Lärmaktionsplan
Tempo 30: Die entschleunigte Innenstadt

Münster -

Tempo 30 ist für manche ein rotes Tuch. Im Rahmen des Lärmaktionsplan sollen einige Straßen auf Tempo 30 runtergeregelt werden. Dadurch könnten 6400 Bürger weniger unter Lärm leiden. Diese Straßen sind im Gespräch.

Mittwoch, 13.07.2016, 07:07 Uhr

Wolbecker Straße: Hier ist zu Stoßzeiten eine hohe Verkehrsdichte.
Wolbecker Straße: Hier ist zu Stoßzeiten eine hohe Verkehrsdichte. Foto: Matthias Ahlke

Ortsbesichtigung. Wolbecker Straße, Ecke Bremer Straße. Vor der Ampel stehen vier Pkw mit vier Insassen, daneben acht Fahrräder auf dem schmalen Radweg. Es ist 11 Uhr, der Lärm hält sich in Grenzen. Veit Muddemann hat diesen Treffpunkt ausgesucht, weil man hier die Debatte über Tempo 30 in der Stadt am besten durchdeklinieren kann.

Muddemann hat in der Stadtverwaltung den Lärmaktionsplan koordiniert, der derzeit in der politischen Diskussion steht. Der Plan beinhaltet Maßnahmen, wie man Anwohnern mit hoher Lärmbelastung helfen kann.

Pkw-Blöcke auf der Wolbecker Straße

Besonders umstritten bei manchen ist die Einführung von Tempo 30 auf ausgesuchten Straßen innerhalb des Rings. Die Wolbecker Straße würde ab dem Hansaring runtergeregelt. Die Hammer Straße ab der Geiststraße bis zum Ludgerikreisel. Der Bült ist heute schon Tempo-30-Abschnitt. Der soll künftig vom Mauritztor bis zum Neutor erweitert werden. Auch die Nordstraße würde abgebremst.

Erste Beobachtung an der Wolbecker Straße: Die Pkw fahren päckchenweise. „Das ist so gewollt“, sagt Muddemann, „der Verkehr wird in Blöcken durch die Stadt gelenkt.“ Die Autofahrer haben das Gefühl, sie fahren in Schlangen, zu manchen Zeiten in Staus. Die Fußgänger erleben zwischen den Pkw-Blöcken viele Sekunden leere Straßen.

Hier soll Tempo 30 gefahren werden

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  • Wolbecker Straße - vom Ring bis zum Servatiiplatz.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Am Bült gilt heute schon Tempo 30. Im Lärmaktionsplan steht, dass Münzstraße und Mauritztor hinzukommen.

    Foto: Günter Benning
  • Die Hammer Straße soll von der Geiststraße bis zum Ludgierkreisel verlangsamt werden.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Die Nordstraße führt durch das Nordviertel. Auch hier soll testweise Tempo 30 gelten.

    Foto: Matthias Ahlke

„Wer zu schnell fährt, steht“, erklärt der Mann vom Umweltamt das Einmaleins der Verkehrslenkung. „Wer zu langsam fährt, steht auch.“ Das gilt für Tempo 70, 50 oder 30. Die entscheidende Frage ist, welche Störungen es gibt.

Einwände gegen Temporeduzierung

Zweite Beobachtung: Der Verkehr schleicht dahin, von 50 Stundenkilometern, die hier erlaubt wären, kann keine Rede sein. Dafür sorgen Ampeln, Parkverkehr, Lkw am Straßenrand, die ein- oder ausladen.

„Für die meisten Streckenabschnitte“, schreiben denn auch die Verkehrsexperten des Unternehmens LK Argus, die den Lärmaktionsplan erstellt haben, „werden keine oder nur geringe Beeinträchtigungen für den fließenden Verkehr erwartet.“ Der Lärm würde sich aber um bis zu drei Dezibel verringern. Das ist erheblich.

Natürlich kennt auch Veit Muddemann die Einwände gegen eine Tempo-Reduzierung. Etwa die der oberen Verkehrsbehörde bei der Bezirksregierung.

Es gibt Differenzen über Lärmrichtwerte. Die Verkehrsbehörde orientiert sich an den Lärmschutz-Empfehlungen der Straßenverkehrsordnung. Die Stadt hat die Vorgaben der EU-Immissionsschutzgesetze vor Augen.

Außerdem zweifelt die RP-Behörde daran, ob im Rahmen des Aktionsplans Straßenbereiche auf Tempo 30 runtergeregelt werden dürfen, wo kein Anlieger unter Lärm leidet.

Entlastung für 6400 Bürger

Muddemann blickt von der Kreuzung in Richtung Bahnunterführung. Hier gibt es keine direkt betroffenen Anlieger. Sollte man auf 50 Metern wieder 50 km/h zulassen? So ein Flickenteppich macht nach Expertenmeinung keinen Sinn, weil es die Pkw-Fahrer verwirrt.

Auch ohne Ausnahmen würde der Tempo-30-Versuch auf Innenstadt-Straßen 130 Schilder benötigen. An jeder Straßenkreuzung müssen sie stehen. Und das, obwohl in den Seitenstraßen fast stadtweit schon lange Tempo 30 gilt. Darüber hinaus bleibt die Zahl der geplanten Tempo-30-Straßen eingeschränkt. Die Ringe, die Grevener, Warendorfer, Friedrich-Ebert, Garten, Steinfurter und Weseler Straße bleiben außen vor.

Etwa 6400 Bürger, heißt es im Lärmaktionsplan, könnten durch die Tempo-Reduzierung deutlich entlastet werden. Für Veit Muddemann ist das einen Versuch wert. Und wenn der, wie es in einem Schreiben aus der Verkehrsbehörde des RP heißt, keine drei, sondern nur ein Jahr dauern dürfe, wäre das für ihn ein erster Schritt.

Das Ziel bliebt: „Eigentlich sollte Tempo-30 dauerhaft gelten.“

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