Debatte über Flächenverbrauch in Münster
Neue Baugebiete: Naturschützer üben scharfe Kritik

Münster -

Der Naturschutzbund kritisiert, dass in Münster zu viel Flächen versiegelt werden. CDU, SPD und Grüne wollen aber weitere Baugebiete ausweisen.

Mittwoch, 16.03.2016, 09:03 Uhr

Ein weiteres Neubaugebiet soll unter anderem in Nienberge entstehen.
Ein weiteres Neubaugebiet soll unter anderem in Nienberge entstehen. Foto: mfk

Auf das schwarz-grüne Bündnis in Münster kommt vermutlich eine sehr anstrengende Arbeitsteilung zu: Die CDU muss die Landwirte besänftigen, die Grünen die Naturschützer.

Der Grund: Das anhaltende Bevölkerungswachstum in der Stadt macht es erforderlich, weitere 105 Hektar Siedlungsfläche bis 2025 bei der Bezirksregierung anzumelden. Der Naturschutzbund (Nabu) in Münster kritisiert diese Entwicklung scharf: Ein sparsamer Umgang mit Flächen sei in Münster „nicht im Mindesten“ erkennbar. „Der derzeitige Ressourcenverbrauch ist nicht nachhaltig und zeigt wenig Verantwortung gegenüber nachfolgenden Generationen.“

Wir müssen in den sauren Apfel beißen, ohne Flächenverbrauch wird es nicht gehen.

CDU-Ratsherr Frank Baumann

Der CDU-Ratsherr Frank Baumann und seine GAL-Kollegin Helga Bennink kennen die Konfliktlage, brechen aber gleichwohl eine unmissverständliche Lanze für das Ausweisen neuer Baugebiete – auch um den Preis, dass dafür bisherige Freiflächen versiegelt werden.

„Wir müssen in den sauren Apfel beißen, ohne Flächenverbrauch wird es nicht gehen“, spricht Baumann Klartext. Bennink meint: „Wir haben auch eine Verpflichtung, für die Schaffung preiswerten Wohnraumes zu sorgen, das können wir nicht allein über Nachverdichtung schaffen.“ Auch bei der Errichtung von Wohnungen für Flüchtlinge stehe die Stadt in der Pflicht.

Freiflächen in der 22-fachen Größe des Aasees fallen weg

Der Nabu hat derweil mal zusammengerechnet, welche Ansprüche sich aus den Bereichen Wohnen, Verkehr und Wirtschaft ergeben und haben satte 900 Hektar errechnet, die in den kommenden knapp zehn Jahren an Freiflächen wegfallen: „Das entspricht der 22-fachen Größe des Aasees.“ Für Tiere und Pflanzen würden damit weitere „Rückzugsräume“ wegfallen, die ökologischen Folgen seien „dramatisch“.

Um zumindest die gravierendsten Auswirkungen zu verhindern, plädiert der Nabu dafür, bei der Ausweisung von Bauland auf Einfamilienhäuser zu verzichten, da hierfür „hektarweise Fläche“ erforderlich sei.

An diesen Standorten sind zusätzliche Baugebiete zu den bereits geplanten vorgesehen.

An diesen Standorten sind zusätzliche Baugebiete zu den bereits geplanten vorgesehen. Foto: Grafik: Jürgen Christ

Das führt zu der Frage, welchen Grad einer verdichteten Bauweise das schwarz-grüne Bündnis anstrebt. Noch ist dies nicht ausdiskutiert. Aber Helga Bennink ist zuversichtlich: „Wir werden uns einigen.“

Widerstand ist beim Flächenverbrauch auch von der SPD nicht zu erwarten. Bei einer wachsenden Stadt wie Münster müsse man in puncto Flächenverbrauch andere Maßstäbe anlegen als bei schrumpfenden Kommunen. „Mann kann da nicht alle über einen Kamm scheren“, so der SPD-Ratsherr Thomas Fastermann. Entscheidend sei, dass auf Landesebene dann ein Ausgleich hergestellt werde.

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