Kult-Kneipe schließt
Au Revoir „Le Midi“

Münster -

Wolfgang Krause, Betreiber des „Le Midi“, fühlt sich in guter Gesellschaft mit Café Kleimann. Auch der 66-Jährigre schließt sein Traditionslokal am Bohlweg. Krause hat die Gaststätte mit vielen Raritäten aus Frankreich zu einem kleinen Museum umgestaltet.

Freitag, 05.02.2016, 19:02 Uhr

Aus und vorbei ist es ab Ende Februar mit dem Charme der Parier-Kneipen-Kultur von Wolfgang und Ute Krause. Der 66-jährige Gastronom schließt dann sein „Le Midi“ am Bohlweg für immer.
Aus und vorbei ist es ab Ende Februar mit dem Charme der Parier-Kneipen-Kultur von Wolfgang und Ute Krause. Der 66-jährige Gastronom schließt dann sein „Le Midi“ am Bohlweg für immer. Foto: Oliver Werner

Monsieur Krause ist nie müde geworden, in seiner Gastronomie „Le Midi“ an dem Charme der Pariser Kneipen-Kultur zu feilen. Schilder, Plakate, Mobiliar – Wolfgang Krause sammelt und sammelt. Ende Februar hat es sich ausgehaucht mit der französischen Kneipen-Kultur am Bohlweg, dann schließt der 66-Jährige seine Gastronomie. Eine Zahnarztpraxis fühlt künftig in der Szene-Kneipe den Patienten auf den Zahn. Dass ein Teil des Mobiliars bleibt, sagt Wolfgang Krause, habe ihm die Entscheidung leichter gemacht. Die Theke wird zum Empfang umgebaut, ein Werbetapete bleibt im Wartezimmer erhalten.

„Ici c’est plus française qu’en France – hier ist es französischer als in Frankreich“, bescheinigte ihm irgendwann ein Franzose, der Gast im „Le Midi“ am Bohlweg war. Wolfgang Krause mit seinem frankophilen Lebensstil hört solches Lob gerne.

Liebevoll hat er seine vier Wände am Bohlweg dekoriert und sich selbst damit seinen französischen Traum erfüllt. „Jedes Straßenschild habe ich redlich erworben.“ In Frankreich werden ausrangierte Schilder verkauft, so Krause.

Madame Ute Krause denkt mit Schrecken an die Zeit nach der Gastrokarriere. „Bei uns wird kein Nagel ohne zu fragen in die Wand geschlagen“, droht sie scherzhaft ihrem Mann, mit dem sie seit dreieinhalb Jahren verheiratet ist. Beide sind gebürtige Lüdenscheider und beide haben aufgrund ihrer Liebe zu Frankreich bewusst vor dreieinhalb Jahren am 14. Juli, am Nationalfeiertag der Franzosen, geheiratet.

Die Geschichte des „Le Midi“ und die des Gastronomen Wolfgang Krause ist spannend. Seit 40 Jahren lebt er in Münster. Als Student blieb Krause in Münster kleben. 1980 legte er sein Examen ab, ging in den Referendardienst und arbeitete fünf Jahre als Französischlehrer. Beamtenstellen gab es zu dem Zeitpunkt nicht, die Perspektiven seien gleich Null gewesen.

Monsieur Krause schließt das „Le Midi“

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  • Die Parier Kneipen-Kultur „Le Midi“ am Bohlweg in Münster ist Ende des Monats beendet, dann geht der Gastronom in den Ruhestand. Foto: Oliver Werner
  • Die Parier Kneipen-Kultur „Le Midi“ am Bohlweg in Münster ist Ende des Monats beendet, dann geht der Gastronom in den Ruhestand. Foto: Oliver Werner
  • Die Parier Kneipen-Kultur „Le Midi“ am Bohlweg in Münster ist Ende des Monats beendet, dann geht der Gastronom in den Ruhestand. Foto: Oliver Werner
  • Die Parier Kneipen-Kultur „Le Midi“ am Bohlweg in Münster ist Ende des Monats beendet, dann geht der Gastronom in den Ruhestand. Foto: Oliver Werner
  • Die Parier Kneipen-Kultur „Le Midi“ am Bohlweg in Münster ist Ende des Monats beendet, dann geht der Gastronom in den Ruhestand. Foto: Oliver Werner
  • Die Parier Kneipen-Kultur „Le Midi“ am Bohlweg in Münster ist Ende des Monats beendet, dann geht der Gastronom in den Ruhestand. Foto: Oliver Werner
  • Die Parier Kneipen-Kultur „Le Midi“ am Bohlweg in Münster ist Ende des Monats beendet, dann geht der Gastronom in den Ruhestand. Foto: Oliver Werner
  • Die Parier Kneipen-Kultur „Le Midi“ am Bohlweg in Münster ist Ende des Monats beendet, dann geht der Gastronom in den Ruhestand. Foto: Oliver Werner
  • Die Parier Kneipen-Kultur „Le Midi“ am Bohlweg in Münster ist Ende des Monats beendet, dann geht der Gastronom in den Ruhestand. Foto: Oliver Werner
  • Die Parier Kneipen-Kultur „Le Midi“ am Bohlweg in Münster ist Ende des Monats beendet, dann geht der Gastronom in den Ruhestand. Foto: Oliver Werner
  • Die Parier Kneipen-Kultur „Le Midi“ am Bohlweg in Münster ist Ende des Monats beendet, dann geht der Gastronom in den Ruhestand. Foto: Oliver Werner
  • Die Parier Kneipen-Kultur „Le Midi“ am Bohlweg in Münster ist Ende des Monats beendet, dann geht der Gastronom in den Ruhestand. Foto: Oliver Werner
  • Die Parier Kneipen-Kultur „Le Midi“ am Bohlweg in Münster ist Ende des Monats beendet, dann geht der Gastronom in den Ruhestand. Foto: Oliver Werner
  • Die Parier Kneipen-Kultur „Le Midi“ am Bohlweg in Münster ist Ende des Monats beendet, dann geht der Gastronom in den Ruhestand. Foto: Oliver Werner
  • Die Parier Kneipen-Kultur „Le Midi“ am Bohlweg in Münster ist Ende des Monats beendet, dann geht der Gastronom in den Ruhestand. Foto: Oliver Werner
  • Die Parier Kneipen-Kultur „Le Midi“ am Bohlweg in Münster ist Ende des Monats beendet, dann geht der Gastronom in den Ruhestand. Foto: Oliver Werner

