Donnerschlag in Heilig Kreuz
Pastor Thomas Frings verlässt die Gemeinde

Münster -

Thomas Frings, Pfarrer von Heilig Kreuz, einer der größten Gemeinden in Münster, wird ab Ostern eine Auszeit nehmen und zunächst für eine Zeit ins Kloster gehen. Als Grund nannte er, dass er einen „ununterbrochenen Rückzug von Kirche und Glauben“ erlebt habe.

Sonntag, 14.02.2016, 17:02 Uhr

Pfarrer Thomas Frings, Heilig Kreuz, nimmt eine Auszeit und geht ins Kloster.
Pfarrer Thomas Frings, Heilig Kreuz, nimmt eine Auszeit und geht ins Kloster. Foto: Pfarrei Heilig Kreuz, Münster

Der Pastor von Heilig-Kreuz, Thomas Frings, wird seine Gemeinde verlassen und in ein Kloster in die Niederlande gehen, um sich neu zu orientieren. Das hat er in den beiden Gottesdiensten am Samstagabend und Sonntagvormittag verkündet. Er begründete das mit „Veränderungen im Verhältnis der Gesellschaft zur Kirche, aber auch das Verhalten der Mitglieder in ihr“.

Kommentar

Pastor Thomas Frings verlässt die Kreuzkirche. Das sollte zu denken geben , meint Redakteur Stefan Werding.

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Er sagte: „Solange ich lebe, kenne ich nur eine schwindende Zahl bei den in der Kirche Aktiven und eine wachsende bei den Kirchenaustritten.“ Die Reaktionen darauf seien bei der Kirchenleitung, Gemeindeleitung und in den Gemeindegremien sehr ähnlich: „Gemeinden, Seminare und Klöster werden geschlossen oder zusammengelegt, um dann meist das Bisherige weiterzumachen.“

Frings beklagt, dass wir „die Zukunft von Kirche in den Gemeinden immer noch nach dem Modell der Vergangenheit gestalten“. Den Wunsch, „dass alles wieder so ist wie vor 30 Jahren“, kann er zwar nachvollziehen, und doch sei es derjenige, der am unwahrscheinlichsten in Erfüllung gehen werde. „In was für einem Dilemma befinden wir uns, wenn Wunsch und Wirklichkeit so eklatant im Widerspruch stehen?“, fragte er.

Ich habe den Glauben daran verloren, dass der Weg, auf dem ich als Gemeindepfarrer mit Freude und Engagement gegangen bin, ein zukunftsweisender ist.

Thomas Frings

„Wir bedienen zu viel Tradition und wecken zu wenig Sehnsucht.“ Der 55-Jährige sieht sich selbst als Verfechter eines „mutigen Abschiednehmens vom Gewohnten, auch wenn es Ärger gibt“. Er sagt: „Uns kann das Mitglieder kosten, aber das tut die jetzige Praxis auch. Vielleicht gewinnen wir aber auch Menschen und an Glaubwürdigkeit. Das Risiko ist es mir wert.“

Auch wenn die Heilig-Kreuz-Gemeinde im Schnitt die jüngsten Kirchenbesucher bistumsweit hat, kommen dort etwa 90 Prozent der Kirchenmitglieder nicht einen Sonntag im Jahr in die Kirche, 70 Prozent nicht einmal an Weihnachten, bedauert der Geistliche. Da ist es offenbar kein Trost, dass an diesem Sonntag die Kirche so voll war, dass zusätzliche Stühle aufgestellt werden mussten.

Zur Person

Thomas Frings wurde 1960 in Kleve geboren und 1987 zum Priester geweiht. Er ist der Großneffe des berühmten Kölner Kardinals Joseph Frings. Er war Kaplan in Warendorf und Pfarrverwalter in Münster (Angelmodde) St. Agatha, bevor er 1997 Pfarrer in Münster (Albachten) St. Ludgerus wurde. 1999 und noch einmal 2005 wurde er Dechant des Dekanates Münster-Lamberti. Seit 2009 ist er Pfarrer in Heilig Kreuz, seit 2010 ist er Mitglied des Priesterrates, seit 2014 dessen Moderator. Frings hat immer wieder mit außergewöhnlichen Aktionen für Aufsehen gesorgt: So ersetzte die Gemeinde 2010 die Kirchenbänke durch Stühle und Sessel, die die Gemeindemitglieder in der Kirche aufstellten. 2014 stand in der Kirche eine Krippe aus Playmobil-Figuren. Und seit mehreren Wochen leuchten die vier Worte „Ja ich bin da“ vom hohen Turm der Heilig-Kreuz-Kirche.

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Frings machte im Gespräch mit Gläubigen auch keinen Hehl daraus, dass er bei manchen Hochzeiten nur noch als Dienstleister gesehen wird, der vor allem dafür zu sorgen habe, dass während der Trauung auch Helene Fischer gespielt wird. Das sei verbunden mit der „Ahnungslosigkeit nicht weniger für mich immer schwerer auszuhalten“. Und trotz des Versprechens der Eltern können die meisten Kommunionkinder bis zur Kommunion weder das Kreuzzeichen noch das Vater Unser. „Dies sind Realitäten, mit denen ich mich kaum mehr abfinden kann. Und ich habe mich 25 Jahre als Pfarrer wahrlich bemüht.“

Frings gab zu, dass er selber nicht weiß, wie der Weg der Kirche in die Zukunft auszusehen hat. Er betonte aber: „Ich möchte Priester bleiben. Das ist meins.“ Laut Bistum werde Frings’ Nachfolge in den nächsten Wochen geklärt. Das Verfahren werde unmittelbar eingeleitet. Dazu werde die Stelle ausgeschrieben.

Pfarrer Thomas Frings hat seine Gründe für die Entscheidung in einer längeren persönlichen Erklärung dargelegt, die auf der Seite von Heilig-Kreuz Münster bei Facebook nachzulesen ist. 

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