Verdacht auf gewerbsmäßigen Betrug
Razzia in Flüchtlingsunterkunft in Gremmendorf

Münster -

(Aktualisiert) Jetzt also doch: Wenige Tage, nachdem die Polizei im Kreis Warendorf Razzien in zwei Flüchtlingsunterkünften in Ahlen durchgeführt hat, haben Staatsanwaltschaft und Polizei auch eine Einrichtung in Münster durchsucht.

Dienstag, 02.02.2016, 10:02 Uhr

Die Landesunterkunft für Flüchtlinge in der York-Kaserne - hier ein Archivbild - ist am Dienstagmorgen von Polizei und Staatsanwaltschaft Münster durchsucht worden.
Die Landesunterkunft für Flüchtlinge in der York-Kaserne - hier ein Archivbild - ist am Dienstagmorgen von Polizei und Staatsanwaltschaft Münster durchsucht worden. Foto: Matthias Ahlke

Großauflauf am frühen Dienstagmorgen an der York-Kaserne in Gremmendorf: Augenzeugen berichten von bis zu 20 Streifenwagen, die an der Landesnotaufnahme-Einrichtung für Flüchtlinge am Albersloher Weg vorfahren. Gegen 6 Uhr betreten Beamte von Staatsanwaltschaft und Polizei die Flüchtlingsunterkunft. Gesucht werden nach Behörden-Angaben 21 Personen. Sie stehen im Verdacht, sich zeitgleich in mehreren Einrichtungen das wöchentliche Taschengeld von 30 Euro erschlichen zu haben. Gewerbsmäßiger Betrug lautet der Vorwurf, dem die Beamten an diesem Morgen nachgehen.

Der Einsatz scheint indes nur mäßig erfolgreich zu verlaufen: „Von den 21 Beschuldigten konnten nur drei Personen angetroffen werden, die derzeit näher überprüft werden“, erklärt der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft, Heribert Beck, im Anschluss. Bei den Verdächtigen handelt es sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft überwiegend um Männer aus dem nordafrikanischen Bereich.

Die Beschuldigten waren nach Becks Worten dem Leiter der Notunterkunft aufgefallen, weil sie sich mehrfach geweigert hatten, in den Bus zur zentralen Registrierungsstelle am Flughafen Münster/Osnabrück zu steigen. Dort sollten von den bisher nur mit ihren Personalien registrierten Menschen auch Fingerabdrücke genommen werden.

Die Weigerung mitzukommen und teilweise fadenscheinige Ausreden machten den Leiter der Flüchtlingsunterkunft offenbar dermaßen stutzig, sodass er die Polizei über seinen Verdacht in Kenntnis setzte. Zumal die Betroffenen häufig nicht in der Unterkunft gewesen sein sollen, aber am Zahltag immer dort waren, wie es heißt.

Die bei der Razzia nicht angetroffenen 18 Personen hofft die Staatsanwaltschaft „im Laufe der Zeit“ noch finden zu können. Die im Zuge der Ermittlungen verhörten drei Männer sind nach Abnahme von Fingerabdrücken wieder auf freiem Fuß.

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