Kunstwerkpläne eingeschränkt
Wanderfalken auf dem Rockwool-Turm

Münster-Hiltrup -

Nachdem klar ist, dass sich ein Wanderfalken-Pärchen den Rockwool-Turm als Brutstätte ausgesucht hat, ergeben sich Einschränkungen für die geplante Kunst-Aktion.

Montag, 14.03.2016, 11:02 Uhr
Veröffentlicht: Montag, 14.03.2016, 10:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Montag, 14.03.2016, 11:02 Uhr
Wanderfalken nisten gern auf hohen Türmen – ein Pärchen hat sich jetzt den Rockwool-Turm ausgesucht.
Wanderfalken nisten gern auf hohen Türmen – ein Pärchen hat sich jetzt den Rockwool-Turm ausgesucht. Foto: colourbox.com

Das Wichtigste über den Wanderfalken ist schnell gesagt: Die Greifvogelart ist streng geschützt, 2015 wurden in NRW nur 222 Brutpaare registriert, davon drei in Münster.

Wenn man sich nun näher mit den Brutstandorten beschäftigt, dann kann man erahnen, dass der Wanderfalke – möglicherweise – in Münster zum Politikum wird. Eines der drei Brutpaare ist nämlich auf dem Rockwool-Turm in Hiltrup heimisch geworden. Gemeint ist jener Turm, der in letzter Zeit für Schlagzeilen gesorgt hat, weil eine Initiativgruppe gemeinsam mit dem Künstlerduo Winter/Hoerbelt und dem Eigentümer des Turmes, der Firma Rockwool, die spektakuläre Installation eines Kunstwerkes auf dem Turm plant.

Ein erster Entwurf für das Kunstwerk oben auf dem Rockwool-Turm liegt bereits vor.

Ein erster Entwurf für das Kunstwerk oben auf dem Rockwool-Turm liegt bereits vor. Foto: Winter/Hoerbelt: Proposal

Haben sich damit die Pläne erübrigt? Dr. Thomas Hövelmann vom Naturschutzbund (Nabu) Münster und der münsterische Wanderfalken-Experte Hubert Große-Lengerich können keine einfachen Antworten geben.

Zunächst: Die Brutzeit und Aufzucht der Jungen geht von März bis Ende Juli. „In dieser Zeit sind alle Arbeiten am Turm, die den Wanderfalken stören könnten, verboten“, spricht Große-Lengerich Klartext.

In der verbleibenden Zeit könnte die Installation des Kunstwerks erfolgen. Vorausgesetzt natürlich, dass hoch oben auf der Spitze des Turmes eine ausreichend große Brutfläche verbleibe.

Seltene Tiere und Pflanzen in NRW

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  • Der Raufußkauz gilt als gefährdete Art, die in Nordrhein-Westfalen ausschließlich in den Mittelgebirgsregionen vorkommt. Schwerpunktmäßig verbreitet ist die Eulenart noch im Sauer- und Siegerland. Bedroht ist der Raufußkauz durch einen Mangel an geeignetem Lebensraum. Quelle: www.umwelt.nrw.de

    Foto: Marcin Bielechi
  • Der Hirschkäfer ist der größte Käfer Europas. Männchen werden 30 bis 75 mm und Weibchen bis zu 40 mm groß. Er kann bis zu acht Jahre alt werden, verbringt jedoch den größten Teil seines Lebens als Larve. Kernvorkommen liegen im Weserbergland – unter anderem im Kreis Lippe –, im Kreis Wesel, im Münsterland, im Bergischen Land sowie am Nordrand der Eifel und im Köln-Bonner Raum.

    Foto: A9999 Andreas Malten/Senckenberg
  • Der Wanderfalke ist das schnellste Lebewesen der Erde. Im Sturzflug erreicht er spektakuläre Geschwindigkeiten von mehr als 300 Kilometer pro Stunde. Zum Vergleich: Formel 1-Wagen erreichen Höchstgeschwindigkeiten von gut 340 Kilometer pro Stunde. Vorkommen: Bochum, Bottrop, Essen, Gelsenkirchen, Herne, Mülheim/Ruhr Oberhausen und Kreis Recklinghausen.

