Der Anker des Nahen Ostens
Jordaniens König und die Aktion Sühnezeichen bekommen den Friedenspreis

Münster -

Der König von Jordanien, Abdullah II. bin al-Hussein, und die „Aktion Sühnezeichen Friedensdienste“ erhalten den zehnten Westfälischen Friedenspreis. Das hat die Wirtschaftliche Gesellschaft für West­falen und Lippe (WWL) am Mittwoch bekannt gegeben - und die Begründung gleich mitgeliefert. 

Mittwoch, 16.03.2016, 18:03 Uhr

König Abdullah II. (rechts) erhält den Westfälischen Friedenspreis. Das teilte Reinhard Zinkann von der Wirtschaftlichen Gesellschaft für West­falen und Lippe am Mittwoch mit.
König Abdullah II. (rechts) erhält den Westfälischen Friedenspreis. Das teilte Reinhard Zinkann von der Wirtschaftlichen Gesellschaft für West­falen und Lippe am Mittwoch mit. Foto: Jürgen Peperhowe, dpa - Montage: gap

Dr. Reinhard Zinkann kommt ins Schwärmen. Abdullah II. sei „ein großer, wenn nicht der einzige Stabilitätsanker im Nahen Osten“, der sein Land mit großer Stabilität regiere, obwohl er „selbst unmittelbar bedroht ist“. So begründete er am Mittwoch in Münster, warum die Wirtschaftliche Gesellschaft für Westfalen und Lippe (WWL) ihren zehnten Friedenspreis am 8. Oktober 2016 dem jordanischen König überreichen wird. „Wir zeichnen eine Person aus, die ihr Land stabil hält und gleichzeitig offen ist für die Nöte der Flüchtlinge“, sagt der Geschäftsführende Miele-Gesellschafter vor Journalisten.

Das Leben von Abdullah II.: Stationen eines Königs

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  • Im Weißen Haus in Washington traf Abdullah II. im Februar 2016 US-Präsident Barack Obama zu einem Gespräch über Lösungen für den Krieg in Syrien und den Flüchtlingsstrom.

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  • Im Jahr 1993 heiratete Abdullah II. die Palästinenserin Rania Faisal Yasin. Sie wurde vor allem durch ihren weltweiten Einsatz für Frieden, Bildung und Toleranz bekannt.

    Foto: A2800 epa Harish Tyagi
  • Seit 1999 ist Abdullah II König von Jordanien. Gemeinsam mit der internationalen Gemeinschaft kämpft er gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“, setzt sich für die Befriedung des Nahen Ostens ein und zeigt sich auch dem Westen gegenüber sehr aufgeschlossen.

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  • Abdullah II. (l.) und UN-Generalsekretär Ban Ki-moon bei der 66. UN-Vollversammlung in der Zentrale der Vereinten Nationen in New York im September 2011.

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  • Ein stetig fallender Ölpreis hatte in Jordanien im Jahr 2012 Unruhen als Folge, König Abdullah II besuchte danach verletzte Zivilisten und Polizisten in einem Krankenhaus in der jordanischen Hauptstadt Amman.

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  • Zu Besuch in London: Der jordanische König traf sich im Oktober 2013 mit dem britischen Premierminister David Cameron.

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  • Bundespräsident Joachim Gauck wird vom König Abdullah II. bin al-Hussein im Dezember 2015 vor dem Husseiniye Palast in der jordanischen Hauptstadt Amman empfangen.

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  • Bei der 52. Sicherheitskonferenz in München im Februar 2016 sprach der König von Jordanien.

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  • Abdullah II. bin al-Hussein ist der älteste Sohn von König Hussein I., er wurde an der südenglischen Militärakademie Sandhurst ausgebildet und studierte dann Internationale Politik in Oxford und Washington.

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  • Auf einer Tour für mehr Sicherheit im Mittleren Westen traf der amerikanische Außenminister Joe Biden auch den jordanischen König an einem Militärstützpunkt in Zarqa, nur wenige Kilometer von der Hauptstadt Amman entfernt. Jordanien gilt als wichtige Hilfe im Kampf gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“.

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Das Land mit 6,5 Millionen Einwohnern hat laut Zinkann rund zwei Millionen Flüchtlinge aufgenommen. In der Bundesrepublik sind es halb so viele: „Wenn man sieht, dass wir uns in Deutschland schon mit einer Million Flüchtlinge schwertun, wird die Leistung der Jordanier klar.“ Der Monarch habe seinen Besuch schon zugesagt. Ob ihn seine Frau Rania begleiten wird, ist dagegen möglich, aber nicht sicher. Der Kontakt zu dem jordanischen Monarchen sei unter anderem durch die Hilfe von Außenminister Frank-Walter Steinmeier zustande gekommen.

Im Herbst wird der Preis des Westfälischen Friedens verliehen

Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe nannte die Wahl Abdullahs „beeindruckend“. Während der Krise im Nahen Osten mit all ihren Folgen sei die Zusage des Königs, nach Münster zu kommen, eine „Adelung des ehrwürdigen Preises, des Rathauses und der ganzen Stadt“. Dass als Laudator auch noch Bundespräsident Joachim Gauck nach Münster kommen wird, freut die WWL zusätzlich.

Kommentar

Die Entscheidung, Abdullah den Preis des Westfälischen Friedens zu verleihen, ist ein wichtiges Signal, das seinen ausgleichenden Kurs der Versöhnung stärkt, findet unser Redaktionsmitglied Claudia Kramer-Santel. Ihr Kommentar:  hier .

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Die Aktion Sühnezeichen Friedensdienste wird für ihre Jugendarbeit geehrt. Sie organisiert ein internationales Freiwilligenprogramm und Workcamps. „Dabei soll stets die Auseinandersetzung insbesondere junger Deutscher mit dem Nationalsozialismus und seine Folgen gefördert werden: durch Dialog und in der direkten Begegnung mit Menschen unterschiedlichster Herkunft“, wie Zinkann beschreibt.

Dr. Reinhard Zinkann mit dem Westfälischen Friedenspreis.

Dr. Reinhard Zinkann mit dem Westfälischen Friedenspreis. Foto: Jürgen Peperhowe

Jutta Weduwe, Sühnezeichen-Geschäftsführerin, ist glücklich: „Es ist toll, ich freu mich“, sagte sie am Mittwoch zur Auszeichnung. Nicht nur das Preisgeld helfe, neue Projekte zu finanzieren. „Unsere Freiwilligen und Programme tragen zu Verständigung und Annäherung bei. Insofern freuen wir uns sehr, dass diese Arbeit aufgefallen ist.“

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