Verhandlung vor dem Amtsgericht
Polizist erleidet Schiffbruch

Münster -

Wegen vielfachen Betruges ist ein Polizist vor dem Amtsgericht zu einer Bewährungsstrafe von drei Jahren und acht Monaten verurteilt worden. Er hatte einen Boots-Charterservice als Nebenjob betrieben und dort Kunden um ihr Geld geprellt.

Mittwoch, 29.06.2016, 19:06 Uhr

 
  Foto: Matthias Ahlke

Die daheim gecharterte Segelyacht stand am Urlaubsort in Kroatien oder Stockholm nicht zur Verfügung, weil er die ihm anvertrauten Kundengelder nicht anteilsmäßig an die Schiffsbesitzer weitergegeben hatte. Im Onlineshop bestellte hochwertige Segelbekleidung wurde von ihm nicht geliefert, obwohl sie längst von seinen Kunden bezahlt war. Ein 56-jähriger Polizeihauptkommissar aus Münster, der in behördlich gestatteter Nebentätigkeit Schiffe an deutsche Urlauber vercharterte und einen Bestellservice für Segelzubehör betrieb, wurde am Mittwoch vom Amtsgericht Münster wegen Betruges in 26 Fällen und hundertfacher Untreue zu einer Gesamtstrafe von drei Jahren und zehn Monaten auf Bewährung verurteilt. Ferner muss er rund 400 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten.

Weil der Hiltruper voll geständig war und so dem Schöffengericht eine umfangreiche Beweisaufnahme mit mindestens 70 geschädigten Zeugen an zehn Verhandlungstagen ersparte und gleichzeitig zum 1. Juli seinen Polizeidienst nach fast 40 Jahren freiwillig quittiert, wurde von einer Inhaftierung abgesehen.

„Er hat Mist gebaut, ist aber kein Schwerkrimineller“, so der Richter über den Mann, der nicht nur privat einen Berg an Insolvenz-Schulden hat, sondern durch das vorzeitige Ende seiner Berufskarriere auch alle ­behördlichen Pensions­ansprüche verliert.

Mit Erlaubnis des Polizeipräsidiums in Münster begann der Hauptkommissar vor einigen Jahren damit, in seiner Freizeit gewerblich Chartervermittlungen von Booten in weltweit beliebten Segelrevieren zu organisieren.

Er gründete eine Firma, seine Kunden zahlten bei ihm vor Reisebeginn den verabredeten Mietbetrag, fast immer Summen im vierstelligen Bereich. Eigentlich hätte der Polizist nun einen Teil des Geldes an die jeweiligen Besitzer der Schiffe weiterleiten müssen. Doch das blieb wegen der zunehmend desolaten Finanzlage des Beamten immer öfter aus. Kamen die Urlauber dann an, mussten sie bei dem Schiffsbesitzer ent­weder erneut die volle Summe zahlen oder auf den geplanten Törn verzichten.

Anfangs liefen die Geschäfte gut, doch dann übernahm sich der Polizist. Ein teurer Büroanbau wurde realisiert, Luxusgüter wurden angeschafft. Mit der Folge, dass es finanziell eng wurde. Bauschulden, Steuernachzahlungen und rückläufige Umsätze führten zum Kollaps.

Schließlich gingen die Firmen des Beamten, der bei der Mordkommission, im Ständigen Stab, in der Polizei-Pressestelle, beim Auslandseinsatz in Bosnien und beim Verkehrskommissariat anerkannt vorbildliche Dienste leistete, vollends in die Brüche und führten zur Insolvenz. „Die Sache ist ihm einfach über den Kopf gewachsen“, so ein Kollege und interner Ermittler der Polizei.

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