Kriminalwissenschaftliches Kolloquium
Fluch und Segen des Glaubens

Münster -

Um das heiße Thema Religion und Gewalt ging es beim Kriminalwissenschaftlichen Kolloquium der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Münster.

Samstag, 11.06.2016, 16:06 Uhr

Mouhanad Khorchide 
Mouhanad Khorchide  Foto: vdb

Ohne Religion wäre die Welt friedlicher. Angesichts der Bilder vom „Islamischen Staat“ oder der Geschichte der Kreuzzüge dachten viele wohl schon mal so. Mehr als die Hälfte der Deutschen sieht Religion als Ursache für Konflikte. Doch warum und wie entwickelt sich so häufig Gewalt aus Religion? Wie lässt sich religiöser Fundamentalismus vermeiden? Solchen Fragen widmete sich jetzt das Kriminalwissenschaftliche Kolloquium der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Münster .

„Der Zusammenhang zwischen Religion und Gewalt kann nicht geleugnet werden“, sagte Prof. Mouhanad Khorchide vor den rund 200 Zuhörern. Kriminologe Prof. Klaus Boers moderierte die anschließende Diskussion. Er betonte gleichwohl: „Aber daraus darf man nicht schließen, dass es ohne Religion keine Gewalt gäbe. Religion hat auch ein großes Friedenspotenzial.“

Der Leiter des Zentrums für Islamische Theologie machte in seinem Vortrag deutlich, dass die jeweilige Interpretation einer Religion den Unterschied ausmacht. Der Nährboden für Gewalt bestehe „vor allem, wenn Religionen exklusivistisch verstanden werden“, wie Prof. Khorchide sagte. Exklusivismus ist die Vorstellung, dass die eigene Religion die einzig wahre sei, mithin die extreme Intoleranz anderer Glaubensrichtungen. Ebenso sei wichtig, an was für eine Art von Gott – kurz gesagt an einen brutalen oder partnerschaftlichen Gott – geglaubt werde. Außerdem müssten historische Schriften immer im jeweiligen historischen Kontext interpretiert und somit relativiert werden.

Der Religionssoziologe Prof. Detlef Pollack stellte anschließend detaillierte Umfrageergebnisse zu dem Thema vor. „Religion wird ambivalent beurteilt.“ So sehen viele Menschen sie zugleich als Bereicherung und als Konfliktursache. Eine Umfrage unter türkischstämmigen Muslimen in Deutschland zeige: Gute Integration und hohe Bildung seien wichtige Faktoren, um fundamentalistische Einstellungen, aus denen sich Gewalt entwickelt, zu vermeiden. Immerhin 13 Prozent der Befragten weisen nach verschiedenen Indikatoren eine fundamentalistische Einstellung auf. Ähnlich wie Prof. Khorchide sagte Pollack daher: „Eine innerislamische Auseinandersetzung mit dem Thema ist nötig.“

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