    Foto: Bernhard Volmer
  • Der Weißstorch ist ein wahrer Weltenbummler: Er überwintert im tropischen Afrika und kehrt jedes Jahr im April aus seinem Winterquartier südlich der Sahara zurück, um zu brüten und Junge zur Welt zu bringen. Vor allem im Kreis Minden-Lübbecke kann man den bis zu 110 cm großen Schreitvogel durch feuchte Wiesen und Weiden schreiten sehen.

    Foto: Walter Weigelt
  • Noch in den 80er Jahren kamen Feldhamster auf dem Gebiet der ehemaligen DDR so häufig vor, dass ihr Fang staatlich organisiert werden musste. Heute hingegen ist der Nager in der gesamten EU eine streng geschützte Art. Aktuell ist nur noch eine einzige Feldhamsterpopulation im Zülpicher Raum im Kreis Euskirchen bekannt. Der Gesamtbestand liegt bei unter 50 Tieren.

    Foto: Uwe Anspach
  • Der Uhu ist die größte europäische Eulenart. Er kann seinen Kopf bis zu 270 Grad drehen. Vom Menschen ausgerottet, ist der Uhu heutzutage vor allem in den Mittelgebirgsregionen Nordrhein-Westfalens wieder weit verbreitet, so zum Beispiel schwerpunktmäßig im Teutoburger Wald, im Sauerland sowie in der Eifel.

    Foto: Julian Stratenschulte
  • Weil die Menschen früher glaubten, der Schwarzstorch bringe Unglück, und wegen seines edel-schimmernden Gefieders, wurde er mancherorts fast ausgerottet. In Nordrhein-Westfalen tritt der Schwarzstorch seit 1978 wieder als Brutvogel auf. Sein Vorkommen beschränkt sich auf die Mittelgebirgsregionen des Weserberglandes, des Siegerlandes, des Bergischen Landes und der Eifel.

    Foto: Frm
  • Weil er sich auf Nahrungssuche durch den Sand kaut, heißt dieser kleine Fisch Steinbeißer. Die aktuell bekannten Vorkommen sind lückenhaft über NRW verteilt. Der Schwerpunkt liegt jedoch in den Bächen der Münsterländer Bucht und im Wesereinzugsgebiet.

    Foto: Bezirksregierung
  • Das Leberblümchen wurde im Mittelalter zur Heilung von Leberleiden eingesetzt und blüht nur eine Woche. In NRW kommt die Pflanzenart neben dem Teutoburger Wald noch in den Kalkgebieten von Weser und Diemel, im östlichen Hochsauerland sowie in den Beckumer Bergen vor. Es gilt als „besonders geschützt“ und darf weder gepflückt noch ausgegraben werden.

    Foto: Marion Nickig
  • Der Feuersalamander darf heutzutage weder eingefangen noch verletzt oder gar getötet werden. Das sahen die Menschen im Mittelalter noch ganz anders: Sie glaubten, der Feuersalamander besäße die Gabe, Brände zu löschen. Also warf man ihn ins Feuer, wenn es irgendwo brannte. Neben dem Ennepe-Ruhr-Kreis gibt es größere Vorkommen des schwarz-gelben Lurches vor allem im Weserbergland, der Eifel und dem Niederrhein.

    Foto: David Ebener
  • Die Europäische Wildkatze wird fälschlicherweise oft als Vorfahre aller heimischen Hauskatzen bezeichnet. Aber schon beim Aussehen gibt es Unterschiede: Die Wildkatze hat ein gelblichgrau bis bräunlich gefärbtes Rückenfell, das mit einem undeutlichen schwarzen Tigermuster gezeichnet ist. Sie ist eine hochmobile Art, deren Bestände sich in großen Waldgebieten wie dem Rothaargebirge, dem Egge-Gebirge oder der Eifel erholt haben.

