Loek Geeradts hat ein Stück Niederlande geschaffen
„Vater“ des Niederlandezentrums wird verabschiedet

Münster -

Münster klebt. Auch ein junger Germanistikstudent aus Venlo ist nach seinen ersten Semestern Anfang der 70er-Jahre hier hängengeblieben: Loek Geeraedts. Der „Vater“ des Zentrums für Niederlandestudien wird nun verabschiedet.

Sonntag, 28.02.2016, 09:02 Uhr

Dr. Loek Geeraedts – hier im Kaminsaal des Hauses der Niederlande – hat die Gründung des Zentrums für Niederlandestudien vorangetrieben und war über 26 Jahre lang dessen Geschäftsführer.
Dr. Loek Geeraedts – hier im Kaminsaal des Hauses der Niederlande – hat die Gründung des Zentrums für Niederlandestudien vorangetrieben und war über 26 Jahre lang dessen Geschäftsführer. Foto: Matthias Ahlke

Er wollte damals, 1970, nur ein Jahr in Münster bleiben, die ersten beiden Semester an der Universität studieren. Dann schnell zurück nach Hause in die niederländische Heimat. Jetzt, mehr als 45 Jahre später, ist Dr. Loek Geeraedts immer noch da. Niederländischer Staatsbürger ist er immer noch, aber er denkt und träumt auch schon mal auf Deutsch und schaut, wie er sagt „am liebsten von außen auf sein Land“. Und in Münster hat er ein Stück Niederlande geschaffen.

Loek Geeraedts hat die Gründung des Niederlande-Zentrums und dessen Entfaltung im alten Krameramtshaus am Alten Steinweg, seit 1995 Haus der Niederlande, vorangetrieben. In der vergangenen Woche hat er seinen 65. Geburtstag gefeiert, am Montag (29. Februar) wird er als Geschäftsführer des Zentrums im Stein-Haus der Universität am Schlossplatz feierlich verabschiedet.

Damals, Anfang der 70er Jahre, gefiel es dem jungen Mann aus Venlo, der Deutschlehrer in den Niederlanden werden wollte, in Münster besser als gedacht. Er wurde Hilfskraft am germanistischen Institut und lernte in Münster seine erste Ehefrau kennen. Auch als er nach seinem Magister-Examen für kurze Zeit mit der zwischenzeitlich gegründeten Familie nach Venlo umzog, pendelte er zum Arbeiten weiter nach Münster. Er promovierte, war wissenschaftlicher Assistent im Institut für Niederlandistik. Als 1988 zum ersten Mal die Idee publik wurde, in Deutschland ein wissenschaftliches Zentrum zur Erforschung der Niederlande zu gründen, wohnte er schon längst wieder in Münster. Und er erhielt von der Universität den Auftrag, zu sondieren, wie diese Idee mit Leben zu füllen und das künftige Zentrum nach Münster zu holen sei. Historische Gründe – der niederländische Nationalstaat wurde 1648 in Münster gegründet – und die geografische Nähe sprachen für Münster, auch dass die Unibibliothek mit dem Sondersammelgebiet Niederlande sämtliche Literatur über das Nachbarland beherbergte.

„Es war eine spannende Zeit“, erinnert sich Geeraedts. In dem Zentrum sollte es nicht nur um interdisziplinäre wissenschaftliche Forschung und Lehre gehen, sondern die neue Einrichtung sollte mit ihrer Expertise auch Dienstleistungen für Behörden und Unternehmen erbringen und das bilaterale Verhältnis fördern.

Am 9. November 1989, zufällig dem Tag des Mauerfalls, wurde das Zentrum als Einrichtung der Universität Münster feierlich gegründet. Dass es sechs Jahre später mit dem Krameramtshaus seinen repräsentativen Sitz erhielt, war für Geeraedts das schöne i-Tüpfelchen der erfolgreichen Gründung. Am neuen Sitz wurde das Zentrum auch kultureller Leuchtturm: 90 Ausstellungen, ungezählte Lesungen und Konzerte haben hier seit dem Einzug vor 21 Jahren stattgefunden.

Und auch königlichen Besuch hat das Haus empfangen: der niederländische König Willem Alexander war schon vier Mal da – zuletzt im vergangenen Herbst. Als Geschäftsführer war dieser Besuch für Geeraedts eine seiner letzten Amtshandlungen, bevor er sein Amt an seinen Nachfolger Dr. Markus Wilp übergab. Ein glanzvoller Schlusspunkt.

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