Mietpreisbremse
Hohe Mieten trotz Gesetzes gegen Preisexplosion

Münster -

Eine Studie über den Wohnungsmarkt in Berlin zeigt, dass die Mietpreisbremse wenig Wirkung zeigt. Auch in Münster berufen sich offenbar wenige Mieter auf das neue Gesetz in NRW.

Mittwoch, 18.05.2016, 06:05 Uhr

Wohnungen in einigen Vierteln – hier das Kreuzviertel – sind besonders begehrt. Die gesetzliche Mietpreisbremse zeigt hier nicht immer die erwünschte Wirkung.
Wohnungen in einigen Vierteln – hier das Kreuzviertel – sind besonders begehrt. Die gesetzliche Mietpreisbremse zeigt hier nicht immer die erwünschte Wirkung. Foto: Matthias Ahlke

Nach dem Gesetz dürfen Vermieter bei Neuvermietungen die Miete nicht mehr als zehn Prozent über den ortsüblichen Preis heraufsetzen. Diese Mietpreisbremse , die auch in Münster gilt, erweist sich nach einer aktuellen Studie in Berlin als zahnloser Tiger. Dort liegen die Mieten trotz der gesetzlich verordneten Bremse um etwa ein Drittel höher als es zulässig wäre.

Für den Mietmarkt in Münster gibt es keine entsprechende Studie, doch Stichproben in den Immobilienportalen künden davon, dass auch hier – besonders in begehrten Vierteln – der im Mietspiegel festgesetzte Preis und der vom Vermieter verlangte Zins wesentlich auseinanderdriften.

1200 statt 700 Euro im Kreuzviertel

Beispiel Kreuzviertel: Hier darf laut Mietspiegel eine renovierte 90-Quadratmeter Drei-Zimmer-Altbauwohnung kalt rund 700 Euro kosten. Tatsächliche aktuelle Angebote haben einen spürbar höheren Preis – nämlich 900 bis 1200 Euro Kaltmiete.

Jutta Pollmann , Geschäftsführerin des Mietervereins Münster teilt den Eindruck, dass die Mieten oft real höher liegen, als das Gesetz es vorsieht. „Aber es gibt entgegen den Erwartungen des Vereins „kaum Mieter, die sich darüber beschweren“, sagt Pollmann. Über die Gründe kann sie nur spekulieren: „Wahrscheinlich akzeptieren viele Mieter überhöhte Preise, um eine Wohnung überhaupt zu bekommen“, sagt Pollmann. Diese Beobachtung macht auch Ulla Fahle vom „Mieter/innenschutzverein Münster“.

„Um von der Mietpreisbremse zu profitieren, muss man als Mieter selbst aktiv werden“, erklären Pollmann und Fahle unisono – und schon herauszufinden, was ein Vormieter gezahlt habe, sei in aller Regel schwierig. Auch habe man als Mieter erst Anspruch auf Rückerstattung vom Zeitpunkt an, wann man die überhöhte Miete beim Vermieter angezeigt habe.

Wohnungsamt sieht Sanktionen skeptisch

Gabriele Regenitter, die Leiterin des städtischen Wohnungsamtes, ist skeptisch, ob schärfere Sanktionen gegenüber Vermietern der Mietpreisbremse zu größerer Wirkung verhelfen könnten. „Bei Investoren, führt das meist zu Zurückhaltung, Wohnungen zu bauen“, gibt sie zu bedenken. Das Wohnungsamt habe auch keine Handhabe gegenüber privaten Vermietern – außer wenn sie öffentlich geförderten Wohnraum vermieten.  

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