    Foto: A3587 Ronald Wittek
  • Sein dichtes Fell war ein begehrter Pelz, sein Fleisch galt als ”Fisch” und durfte somit auch in der Fastenzeit gegessen werden: Zur Hoch-Zeit der Otterjagd erlegten Jäger noch vor dem Ersten Weltkrieg allein in Westfalen mehr als 10.000 Exemplare pro Jahr. Der Fischotter galt in NRW offiziell als ausgestorben oder verschollen. Seit 2009 gibt es eine Population aus wenigen Tieren mit Reproduktionsnachweis im Kreis Coesfeld.

    Foto: Patrick Pleul
  • Mit einer Körpergröße von 53 bis 58 Zentimetern ist der Große Brachvogel die größte in Mitteleuropa brütende Watvogelart. Ob sich der Große Brachvogel weiter im Bestand erholen wird, ist noch nicht vorhersagbar, denn er ist vom Klimawandel besonders betroffen. Verbreitungsschwerpunkte sind das Münsterland und Ostwestfalen.

    Foto: Thomas Starkmann
  • Wer in Aachen genau hinschaut, kann sie mit viel Glück - es gibt nur etwa 75 Exemplare - an Mauern, Felswänden oder Holzbalken entlangklettern sehen: die Mauereidechse, die ihrem ausgeprägten Klettervermögen auch ihren Namen verdankt. In NRW kommt die Mauereidechse natürlicherweise nur in der Eifel, dem Siebengebirge sowie im Einzugsbereich des Rheins bis Höhe Bonn vor.

    Foto: A3471 Boris Roessler
  • Mit seinem exotischen Aussehen macht der Eisvogel seinem Beinamen „fliegender Edelstein“ alle Ehre. Leverkusen und Umgebung bilden wichtige Lebensräume für den Eisvogel. Dort brütet er bevorzugt an vegetationsfreien Steilwänden aus Lehm oder Sand in selbst gegrabenen Brutröhren.  

    Foto: Friedrich-Wilhelm Kölle
  • Sie kann vergiften – aber auch heilen. Früher wurde die Herbstzeitlose als Mittel gegen die Pest um den Hals getragen – ohne Erfolg. Heute werden ihre Wirkstoffe zielführender in der Therapie von Gicht angewendet. Nur essen sollte man die Pflanze nicht, weil ihre Wirkstoffe höchst giftig sind. Die Herbstzeitlose ist heute laut Roter Liste eine äußerst gefährdete Pflanze. Dem Krokus sehr ähnlich kommt das Liliengewächs in der Urdenbacher Kämpe in Düsseldorf vor.

    Foto: Karl-Josef Hildenbrand
  • Die Ringelnatter hat ein beeindruckendes Repertoire an Abwehrmechanismen. Trifft sie auf einen Feind bläht sie sich auf, faucht, setzt Scheinbisse ein und sondert ein übel riechendes Sekret ab. Hilft das alles nichts, legt sie sich auf den Rücken, zeigt ihre Zähne und stellt sich tot. Auf gar keinen Fall sollte man das ungefährliche Tier töten. Nach dem Bundesartenschutzgesetz ist die Ringelnatter nämlich besonders geschützt. Die Ringelnatter kommt verstärkt nur noch in den Mittelgebirgen unseres Landes vor, zum Beispiel im Bonner Kottenforst.

    Foto: Annika Keil
  • Im antiken Griechenland galt sein Gesang als Unglücksbringer und als Vorbote eines nahen Todes. Wer den Gesang jedoch heute hört, kann wohl eher von einem Glücksfall sprechen. Denn das Rufen des Raufußkauzes ertönt nur noch äußerst selten - schwerpunktmäßig im Sauer- und Siegerland.

    Foto: Axel Roll
  • Sein leuchtend rotes Kopfhaar erinnert aufgestellt an einen Irokesen. Leider kann man den agilen und quirligen Mittelspecht nur noch selten beobachten. Der Kreis Warendorf ist einer der bevorzugten Lebensräume des Mittelspechts.

    Foto: Friedrich-Wilhelm Kölle
  • Tagsüber ist er fast nicht zu entdecken: Das graubraune Gefieder des Ziegenmelkers hebt sich kaum vom Untergrund ab, wenn er regungslos auf Zweigen oder am Boden sitzt. In der Regel hört man ihn nur nachts, wenn sein markantes und lang andauerndes monotones Schnurren erklingt. In NRW kommt der Ziegenmelker nur noch sehr lokal vor, zum Beispiel auf dem ehemaligen Flughafengelände Elmpt im Kreis Viersen, in der Wahner Heide bei Köln oder auf den Truppenübungsplätzen in der Senne.

