Verein berichtet über rasantes Wachstum
Freifunk auf dem Domplatz

Münster -

Es ist kein halbes Jahr her, da berichtete Ingomar Otter von über 100 Freifunk-Hotspots in Münster. Letzte Woche addierte er die aktuellen Zahlen: 415.

Mittwoch, 13.04.2016, 13:04 Uhr

Ingomar Otter ist hauptberuflich in Düsseldorf in der EDV-Branche tätig. Der Freifunk-Verein in Münster ist sein Hobby. Dort ist allerdings der Zulauf derzeit gewaltig.
Ingomar Otter ist hauptberuflich in Düsseldorf in der EDV-Branche tätig. Der Freifunk-Verein in Münster ist sein Hobby. Dort ist allerdings der Zulauf derzeit gewaltig. Foto: bn

Mehr noch: Im gesamten Münsterland hat der Freifunk-Verein vom Hawerkamp die Funkstellen auf 3000 erhöht. Im Oktober 2015 waren es erst 1000. Otter : „Das ist ein ziemlicher Wahnsinn.“

Der Wahnsinn steht für eine Massenbewegung. Einerseits sind immer mehr Menschen mit mobilen Empfangsgeräten unterwegs.

Andererseits haben viele Kommunen im Münsterland erkannt, dass freies WLAN ein Lockmittel ist.

Unternehmen spendieren WLAN-Router

Otter: „Beispiel Stadtlohn. Die haben viele Besucher aus den Niederlanden, wo man freies WLAN gewohnt ist.“ Kein Wunder, dass mittlerweile auch Institutionen auf den Freifunk-Zug aufspringen und das Netzwerk großzügig sponsern.

In Gescher kaufte die Volksbank einige WLAN-Router. In Bocholt spendierte die Sparkasse zu ihrem 125-jährigen Bestehen 125 Geräte. Kein gewaltiger Kostenaufwand: Günstige Router gibt es ab 20 Euro.

Sie werden an vorhandene WLAN-Sender angeschlossen und erlauben es, frei ins Internet zu gehen – über private Leitungen, aber ohne Sicherheitsrisiko für den Besitzer des Anschlusses.

Wie funktioniert Freifunk?

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  • Ohne Passwort, kostenlos und völlig anonym: Wer den Internetzugang vom Freifunk nutzen möchte, muss nur das WLAN an seinem Handy anschalten. Noch machen allerdings nur wenige Gaststätten, Bars und Privatpersonen mit

    Karte von allen Zugangspunkten

    Foto: mlü
  • Das Ziel ist es, eine flächendeckende Abdeckung innerhalb Münsters zu erreichen. Doch das klappt nur, wenn viele Menschen sich bereiterklären, ihr Internet zu teilen. Ein Freifunk-Router spannt ein unabhängiges WLAN auf und leitet alle Daten über eine verschlüsselte Verbindung zum Freifunk-Server. Dadurch wird auch die Störerhaftung umgangen.

    Foto: mlü
  • Der eigenen Router wird nicht ausgetauscht – am eigenen Anschluss ändert sich also nichts. Stattdessen wird ein zusätzlicher Router für Freifunk aufgestellt. Darauf muss die vorinstallierte Software gegen die Freifunk-Software ausgetauscht werden. Wie das genau funktioniert, erklären die Freifunker auf ihrer Homepage. Die neue Freifunk-Firmware muss einmalig eingerichtet werden.

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  • Wer sich das nicht zutraut, bekommt beim Verein Warpzone Hilfe oder kann dort zum Selbstkostenpreis Router kaufen, die bereits präpariert wurden. Man kann übrigens am Freifunk-Router einstellen, wie viel Bandbreite er den Freifunknutzern zur Verfügung stellt. So kannst der Anbieter steuern, wie viel er von seiner Bandbreite mit anderen teilen möchte.

    Foto: mlü
  • Die Initiative Freifunk hofft, dass sich besonders Bars, Clubs, Restaurants und Cafés für Freifunk interessieren und das öffentliche Internet anbieten. Nur durch eine breite Beteiligung kann das Bürgernetz wachsen. Die Idee: Ist die Vermaschung der Freifunkknoten dicht genug, kann auch der Ausfall eines einzelnen Internetanbieters oder eines Verteilerkastens abgefangen werden, da die Daten der User von Knoten zu Knoten bis zum nächsten Internetzugang weitergereicht werden. Mehr Infos hier.

    Foto: mlü

Für Münster hat der Freifunk-Verein soeben eine Landesförderung von 7500 Euro erhalten. „Wir wollen damit auf die Dächer gehen“, sagt Otter. Die meisten offenen WLAN-Stellen in Münster befinden sich noch in Gegenden, in denen Studenten leben.

Innenstadt bislang eine Freifunkwüste

Bislang ist dagegen die Innenstadt eine Freifunkwüste. Deshalb bereitet der Verein gerade die erste Verbindung auf dem Dach des Regierungspräsidiums vor. Damit wird man zumindest auf dem Domplatz Zugang ins Internet genießen. Die Freifunker hoffen darauf, dass münsterische Kaufleute die Chance ergreifen und auch Freifunk-Router aufstellen. Von Unitymedia gibt es in der Stadt bereits einige offene Sendepunkte – allerdings muss man sich dort eigens anmelden.

„Als wir in der Zeitung gesehen haben, wie die zum Start auf einen roten Knopf gedrückt haben“, sagt Otter, „waren doch einige bei uns neidisch.“ Die Freifunk-Welle soll jedenfalls schnell auch über Diaspora-Zonen in der Stadt schwappen. Einen roten Knopf haben sich die knapp 15 Aktiven des Vereins bereits besorgt. „Unser Ziel“, so Otter, „sind 1000 Router in Münster.“

Wer sich übrigens im Bahnhof in ein Freifunknetz einwählt, geht dabei über den SPD-Anschluss. Am Berliner Platz liefern die Grünen das Netz – ohne Parteibuchzwang.

Gerade tüfteln die Freifunker an einer neuen Idee: „Wir würden gern die Orte der Skulptur-Projekte 2017 mit WLAN versorgen“, sagt Otter. Internet-Empfang auch am Aasee würde neue Möglichkeiten für multimediale Führungen bieten.

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