Brandanschlag auf geplante Flüchtlingsunterkunft
Ermittler gehen von fremdenfeindlichem Motiv aus

Münster -

Nach dem Brandanschlag auf eine im Bau befindliche Flüchtlingsunterkunft am frühen Samstagmorgen im münsterischen Stadtteil Hiltrup gehen Polizei und Staatsschutz von einem fremdenfeindlichen Hintergrund aus. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nach den Worten von Pressesprecher Martin Botzenhardt wegen vorsätzlicher Brandstiftung.

Samstag, 04.06.2016, 15:06 Uhr

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  • Brandanschlag auf geplante Flüchtlingsunterkunft Foto: Matthias Ahlke
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Personen sind bei dem Anschlag nicht zu Schaden gekommen, denn das Gebäude ist noch nicht bezogen. Der Sachschaden soll mehr als 100.000 Euro betragen.

Bereits vor fünf Wochen war dasselbe Gebäude an der Westfalenstraße Ziel eines Brandanschlags . Erst am Freitag, also einen Tag vor dem zweiten Anschlag, waren die Sanierungsarbeiten gerade beendet worden."Die Polizei nimmt die Entwicklung sehr ernst", erklärte Polizeipräsident Hajo Kuhlisch auf einer am Mittag vor Ort einberufenen Pressekonferenz. Die "menschenfeindliche Intention" der Täter dürfe nicht zum Erfolg führen. Zugleich kündigte Kuhlisch an, die Polizei werde eine Ermittlungskommission einsetzen, um den Staatsschutz bei der Arbeit zu unterstützen. Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe, der sich zusammen mit Vertretern der Stadtspitze persönlich ein Bild von Tatort machte, warnte: "Erst brennen die Häuser, dann die Menschen." Lewe bezeichnete die Tat als einen "hochkriminellen Fall".

Lewe zum Brandanschlag

Das Feuer in der zweigeschossigen Flüchtlingsunterkunft war nach Darstellung der Polizei um kurz nach halb zwei am Samstag von Anwohnern entdeckt worden. Sie bemerkten einen Feuerschein und Rauch und alarmierten daraufhin die Rettungskräfte.
Bereits nach zweieinhalb Minuten erreichte das erste Löschfahrzeug den Einsatzort im Süden Münsters, wie der städtische Ordnungsdezernent Wolfang Heuer berichtete. Mehr als 50 Feuerwehrleute  waren am frühen Samstagmorgen mit dem Löschen des Feuers beschäftigt.

Brandanschlag Flüchtlingsunterkunft Hiltrup

Nach dem jetzigen Stand der Ermittlungen sind der oder die Täter über ein eingeschlagenes Fenster auf der Rückseite des Gebäudes eingedrungen - direkt neben dem Fenster, über das vor fünf Wochen Unbekannte in die Flüchtlingsunterkunft eingestiegen waren und einen Brand gelegt hatten.Das Feuer wurde offenbar in einem fensterlosen Technikraum im Erdgeschoss gelegt. Einen technischen Defekt schließt Oberstaatsanwalt Botzenhardt aus. Es seien im Gebäude noch keine Stromleitungen angeschlossen worden. Der Technikraum stand nach Auskunft der Feuerwehr bei deren Eintreffen komplett in Flammen, der Rest des Gebäudes war demnach beim Eintreffen der Löschkräfte "stark bis komplett verraucht".

Seit dem Vormittag untersuchten Brandsachverständige den Tatort, der etwas abgelegen neben einer Sportanlage liegt. Rauchspuren an der Außenfassade, zerstörte Fenster und Türen - der Sachschaden soll ersten Schätzungen zufolge im sechsstelligen Bereich liegen. Zunächst hatte es sogar geheißen, das Gebäude in Holzrahmenbauweise sei akut einsturzgefährdet. Das soll aber nicht zutreffend sein. Das genaues Ausmaß des Schadens und die Auswirkungen auf die Statik müssen Bauchsachverständige in den nächsten Tagen prüfen. Der Bau der Flüchtlingsunterkunft kostet rund 1,1 Millionen Euro.

Am Nachmittag will die Polizei im Zuge der Ermittlungen einen Brandmittel- sowie einen Personenspürhund einsetzen. Der Staatsschutz überprüft einen Zusammenhang des Brandanschlags von Samstag mit einer Brandstiftung im selben Gebäude Ende April. Außerdem hatte es an der Stadthalle in Hiltrup, die in der Nähe des im Bau befindlichen Flüchtlingsheims liegt, tags zuvor Schmierereien an der Fassade mit fremdenfeindlichen Parolen gegeben.  

Die Stadt Münster hatte nach dem ersten Brandanschlag von Ende April ihre Sicherheitsmaßnahmen erhöht. So kontrolliert ein privater Wachdienst die Baustellen an den geplanten Flüchtlingsunterkünften in der Stadt. Auch die Polizei hat für diese Aufgabe laut Polizeipräsident Hajo Kuhlisch eine Streife im Einsatz. In Hiltrup waren die Beamten laut Kuhlisch etwa 30 Minuten vor dem Brandanschlag noch vor Ort und hatten nach dem Rechten geschaut.

Die Spitze der Stadtverwaltung will in den nächsten Tagen klären, ob künftig weitere Sicherheitsmaßnahmen getroffen werden sollen. Auch eine Videoüberwachung und Bewegungsmeldern sind im Gespräch.

In Hiltrup hatte es in der Vergangenheit über den Bau der Flüchtlingsunterkunft eine Kontroverse gegeben - unter anderem weil sich das Gebäude in unmittelbarer Nähe einer Sportanlage befindet. Gleichwohl gibt es in diesem Stadtteil neben einem aktiven Flüchtlingsnetzwerk viel Unterstützung für geflüchtete Menschen. Politiker haben parteiübergreifend den Anschlag verurteilt. 

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