Fotobuch „Yesterday‘s Kids“
Punks im Porträt

Münster -

Wo sind die Punks von früher? Tim Hackemack ist dieser Frage nachgegangen und hat (noch aktive) 77 Punks aufgesucht, gesprochen und fotografiert. Jetzt ist sein Buch erschienen. Ein dickes Ding.

Donnerstag, 19.05.2016, 06:00 Uhr aktualisiert: 19.05.2016, 11:27 Uhr
Kübel ist einer der von Hackemack 77 Porträtieren in dem Buch „Yesterday’s Kids“: Der mittlerweile 50-Jährige ist von Erlangen nach Berlin gezogen und fühlt sich in der Hauptstadt mittlerweile rundum zufrieden.
Kübel ist einer der von Hackemack 77 Porträtieren in dem Buch „Yesterday’s Kids“: Der mittlerweile 50-Jährige ist von Erlangen nach Berlin gezogen und fühlt sich in der Hauptstadt mittlerweile rundum wohl. Foto: Tim Hackemack

Ein wuchtiger Wälzer, den Tim Hackemack da in den Händen hält. 2,2 Kilogramm Buch sind in vier Jahren Arbeit entstanden, und jedes Gramm davon ist es wert, gesehen, gelesen und genossen zu werden. „ Yesterday’s Kids” ist ein Buch über Punk und über Punks, die auch heute noch aktiv sind: „Es ist keiner dabei, der früher ein Punk war und heute nur noch auf der Couch liegt”, sagt der 37-Jährige.

77 Menschen porträtiert Hackemack mit Worten, vor allem aber in seinen fantastischen Fotografien. Häufig in Schwarz-Weiß, manchmal auch in Farbe. „Man kann darüber diskutieren, ob 1977 das Geburtsjahr des Punks in England war – aber 77 klingt besser als 76”, erzählt der gebürtige Münsterländer, wie die eigentümliche Zahl zustande gekommen ist, und in sein Lachen mischt sich etwas Stolz. Es sind nicht nur Menschen aus Münster und Umgebung, die er für dieses Projekt begeistern konnte; Hackemack hat für sein Opus magnum über 15.000 Kilometer zurückgelegt.

Mehr Männer als Frauen

Die Punks von einst heißen Düsi, Schlumpf, Schleimi, Myriam oder Mabuse und haben alle eine spannende Geschichte zu erzählen, die ihnen der zweifache Vater entlockt. „Die Quote der Frauen ist leider geringer, es sind – glaube ich – 59 Männer in dem Buch.“

Yesterday's Kids: Tim Hackemack stellt 77 Punks vor

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  • Uwe ist durch seine verstorbene große Schwester zum Punk gekommen: Sie hat ihm 1979 eine Kassette von den Ruts gegeben.

    Foto: Tim Hackemack
  • Ralle war, bevor er zum Punk kam, ab 1984 mit seiner Metal-Clique unterwegs und hörte Iron Maiden, Accept, Judas Priest.

    Foto: Tim Hackemack
  • 1993 ist Ralle dann Berlin-Kreuzberg gezogen. In dem Jahr hat er auch die Band Rawside gegründet.

    Foto: Tim Hackemack
  • Schleimi hat früher mit ihren Brüdern Bands wie Led Zeppeling und Black Sabbath gehört. Dann hat sie aber Sid Vicious und Johnny Rotten im Fernsehen gesehen und gemerkt, dass diese Leute irgendwie zu ihr passen.

    Foto: Tim Hackemack
  • Ole Plogstedt ist wohl der Promi und den porträtierten Punks. Plogstedt hat mit 17 seine Kochlehre begonnen und mit einem Jamaikaner zusammengewohnt. Vom Reggae ist er so zu den Bad Brains und damit zum Hardcore-Punk gekommen. Mittlerweile ist Plogstedt ein bekannter TV-Koch.

    Foto: Tim Hackemack
  • Sabine hat in der Band Substral gespielt, eine der - mehr oder weniger - ersten Frauenpunkbands Deutschlands.

    Foto: Tim Hackemack
  • Kübel ist 1979 in Nürnberg gerne mal ins Komm gegangen und hat zu den Punks rübergeschielt.

    Foto: Tim Hackemack
  • Willi ist 1977 bei einem Schulausflug nach London - King's Road - zum Punk geworden. Er sagt, dass nicht er zum Punk, sondern der Punk zu ihm kam.

    Foto: Tim Hackemack
  • Frank wurde 1978 vom Punk-Virus infiziert, als er in seiner Berufsschule - er machte eine Ausbildung zum Bäcker - einen Punk kennenlernte.

    Foto: Tim Hackemack
  • Tim Hackemack mit seinem Buch. Insgesamt vier Jahre hat der Wahl-Altenberger an dem 500-seitigen-Wälzer gearbeitet. Über 15.000 Kilometer hat er für die Porträts von Punks zurückgelegt.

    Foto: Tim Hackemack

„Angefangen hat es mit Frank Herbst , dem ich die Idee vorgeschlagen habe und der mich dazu ermutigt hat, das Buch zu machen. Er kommt jetzt auch tatsächlich darin vor.“ Ebenso habe ihn das Kompendium „Keine Zukunft war gestern” inspiriert, das die Punkszene in Deutschland anhand von Zitaten Revue passieren lässt.

Foto-Ausstellung in verschiedenen Städten

Die Eingangsfrage, wie und wann die jeweiligen Personen zum Punk gekommen sind, ist immer identisch. Und so liest man über Konzerte, Kneipennächte und vom Knast. Immer wichtig: die Ideologie, die heute noch genauso immanent ist wie damals. Myriam erzählt, wie sie Konzerte im legendären SO36 in Berlin-Kreuzberg organisiert, Eddy von der Leipziger Szene, wie er seine Stasi-Akten eingesehen hat, Tost von seinem anhaltenden Interesse an Grindcore-Bands und seiner Band Volxsturm, und Loll berichtet, wie man als Rollstuhlfahrer bei Punk-Shows behandelt wird.

Auf Stars hat Hackemack bewusst verzichtet. Allenfalls Ole Plogstedt hat mittlerweile einen gewissen Bekanntheitsgrad. Der Schwerpunkt liegt auf den Fotos. Und gerade weil Hackemack auf den Vergleich mit Bildern aus der Zeit von vor 30 bis 40 Jahren verzichtet („Ich wollte das nicht, das gibt es schon zu oft – es sind ausschließlich meine Bilder”), entsteht ein rundes Bild eines Lebensgefühls, das heute noch genauso akut ist wie damals.

Als Nächstes stehen Ausstellungen auf dem Programm. Zunächst in Bochum, Bremen und Berlin. Ab dem 26. August dann in der Titanick-Halle am Hawerkamp. Die Ausstellung endet am 24. September, genau an dem Tag, an dem Slime in Münster ein Konzert spielen – ausgerechnet die Band, deren Album „ Viva la Muerte” großen Einfluss auf sein Leben hatte. So fügt sich zusammen, was zusammengehört.

Release-Party

27. Mai (Freitag), Heile Welt, Hörsterstraße 33.

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