Streit vor dem Arbeitsgericht
Farhad Shahri gegen die Stadt

Münster -

Farhad Shahri hat seinen Arbeitgeber, die Stadtverwaltung, verklagt. Die Auseinandersetzung ist ein weiteres Kapitel in einer Auseinandersetzung, die bereits seit Jahren andauert.

Mittwoch, 20.07.2016, 19:07 Uhr

Hat die Stadt verklagt: Farhad Shahri (r., mit seinem Anwalt Tim Gaschler).
Hat die Stadt verklagt: Farhad Shahri (r., mit seinem Anwalt Tim Gaschler). Foto: kal

Dass Farhad Shahri nach wie vor für die Stadt Münster arbeitet, hat er dem Landesarbeitsgericht zu verdanken . Anfang des Jahres erklärte es die fristlose Kündigung, die die Verwaltung 2014 gegen ihn ausgesprochen hatte, für rechtswidrig. Die Stadt hatte ihrem langjährigen Mitarbeiter vorgeworfen, den Dienstwagen für private Fahrten genutzt zu haben. Ein solches Vergehen sei kein Anlass für eine fristlose Kündigung, urteilten die Richter.

Die Verwaltung musste Shahri also wieder einstellen – doch wohin mit ihm? „Ein Großteil der Kollegen wollte nicht mit ihm zusammenarbeiten“, so Michael Willamowski , Leiter des Personalamtes. Denn Shahri hatte sich in der Vergangenheit wiederholt – auch öffentlich – über angeblich ausländerfeindliche Kollegen beklagt.

Der Neustart gelang dann – zunächst – doch: Der Diplom-Bauingenieur bezog einen Schreibtisch im Stadtplanungsamt – allerdings gegen seinen Willen. Er wäre lieber ins Tiefbauamt zurückgekehrt. „Man hat mich kaltgestellt“, glaubt Shahri. Daher hat er nun die Stadt verklagt. Am Mittwoch trafen sich beide Parteien vor dem Arbeitsgericht .

Dort ging es schnell hoch her. Er sei im Stadtplanungsamt unterfordert, stellte Shahri klar. Das Projekt, das angeblich vier bis sechs Wochen Arbeit erfordere, habe er in eineinhalb Stunden erledigt gehabt. Zudem habe man ihn gar nicht eingearbeitet. Stimmt nicht, betonte der Anwalt der Stadt: Shahri habe sich geweigert, seine neuen Kollegen kennenzulernen. Stattdessen, so Willamowski, habe Shahri umgehend zwei von ihnen angezeigt – sie sollen sich ausländerfeindlich geäußert haben. Fünf Tiefbauamt-Mitarbeiter sind inzwischen von der Polizei vernommen worden, berichtet der Leiter des Personalamtes.

Der „Neustart“, so scheint es, ist kräftig missglückt – zumal seit der Wiedereinstellung weitere Konflikte schwelen. So hat Shahri wiederholt vom Tiefbauamt eingerichtete Baustellen kurzerhand stillgelegt. „Weil Gefahr im Verzug war“, wie er glaubt. Der Anwalt der Stadt wies dies am Mittwoch mit deutlichen Worten zurück.

Shahri und die Stadt – das scheint eine unendliche Geschichte zu sein. Er werde weiter, wenn nötig, Baustellen stilllegen. Zugleich kündigte er „Enthüllungen“ über die Arbeitspraxis in der Verwaltung an. Er selbst sei inzwischen schwer krank, betonte er. Schuld sei die Stadt, der er „Körperverletzung“ unterstellt.

Der Prozess geht am 18. November weiter. Bis dahin muss die Verwaltung begründen, warum sie Shahri ins Stadtplanungsamt versetzt hat.

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