Windkraft-Debatte
Nabu lehnt Windräder an den Rieselfeldern kategorisch ab

Münster -

Der Ex-Münsteraner und Nabu-Landesvorsitzende Josef Tumbrinck bezieht Stellung zu der Windkraft-Debatte in Münster.

Donnerstag, 19.05.2016, 21:05 Uhr

Windkraft-Debatte  : Nabu lehnt Windräder an den Rieselfeldern kategorisch ab
Gänse in den Rieselfeldern. Foto: Oliver Werner

Rund 150 Windräder wurden 2015 in Nordrhein-Westfalen aufgestellt. Nur „in ganz seltenen Ausnahmefällen“ hat der Landesverband des Naturschutzbundes Nabu dagegen geklagt, so der Landesvorsitzende und Ex-Münsteraner Josef Tumbrinck .

Was er damit sagen will: „Wir befürworten eine naturverträgliche Energiewende.“ Windräder in der Nähe des Vogelschutzgebietes Rieselfelder indes hält Tumbrinck nicht für naturverträglich. Mit Blick auf den Streit über den Energiepark am Hessenweg und die geplante Windvorrangzone in der Nähe der Rieselfelder lässt der Landesvorsitzende, ehemals SPD-Ratsherr in Münster , auch schon mal die Muskeln spielen. Es habe bereits erfolgreiche Klagen gegen Windräder gegeben, so Tumbrinck, bei denen der Eingriff in die Natur weitaus geringer zu bewerten sei – etwas wenn brütende Störche oder Milane in der Nähe von geplanten Windkraft-Standorten gesichtet wurden. Rund um die Rieselfelder sei Aufkommen an Vögeln so groß, dass ein Windrad dort „schlicht nicht vorstellbar ist“.

So weit, so klar. Dass die Vereinbarkeit von Energiewende und Naturschutz kein Selbstläufer ist, macht ein anderer Umweltverband, und zwar der BUND, deutlich. Er fordert nämlich, pro Jahr bundesweit Windräder mit einer Gesamtkapazität von 2500 Megawatt zu bauen. Umgerechnet sind das 1040 Windräder jener Kategorie, die die Stadtwerke 2014 in Amelsbüren und Roxel erstellt haben . Bezogen auf Münster ergäben sich vier Windräder pro Jahr. Allein 20 wären das bis 2020. Wo soll man sie platzieren, ohne den Rieselfeldern zu nahe zu kommen?

Millionenfacher Tod durch Stromleitungen

Naturschützer Tumbrinck lehnt eine solche Rechnung ab. Eine bundesweit gleichmäßige Verteilung der Windräder hält er für unrealistisch. In der Großstadt Essen beispielsweise stehe kein einziges Windrad. Die Anlagen werden sich nach Einschätzung Tumbrincks in Nord- und Ostdeutschland konzentrieren – was aber zu verstärkten Stromtransporten nach NRW und speziell nach Münster führen würde.

Das wiederum verschärft ein Problem, auf das das Klimaschutz-Netz im Internet aufmerksam macht. Nach seinen Angaben werden in Deutschland rund 100 000 Vögel im Jahr durch Windräder getötet – aber 30 Millionen durch Hochspannungsleitungen.

Auch Nabu-Landesvorsitzender Josef Tumbrinck will den Konflikt zwischen Energiewende und Naturschutz nicht kleinreden. Perspektivisch hofft er auf den technischen Fortschritt und auf einen Flugradar, an dem geforscht werde. Das Ziel: Windräder stellen sich automatisch ab, sobald sich Vogelschwärme ihnen nähern.

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