von der Stadt Leipzig, der Carl und Anneliese Goerdeler-Stiftung und dem Institut für den öffentlichen Sektor e.V. getragen. Der Preis erinnert an den 1945 von den Nazis ermordeten ehemaligen Leipziger Oberbürgermeister Carl Goedeler.

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