Gemeinsam mit einem Referendarskollegen ging Wolfgang Krause darum in die Gastronomie. 1985 eröffneten sie den „Blickpunkt“ am Schlosstheater, 1987 das „Cadaqués“ am Marienplatz. Der mediterrane Künstlerort Cadaqués in Spanien war damals das Ferienziel von Wolfgang Krause. 1997 wurde ihm die Kneipe „Zur guten Quelle“ am Bohlweg angeboten, eine seit 1906 gut bürgerliche Traditionsgaststätte in passender Größe für den französischen Traum von Monsieur Krause.

Dieser holte Accessoires aus Frankreich, kaufte Tische, die einst im Café Schucan standen. „Das Auto war manchmal bis unters Dach gefüllt“, sagt Ute Krause. Als sie den Pkw in Frankreich beladen wollte, war schon so viel eingepackt, dass es auf der anderen Seite wieder aus dem Auto fiel. Wolfgang Krause möchte einen Großteil seiner gesammelten Werke einmotten. Er träumt heute von einer eigenen Weinbar, die er vielleicht eröffnen möchte. Selbstverständlich geht auch der Kronleuchter mit ins private Sammlerreich. Diesen Leuchter hat Ute Krause von ihren Eltern geerbt. „Unter dem haben sie immer Fernsehen gesehen.“ Jetzt hängt er im Le-Midi-Wohnzimmer.

Tabak ist das Stichwort. Vor etwa 15 Jahren, erinnert Monsieur Krause, parkte vor seinem „Le Midi“ ein Lkw-Fahrer aus Frankreich. Er hatte das rote Werbeschild Tabac entdeckt, stieg aus und kam rein. Der Franzose bestellte eine Schachtel Gauloises und ein Bier und dachte, er sei in der Heimat.

Wolfgang Krause kommt ins Plaudern. „Café Theâtre“ nannte der Mann hinter dem Tresen vom „Le Midi“ beispielsweise jene Abende, die er früher regelmäßig initiierte. Das Hinterzimmer vom „Le Midi“ wurde zur Bühne umfunktioniert. Ob Johnny Ketzel, die Zwillinge, Jean-Claude Séférian oder Annette Ziellenbach als Edith Piaf – alle traten bei ihm auf.

Die Zwillinge Gerd und Richie Bracht kennt Wolfgang Krause aus Lüdenscheider Zeiten. Gemeinsam haben sie ihr Abitur abgelegt, den Ersatzdienst geleistet, studiert und den Referendardienst hinter sich gebracht.

Für Jean Claude Séférian aus Frankreich ist das „Le Midi“ zum liebsten Auftrittsort in Münster geworden. Das letzte Konzert an diesem Wochenende war „très rapidement“ ausverkauft. Aber auch Chris Jagger, Bruder von Mick Jagger, trat bei Wolfgang Krause auf. „Ich bin Rolling-Stones-Fan bis in die Knochen.“

Als ihn ein Freund anrief, ob Chris Jagger bei ihm auftreten könne, überlegte er nicht lange. „Das war wie ein Ritterschlag“, als Chris Jagger den Auftritt im „Le Midi“ aufs Cover genommen habe. Der 66-Jährige Krause reiste zu Stones-Konzerten nach New York und nach London. Mit Oberbürgermeisterin Marion Tüns fuhr er zu den Stones nach Düsseldorf.

Wolfgang Krause hat viele Stammgäste. Sein liebster Promi ist Dr. Tono Eitel. Der frühere Botschafter für den Libanon und für die Vereinten Nationen kommt jede Woche, genießt seine Linsensuppe und ist dann wieder verschwunden.

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