Milad Karimi - Muslim und Aufsteiger
Vom Flüchtlingskind zum Professor

Münster -

Milad Karimi hatte kaum Chancen. Aber er hat sie genutzt. Das Flüchtlingskind aus Afghanistan, in Camps aufgewachsen, ist mit 37 Jahren Professor für Islamwissenschaften und renommierter Autor. Die Geschichte einer ungewöhnlichen Karriere.

Dienstag, 26.07.2016, 13:07 Uhr

Milad Karimi mit seinem Porträt.im Simpsons-Stil. Der Islamwissenschaftler und Philosoph liebt  humorvoll-originelle Zugänge zu seinem Forschungsgebiet.
Milad Karimi mit seinem Porträt.im Simpsons-Stil. Der Islamwissenschaftler und Philosoph liebt  humorvoll-originelle Zugänge zu seinem Forschungsgebiet. Foto: kv

Neben der Tür in Milad Karimis Büro hängt eine Porträtzeichnung: Der Professor für islamische Theologie mit seiner prägnanten Frisur als Figur der Simpsons, der US-Zeichentrickserie. „Ich mag die Simp­sons“, erzählt Karimi und nimmt das Bild einer befreundeten Künstlerin von der Wand. Mit Homer Simp­son , dem dümmlichen Familienoberhaupt, identifiziert er sich weniger. Karimi grinst: „Schon eher mit Lisa.“ Lisa, klug, vernünftig und fleißig, Nerd der Simpsons.

Das passt zu Milad Karimi, geboren in Kabul , 37 Jahre alt, der seit Dienstag, nach vier Jahren Wartezeit, Professor der Universität Münster ist. Vor zwei Jahren hat Karimi eine Autobiografie veröffentlicht – sein Lebenslauf straft alle Lügen, die meinen, dazu sei es in seinem Alter zu früh.

Jahrelang lebte er mit Eltern und Schwester in Flüchtlings-Siedlungen

Die Zuwanderung der vielen Flüchtlinge hat bei Milad Karimi Erinnerungen hochkommen lassen. Auch er war ein Flüchtlingskind, lebte mit Eltern und Schwester jahrelang in Darmstadt in Flüchtlingscontainer-Siedlungen, kämpfte sich durchs Schulsystem bis zum Abitur und wurde dann Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes .

Zwei Tage nach seiner Ernennung zum Professor und seiner Verbeamtung in den Staatsdienst sitzt Karimi, promoviert im Fach Philosophie, in seinem wohnlich eingerichteten Büro im Zen­trum für islamische Theologie an der Hammer Straße: „Dass der Staat und auch die muslimischen Gruppen im Beirat des Zentrums mir die Verantwortung übertragen, junge Menschen für eine wichtige Aufgabe in der Gesellschaft auszubilden, ist für mich eine ganz große Ehre.“

NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft besucht Zentrum für islamische Theologie an der Universität Münster

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  • NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft besuchte am Dienstag das Zentrum für islamische Theologie an der Universität Münster. Foto: Matthias Ahlke
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  • NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft besuchte am Dienstag das Zentrum für islamische Theologie an der Universität Münster. Foto: Matthias Ahlke
  • NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft besuchte am Dienstag das Zentrum für islamische Theologie an der Universität Münster. Foto: Matthias Ahlke
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Kindheit in Kabul geprägt vom Krieg

Die Kindheit in Kabul war für den 1979 in eine bürgerlich-intellektuelle Familie geborenen Jungen geprägt vom Krieg während der sowjetischen Besatzung des Landes. Immerhin, die deutsch-afghanische Schule, die der Vater leitete, blieb offen, ebenso wie die Zahnarztpraxis der Mutter. Nachdem die Russen sich zurückzogen und die rivalisierenden Talibangruppierungen die Herrschaft übernahmen, war damit Schluss. Die Mutter durfte nicht mehr arbeiten, der Vater wurde bedroht – 1992 entschlossen sich die Karimis zur Flucht.

Schlepper brachten seine Familie nach Moskau

Zuerst nach Indien, wo Afghanen ein Visum erhielten. Die Hoffnung des Vaters, der in Deutschland studiert hatte, er könne bei der deutschen Botschaft Asyl beantragen, entpuppte sich als Illusion. Vater, Mutter, der 13 Jahre alte Milad und seine vierjährige Schwester vertrauten sich Schleppern an, die sie mit einem Visum nach Moskau brachten. Weil der Schlepper verschwand, musste die Familie 13 Monate in einem Zimmer warten, bis sie mit gefälschten Pässen nach Deutschland fliegen konnte.

Es begann das Leben in den Flüchtlingseinrichtungen, zwei Mal wurde das Asylgesuch der Familie abgelehnt Das Geld war aufgebraucht, die Eltern bekamen keine Arbeitserlaubnis. 1994, Milad war über zwei Jahre lang nicht in einer Schule gewesen, durfte er in einer Hauptschule wieder lernen.

In der VHS lernte Milad Karimi Deutsch und Englisch

Bis zur Ankunft in Deutschland hatte er weder Deutsch noch Englisch gelernt, jetzt ging es los. Mitarbeiter aus der Flüchtlingseinrichtung schenkten ihm die nötigen Schulsachen, der Tornister war rosa – egal. Vier Mal pro Woche ging er abends in die Volkshochschule, lernte besser Deutsch und Englisch. Nach dem Hauptschulabschluss ging es auf eine Berufsfachschule für Elektrotechnik, danach machte er noch den Realschulabschluss, absolvierte die Oberstufe des Gymnasiums und das Abitur.

Milad Karimi ist sicher: „Wenn ein Migrantenkind den Aufstieg schafft, dann stehen immer fördernde Lehrer oder Helfer dahinter.“ Obwohl er mit 1,7 am Schluss nicht die beste Durchschnittsnote seines Jahrgangs beim Abitur hatte, schlug ihn die Schule für die Studienstiftung des deutschen Volkes vor.

Milad Karimi bezeichnet sich als moderat religiös

Milad Karimi studierte Philosophie und Mathematik in Freiburg. Die Anschläge am 11. September 2001 erlebte er in einem Sommerseminar der Studienstiftung . Thema: Die Schönheit der Religion – auch des Islam. Karimi bezeichnet sich als moderat religiös und entdeckte gerade für sich die Poetik im Koran, als die Terroristen in New York die Flugzeuge in die Twin Towers steuerten.

Er studierte danach Islamwissenschaften, promovierte nach dem Abschluss über Hegel und Heidegger. Für den Herder-Verlag hat er den Koran übersetzt, „damit der Text zeitgemäßer wurde und im Deutschen auch das Lyrische zum Ausdruck kommt“. Für unkonventionelle Zugänge hat er ein Faible, wie auch der Titel seiner Autobiografie zeigt. Sie heißt „Osama bin Laden schläft bei den Fischen. Warum ich gerne Muslim bin und wieso Marlon Brando viel damit zu tun hat“.

In Afghanistan ist Karimi – heute deutscher Familienvater – nicht mehr gewesen. Sein Traum: Dort so etwas wie die Studienstiftung für begabte junge Leute zu gründen.

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