    Foto: Reinhard Walther
  • Vor 80 Jahren kam er überall in NRW vor und machte insbesondere durch seine nächtlichen Konzerte auf sich aufmerksam. Doch mit zunehmenden Landschaftsveränderungen verstummte der Laubfrosch vielerorts. 1979 wurde er in der Roten Liste der gefährdeten Arten als „stark gefährdet“ eingestuft, 1986 sogar als „vom Aussterben bedroht“. Heute ist der „Froschkönig“ jedoch auf gutem Wege, wieder auf die Sprünge zu kommen, vor allem im Kreis Unna.

    Foto: Stefan Sauer
  • Seit knapp 500 Jahren spielt die Arnika eine Rolle in der europäischen Medizin: Ihre sonnengelben Blüten werden äußerlich angewendet, zum Beispiel bei Prellungen, rheumatischen Beschwerden oder Entzündungen im Rachenraum. 2001 wurde sie „Arzneipflanze des Jahres“ und war zwischenzeitlich als Arzneipflanze so begehrt, dass die Art kurz vor dem Aussterben stand. Der Kreis Siegen-Wittgenstein ist einer der bevorzugten Lebensräume der Arnika.

    Foto: verschiedene
  • Die Grauammer fühlt sich wohl im offenen Ackerland, wo sie inmitten der Felder brüten und dort auch ihre Nahrung suchen kann. Ehemals kam sie flächendeckend in NRW vor, gab nach dem großräumigen Verlust geeigneter Habitate jedoch weite Bereiche des Landes als Bruträume auf. Heute ist sie nur noch sehr lokal in NRW zu finden, und zwar in den ausgedehnten Bördelandschaften im Raum Zülpich und Jülich sowie in den Vogelschutzgebieten ‚Hellwegbörde’ und ‚Unterer Niederrhein’.

    Foto: Joachim Weiss
  • Der Name ist Programm: Die Gelbbauchunke fällt auf durch ihre hellgelb bis orange gefärbte Bauchseite mit dunkleren Flecken. Sie ist ein kleiner Froschlurch, der eine Länge von nur 3,5 bis 4,5 Zentimeter erreicht und in Nordrhein-Westfalen seine nördliche Verbreitungsgrenze erreicht. Hier kommt die Gelbbauchunke vor allem im Rheinisch-Bergischen-Kreis in den Randlagen der Mittelgebirge vor. Quelle: www.umwelt.nrw.de

    Foto: Jochen Lübke

Abriss wird unwahrscheinlicher

Gleichwohl dürften die Rockwool-Wanderfalken dem Kunstprojekt eher dienlich denn abträglich sein. Der Grund: Mit den brütenden Wanderfalken oben auf der Spitze des nicht mehr benötigten Schornsteins ist der vielfach geforderte Abriss noch etwas unwahrscheinlicher geworden.

Zum Hintergrund: Große-Lengerich kennt die beiden Hiltruper Wanderfalken sehr genau: Das Weibchen wurde 2011 in Rheine geboren, das Männchen 2012 in Schöppingen, gemeinsam brüten sie seit 2013 auf dem Turm. Da Wanderfalken 15 Jahre alt werden können, wird – flapsig ausgedrückt – der Turm noch länger benötigt.

Sofern zwingende Gründe, etwa mangelnde Standfestigkeit oder Überplanung eines Geländes, den Abriss eines Schornsteines erforderlich machen, erläutert Thomas Hövelmann die Rechtslage, „können auch Wanderfalken daran nichts ändern“. Ansonsten aber seien brütende Wanderfalken ein schlagendes Argument gegen den Abriss eines Turmes.

Bleibt noch nachzutragen, wo die beiden anderen Wanderfalken-Paare brüten: eines auf dem Fernsehturm in Münsters Osten, eines oben auf dem Dom.

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