Uni-Professor gegen Verbot
„Killerspiele“ sind nicht automatisch gefährlich

Münster -

Wer Computerspiele wie „Counterstrike“ spielt, wird nicht automatisch zum Gewalttäter, sagt Uni-Professor Thorsten Quandt. Er spricht sich daher gegen ein Verbot solcher Spiele aus.

Montag, 25.07.2016, 20:07 Uhr

Uni-Professor gegen Verbot : „Killerspiele“ sind nicht automatisch gefährlich
Symbolbild Foto: colourbox.com

Nach dem Amoklauf von München ist erneut eine Debatte über „Killerspiele“ entbrannt . Angestoßen hatte sie am Wochenende Bundesinnenminister Thomas de Maizière . Eine schädliche Wirkung dieser Spiele auf Jugendliche sei „nicht zu bezweifeln“, hatte er in Berlin festgestellt.

Das sieht der münsterische Kommunikationswissenschaftler Prof. Dr. Thorsten Quandt , der sich seit Jahren unter anderem mit digitalen Spielen beschäftigt, anders. „Ich weiß nicht, was den Innenminister zu dieser Einschätzung bringt“, so Quandt am Montag gegenüber unserer Zeitung. Die wissenschaftlichen Forschungsergebnisse seien nämlich keineswegs so, wie es de Maizière glaube. Er bewertet dessen Einschätzung als „Reflex“ – und geht nicht davon aus, dass die Diskussion über Killerspiele von langer Dauer sein werde.   

Prof. Dr. Thorsten Quandt

Prof. Dr. Thorsten Quandt Foto: WWU

Der Amokläufer von München soll das Computerspiel „ Counterstrike “ gespielt haben. „Ein Spiel, das auf fast jedem Computer junger Männer zu finden ist“, so Quandt – ohne dass diese automatisch zu Gewalttätern würden. Spiele wie Counterstrike stiften nicht kausal zur Gewalt an, sie könnten aber als Projektionsfläche für bereits vorhandene Gewaltfantasien dienen. Quandt würde gerade Counterstrike auch nicht als „gewaltverherrlichend“ bezeichnen – das Spielprinzip sei eher mit Räuber und Gendarm vergleichbar, wobei die Spieler gemeinsam und strategisch versuchten, ihr Ziel zu erreichen. „Natürlich gibt es gewaltverherrlichende Spiele“, sagt Quandt – „doch die sind in Deutschland meist gar nicht erhältlich“.

Das Wort „Killerspiele“ ist für Quandt ein „Kampfbegriff aus einer Schublade, von der wir dachten, dass sie längst geschlossen sei“. Der Einfluss von Medien sei auf Jugendliche und Erwachsene deutlich geringer, als viele glaubten. Er regt an, stattdessen die Debatte zu führen, wie es so weit kommen konnte, dass junge Menschen zu Tätern wurden. Indes: „Dass einzelne Psychopathen zu Tätern werden, wird man nie hundertprozentig verhindern können“, glaubt er. Ein staatliches Verbot von Spielen wie Counterstrike lehnt er ab – dies wäre ein massiver Eingriff in die Freiheit der Menschen, selbst zu entscheiden, welche Medien sie nutzen.

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