Dauerleihgabe an die Stadt
Chillida-Bänke bleiben in Münster

Münster -

Die Überlegungen, die Chillida-Skulptur auf dem freien Kunstmarkt anzubieten, sind vom Tisch. Als eine Dauerleihgabe des Landes bleiben die Bänke dauerhaft in Münster.

Montag, 04.07.2016, 19:07 Uhr

 
Wie selbstverständlich gehören die Chillida-Bänke inzwischen zum Stadtbild von Münster. Ihr Verkauf, der nach der Zerschlagung der WestLB drohte, wurde jetzt abgewendet. Foto: Matthias Ahlke

Die Erleichterung war Oberbürgermeister Markus Lewe anzumerken, als er um 16.15 Uhr vor die Presse trat – natürlich mit der Chillida-Skulptur im Rücken.

Die Zeit der „unerträglichen Unsicherheit“ sei vorbei, das Land NRW habe ein „wichtiges Signal für ein Kunstwerk mit herausragender Bedeutung“ gegeben. Die Rede ist von der Skulptur „Toleranz durch Dialog“, von der seit Montag feststeht, dass sie im Rathausinnenhof („Platz des Westfälischen Friedens“) verbleiben kann.

Video-Aktuell: Chillida-Bänke in Münster

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Streit beendet

Der Grund: Das Land kauft der Portigon AG , der Nachfolgerin der zerschlagenen WestLB , das Kunstwerk ab und überlässt es Münster als Dauerleihgabe . Das erklärte am Montag die NRW-Kulturministerin Christina Kampmann in Düsseldorf.

Sonderregelung

Rund 30 Millionen Euro und knapp 300 Kunstwerke umfasst die Übereinkunft, die das Land mit der Portigon AG, der Rechtsnachfolgerin der zerschlagenen WestLB, getroffen hat. Während alle anderen Werke in eine neue Stiftung überführt werden, gibt es für die Chillida-Skulptur eine Sonderregelung. Sie wird direkt vom Land erworben. Das hängt damit zusammen, dass die Stadt Münster ein Verfahren zur Unterschutzstellung der Skulptur als Denkmal eingeleitet hat. Mit dem Verkauf verzichtet Portigon auf eine Klage gegen dieses Verfahren.

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Damit endet ein seit 2014 währender Streit um die Zukunft der von Eduardo Chillida geschaffenen Skulptur. Im Zuge der Abwicklung der WestLB waren nämlich Überlegungen laut geworden, das Kunstwerk zu verkaufen. Ein Gedanke, den Lewe auch am Montag noch umtrieb: „Eine Entfernung wäre ein Menetekel gewesen“, weil sich das moderne Kunstwerk über den Bezug zu dem benachbarten, historischen Friedenssaal definiere.

Chillida-Skulptur „Toleranz durch Dialog“ bleibt in Münster

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  • Die Skulpturen sehen aus wie zwei gegenüberliegende Bänke. Und so werden sie auch genutzt.

    Foto: Matthias Ahlke
  • "Toleranz durch Dialog" ist der Name des Kunstwerks. Auf Chillidas Bänken kommt man mit dem Gegenüber ins Gespräch.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Der Ort der Skulptur ist kein Zufall.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Chillidas Kunstwerk steht im Rathausinnenhof, in direkter Nachbarschaft zum Friedenssaal.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Die Skulptur weist einen Weg zu einer friedlicheren Welt: „Dialog“.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Die Bänke laden zum Innehalten ein.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Im Alltagsleben der Münsteraner hat die Chillida-Skulptur offenbar ihren Platz gefunden. Und sie wird bleiben:

    Foto: Matthias Ahlke
  • Das Land NRW kauft der Portigon AG, der Nachfolgerin der zerschlagenen WestLB, das Kunstwerk ab und überlässt es Münster als Dauerleihgabe.

    Foto: Matthias Ahlke

Sein Parteifreund, der CDU-Landtagsabgeordnete Thomas Sternberg, stellte dem Land trotz der erfolgten Absicherung ein „schlechtes Zeugnis aus“. Die seinerzeit von NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans losgetretene Verkaufsdebatte habe dem Land „einen Imageschaden“ zugefügt. Die SPD-Landtagsabgeordneten Svenja Schulze und Thomas Marquardt sahen das anders: „Dass der Verbleib zwischenzeitlich mehr als fraglich war, ist einzig und allein auf das Versäumnis der Stadtspitze zurückzuführen, den dazugehörigen Leihvertrag seinerzeit nicht verlängert zu haben.“

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Zum Hintergrund: Die Chillida-Skulptur wurde 1993 von die WestLB erworben und der Stadt Münster anlässlich des Jubiläums „1200 Jahre Stadt Münster“ überlassen. Über die Details dieser Überlassung wurde vielfach diskutiert, nachdem sich mit der Zerschlagung der WestLB auch die Frage nach der Zukunft der Skulptur stellte.

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Kunstschätze gesichert

Eine der Altartafeln von Giovanni di Paolo

Eine der Altartafeln von Giovanni di Paolo Foto: kal

Große Freude herrschte unterdessen bei der Dr. Barbara Rüschhoff-Thale, Kulturdezernentin des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe. 296 Portigon-Kunstwerke sind am Montag in eine Landesstiftung übergegangen, darunter acht Werke aus dem Bestand des LWL-Museums am Domplatz. Damit sei die Gefahr abgewendet, dass die Werke „auf den freien Kunstmarkt gelangen“.

Um diese Kunstwerke geht es:

Die Portigon AG besitzt als Rechtsnachfolgerin der Westdeutschen Landesbank (WestLB) eine Kunst- und Instrumentensammlung. Insgesamt sind auf der Liste gut 380 Objekte verzeichnet. Zwei der wertvollsten Werke jedoch wurden vor 2015 aus dem Tresorraum von Portigon gestohlen: „Das Haus“ von Gabriele Münter (Schätzwert 600 000 Euro) und Picassos Stier-Lithografien (400 000 Euro). Hier eine Liste mit Werken und den höchsten Versicherungssummen:

► Giovanni di Paolo, Bildtafeln: 6 Millionen Euro (Leihgabe für das Westfälische Landesmuseum Münster)

►Paul Signac, „Constantinople. Yeni Djani“, 4 Mio Euro

►August Macke, „Der Mackesche Garten“, 2,5 Mio Euro

►Eduardo Chillida, „Diàlogo Tolerancia“ (zwei Skulpturen in Münster), 2 Mio Euro

►Morris Louis, Stripes (Gamma Epsilon), 1,2 Mio Euro

►Günther Uecker, „Loose the Paradise“, 1 Mio Euro

►Henry Moore, „Working Model for Stone Memorial 1961“, 500 000 Euro, Leihgabe im Westfälischen Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte in Münster.

Die Sammlung enthält weitere Werke etwa von Emil Nolde, Max Ernst, Fernando Botero, Max Bill, Imi Knoebel, Thomas Schütte, Bernard Schultze sowie in London auch Arbeiten der Fotokünstler Thomas Struth, Wolfgang Tillmans und Candida Hoefer.

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