Forschung über die Folgen des Datenstroms
„Big Data“ ist überall

Münster -

Gigantische Datenmengen werden zusammenhanglos im Netz transportiert und führen zu neuen Rückschlüssen. Das hat Konsequenzen für Einzelne und die Gesellschaft. Wissenschaftler tauschen sich in Münster bein einer Tagung aus, welche Reaktionen auf diese Entwicklung nötig sind.

Dienstag, 16.02.2016, 14:02 Uhr

Prof. Thomas Hoeren  (r.) eröffnete die Tagung über die Folgen von „Big Data“ an der Universität.
Prof. Thomas Hoeren  (r.) eröffnete die Tagung über die Folgen von „Big Data“ an der Universität. Foto: Matthias Ahlke

In einer bestimmten Gegend passieren gehäuft Diebstähle und Einbrüche. Das weiß noch nicht einmal die Polizei, das zeigt sich aber durch Mitteilungen in sozialen Netzwerken, wo Abermillionen von zusammenhanglosen Einzeldaten – zusammengeführt – zu dieser Erkenntnis führen. Was bedeutet das für Bewohner dieser Gegend, wenn Versicherungen, die Information erhalten. Erhöhen sich ihre Versicherungsbeiträge?

Mit Fragen wie dieser müssen sich Wissenschaftler beschäftigen, seitdem immer riesigere Datenmengen ausgetauscht werden. Seit Montag beraten über die ethischen, gesellschaftlichen und rechtlichen Folgen von „Big Data“ mehr als 200 Experten aus ganz Deutschland bei einer Tagung am Institut für Informations-, Kommunikations- und Medienrecht (ITM) der Universität Münster. Dessen Direktor, Prof. Dr. Thomas Hoeren, koordiniert von Münster aus auch das vom Bund finanzierte Projekt „Abida“, eine gemeinschaftliche Forschung von sechs deutschen Hochschulen.

Das Projekt leistet Pionierarbeit, ist auf eine gewisse Weise Grundlagenforschung: „Es war bis vor Kurzem nicht vorstellbar, dass derart gigantisch viele Daten aus wirren Zusammenhängen zusammengeführt werden und zu Wahrscheinlichkeitsannahmen führen“, sagt Thomas Hoeren. Eine Frage, die sich für die Gesellschaft daraus ergebe, sei etwa, ob die Gesetze für Verbraucher- oder Datenschutz nicht ganz neu definiert und formuliert werden müssten.

Dabei kann es um Persönlichkeitsrecht ebenso gehen wie um Sicherheit. Wie etwa soll bei einem selbstfahrenden Auto programmiert werden, in welcher Reihenfolge Gefahren in Unfallsituationen abgewägt werden?

An der Tagung nehmen unter anderen Christiane Woopen, Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, Uwe Jacob, der Direktor des Landeskriminalamtes Nordrhein-Westfalen, und Thilo Weichert, der ehemalige Datenschutzbeauftragte des Landes Schleswig-Holstein, teil. „Bei unserer Forschung geht es um das Recht, die Datenqualität und nicht zuletzt die Bedürfnisse der Bevölkerung“, so Horen.

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