Kritik an Entwicklung kirchlichen Lebens
Pfarrer Frings verlässt Heilig-Kreuz

Münster -

„Ich habe den Glauben daran verloren, dass sich der Weg, auf dem ich als Gemeindepfarrer mit Freude und Engagement gegangen bin, ein zukunftsweisender ist.“ Mit diesen starken Worten verabschiedete sich Pfarrer Thomas Frings von der Heilig-Kreuz-Gemeinde.

Montag, 15.02.2016, 19:02 Uhr

Pfarrer Thomas Frings wird die Gemeinde Heilig-Kreuz verlassen.
Pfarrer Thomas Frings wird die Gemeinde Heilig-Kreuz verlassen. Foto: Stefan Werding

Der Pastor von Heilig-Kreuz, Thomas Frings, wird seine Gemeinde verlassen und in ein Kloster in die Niederlande gehen, um sich neu zu orientieren. Das hat er am Wochenende verkündet. „Ich habe den Glauben daran verloren, dass der Weg, auf dem ich als Gemeindepfarrer mit Freude und Engagement gegangen bin, ein zukunftsweisender ist“, begründete er. Der Pfarrer sieht sich „vermehrt in einer Funktion des Bedienens von Traditionen und als Verfügungsmasse einer Kirche, die auf allen Ebenen mehr an ihrer Vergangenheit arbeitet als an ihrer Zukunft“.

Er sagte: „Solange ich lebe, kenne ich nur eine schwindende Zahl bei den in der Kirche Aktiven und eine wachsende bei den Kirchenaustritten.“ Die Reaktionen seien bei Kirchenleitung, Gemeindeleitung und Gemeindegremien sehr ähnlich: „Gemeinden, Seminare und Klöster werden geschlossen oder zusammengelegt, um dann meist das Bisherige weiterzumachen.“

Frings beklagt, dass wir „die Zukunft von Kirche in den Gemeinden immer noch nach dem Modell der Vergangenheit gestalten“. Den Wunsch, „dass alles wieder so ist wie vor 30 Jahren“, kann er nachvollziehen, und doch sei es derjenige, der am unwahrscheinlichsten in Erfüllung gehen werde. „In was für einem Dilemma befinden wir uns, wenn Wunsch und Wirklichkeit so eklatant im Widerspruch stehen?“

„Wir bedienen zu viel Tradition und wecken zu wenig Sehnsucht.“ Der 55-Jährige sieht sich als Verfechter eines „mutigen Abschiednehmens vom Gewohnten, auch wenn es Ärger gibt. Uns kann das Mitglieder kosten, aber das tut die jetzige Praxis auch. Vielleicht gewinnen wir aber auch Menschen und an Glaubwürdigkeit“.

Auch wenn die Heilig-Kreuz-Gemeinde die im Schnitt jüngsten Kirchenbesucher bistumsweit hat, kommen dort etwa 90 Prozent der Mitglieder nicht einen Sonntag im Jahr in die Kirche, 70 Prozent nicht einmal an Weihnachten, bedauert der Geistliche. Da ist es offenbar kein Trost, dass an einem Sonntag wie diesem die Kirche so voll war, dass zusätzliche Stühle aufgestellt werden mussten.

Frings machte im Gespräch mit Gläubigen auch keinen Hehl daraus, dass er etwa bei manchen Hochzeiten nur noch als Dienstleister gesehen wird, der vor allem dafür zu sorgen habe, dass während der Trauung auch Helene Fischer gespielt wird. Das sei verbunden mit zunehmender „Ahnungslosigkeit, die für mich immer schwerer auszuhalten ist“. Und trotz des Versprechens der Eltern können die meisten Kommunionkinder bis zur Kommunion weder das Kreuzzeichen noch das Vaterunser. „Dies sind Realitäten, mit denen ich mich kaum mehr abfinden kann.“

Frings betonte: „Ich möchte Priester bleiben.“ Laut Bistum wird seine Nachfolge in den nächsten Wochen geklärt. Die Stelle werde ausgeschrieben. 

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