Täter unbekannt
Anschlag auf geplante Flüchtlingsunterkunft

Münster-Hiltrup -

(Aktualisiert: 12:53 Uhr) In der Nacht von Mittwoch (27.4.) auf Donnerstag wurde ein Anschlag auf eine im Bau befindliche Flüchtlingsunterkunft in Münster-Hiltrup verübt.

Donnerstag, 28.04.2016, 09:04 Uhr

Täter unbekannt : Anschlag auf geplante Flüchtlingsunterkunft
In dieser Unterkunft, in die schon bald Flüchtlinge einziehen sollten, wurden in der Nacht zu Donnerstag Brandsätze gezündet. Foto: Oliver Werner

Anschlagsziel war eine geplante Flüchtlingsunterkunft im Bereich der Westfalenstraße , wie die Staatsanwaltschaft Münster und die Polizei Münster in einer gemeinsamen Pressemitteilung mitteilten. 

Handwerker bemerkten am Donnerstagmorgen um 7.04 Uhr Brandgeruch in dem Bau und benachrichtigten Polizei und Feuerwehr . Vor Ort entdeckten die Einsatzkräfte an dem zweigeschossigen und unbewohnten Gebäude mehrere eingeschlagene Scheiben und Türen. Aus dem Inneren des Gebäudes drang Rauch nach außen.

Kein Bekennerschreiben

Erste Ermittlungen ergaben, dass sich unbekannte Täter in der Nacht zu Donnerstag von der Rückseite aus gewaltsam Zutritt ins Gebäude verschafft hatten. Danach zündeten sie in beiden Etagen mit Hilfe von Brandbeschleuniger Brandsätze, um Feuer zu legen. Dieser Versuch blieb zum Glück erfolglos beziehungsweise verhältnismäßig folgenlos: So entstand nach ersten Einschätzungen ein vergleichsweise nur geringer Sachschaden.

Anschlag auf geplante Flüchtlingsunterkunft in Hiltrup

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  • Eine im Bau befindliche Flüchtlingsunterkunft in Hiltrup wurde schwer beschädigt.

    Foto: Oliver Werner
  • Sozialdezernentin Cornelia Wilken und Feuerwehrdezernent Wolfgang Heuer besichtigen die Brandstelle.

    Foto: Oliver Werner
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Derzeit sichern Mitarbeiter des Staatsschutzes Spuren am Tatort. Über die oder den Täter liegen bislang keine Erkenntnisse vor, ein Bekennerschreiben ist nicht aufgetaucht. Die Ermittler gehen davon aus, dass keine professionellen Brandstifter am Werk waren.

Fremdenfeindlicher Hintergrund

Am Tatort verschaffen sich Münsters Ordnungs-Dezernent Wolfgang Heuer, die bei der Stadtverwaltung für Flüchtlingsfragen zuständige Sozialdezernentin  Cornelia Wilkens , der münsterische Feuerwehr-Chef Benno Fritzen sowie weitere offizielle Vertreter der Stadt einen ersten Überblick über die Schadens- und Sachlage. "Wir sind schockiert, gerade weil Münster für seine Willkommenskultur bekannt ist", sagte Cornelia Wilkens und sprach bezeichnete die oder den Täter als "irre Einzelpersonen".

Brandanschlag in Hiltrup

Die Ermittler gehen von einem gezielten Anschlag aus: "Die zweigeschossige Flüchtlingsunterkunft sollte zum 1. Juni bezogen werden", sagte Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt. "Da wir als Motiv für die Tat einen fremdenfeindlichen Hintergrund nicht ausschließen können, hat der Staatsschutz des Polizeipräsidiums Münster die Ermittlungen übernommen."

Täter-Suche

Hinweise zu den Tätern nimmt die Polizei Münster unter der Rufnummer 0251 275-0 entgegen.

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Baustelle tagelang gesperrt

Die geplante Flüchtlingsunterkunft nahe der Sportanlage-Süd in Hiltrup, die mit einer Holzrahmenbauweise errichtet wird und für etwa 50 alleinstehende junge Männer vorgesehen ist, befindet sich seit drei Monaten im Bau. Geplant war die Inbetriebnahme, die nicht unumstritten war, im Juli dieses Jahres, diese verzögert sich nun voraussichtlich. Die Bau der Flüchtlingsunterkunft kostet rund eine Million Euro. Die Baustelle wird für einige Tage gesperrt bleiben.

In Münster gibt es zurzeit 70 Einrichtungen für Flüchtlinge.

"Münster ist und bleibt offene Stadt" - Mitteilung der Stadt Münster

"Münster ist und bleibt offene Stadt. Flüchtlinge sind hier willkommen", stellt Oberbürgermeister Markus Lewe nach dem Brandanschlag  fest. Der Oberbürgermeister verurteilte den allem Anschein nach fremdenfeindlichen Vorfall. "Die Stadtgesellschaft hat in der Vergangenheit eine vorbildliche Willkommenskultur gelebt. Sie wird sich nicht von Brandstiftern auseinander dividieren lassen", sagte der Oberbürgermeister, der sich am Donnerstag auf einer Dienstreise im Ausland befindet und sich dort unverzüglich über den Vorfall informieren ließ.

Sofort nach Bekanntwerden des Anschlags machten sich Sozialdezernentin Cornelia Wilkens und Ordnungsdezernent Wolfgang Heuer vor Ort ein Bild von dem Schaden. Das betroffene Gebäude sollte im Juni an die Stadt Münster übergeben werden. Wie lange sich die Fertigstellung verzögert, kann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht gesagt werden. Das Haus wird Platz für 50 Flüchtlinge bieten und im Auftrag der Stadt vom DRK betrieben werden.

Schon längere Zeit geplant ist eine Informationsveranstaltung zur Flüchtlingssituation in Hiltrup mit Oberbürgermeister Lewe. Er hat für den 10. Mai (Dienstag) um 18.30 Uhr in die Stadthalle an der Westfalenstraße eingeladen. "Sehr viele Bürgerinnen und Bürger engagieren sich im Stadtbezirk Hiltrup ehrenamtlich, um die Zuflucht suchenden Menschen willkommen zu heißen und sie in ihrem neuen Alltag zu unterstützen.

Gleichzeitig bestehen aber auch Sorgen und Ängste in der Bevölkerung: Wie wird sich der Zuzug von Flüchtlingen auf den Stadtteil, die Kindertageseinrichtungen und die Schulen auswirken?" heißt es in der Einladung zu dem Informationsabend. Zusammen mit dem Oberbürgermeister werden Bezirksbürgermeister Joachim Schmidt, Fachleute aus der Stadtverwaltung, von der Polizei und anderen Kooperationspartnern für Fragen und Anregungen zur Verfügung stehen.

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