Neuer Islam-Beirat
Khorchides Kritiker sind im Boot

Münster -

Das Zentrum für islamische Theologie an der Universität Münster hat endlich den lange gewünschten Beirat. Doch in dem Gremium sitzen ausgewiesene Kritiker von Prof. Mouhanad Khorchide, der das Zentrum leitet.

Dienstag, 26.07.2016, 12:07 Uhr

Die Pressemitteilung, die die Universität am vergangenen Freitag verschickte, ist einigermaßen schmallippig, gemessen am kräftezehrenden Aufwand, mit dem über fünf Jahre lang um die Angelegenheit gerungen wurde. Das international vielbeachtete Zentrum für islamische Theologie (ZIT) unter Leitung des liberalen Islamtheologen Prof. Mouhanad Khorchide hat – wie berichtet – endlich seinen in der Satzung der Universität vorgesehenen Beirat, und Nelles lobte laut Mitteilung „den ausgesprochen konstruktiven und regen Austausch“ bei der konstituierenden Sitzung. Die rechtliche Konstruktion des ZIT folgt damit der an christlich- theologischen Fakultäten, wo ebenfalls Kirchenvertreter bei Berufungen Stellung nehmen dürfen. Die Entscheidungskompetenz bleibt aber ganz bei der Universität.

Nach den jahrelangen öffentlich geführten Auseinandersetzungen um die Besetzung des Beirats unter den der vielfach zersplitterten Islamverbänden in Deutschland soll die Konstituierung im Schloss in bester Stimmung vonstatten gegangen sein, wie kolportiert wird. Rektorin Ursula Nelles reichte Schokolade, die acht Mitglieder, jeweils zwei der vier größten Muslimverbände, werden demnächst in nicht- öffentlichen Sitzungen wichtige Personalangelegenheiten des ZIT beraten. Dazu gehören die Berufung des Islamtheologen Prof. Milad Karimi und die Besetzung einer Stiftungsprofessur für schiitische Theologie.

Ob die Zusammenarbeit im Beirat so harmonisch weitergehen wird wie in der konstituierenden Sitzung, ist eine spannende Frage. Das Gremium vereint mehrere Vertreter, die sich in Vergangenheit als ausdrückliche Gegner des Islam-Verständnisses von Mouhanad Khorchide hervorgetan haben.

Zum Beispiel Dr. Zekeriya Altuğ: Der Leiter der Außenabteilung der Ditib (Türkisch Islamische Union der Anstalt für Religion e.V.) hatte vor über drei Jahren zusammen mit zwei weiteren Hamburger Islam-Experten in der türkischen Zeitung „Türkiye“ das Relegionsverständnis von Khorchide kritisiert. Der Artikel schlug damals in den Medien erhebliche Wellen.

Der aus Marokko stammen Islamtheologe Prof. Mohammed Khallouk vom Zentralrat der Muslime gehörte zu den Initiatoren eines im Dezember 2013 veröffentlichten Gutachtens, in dem ebenfalls der von Khorchide postulierte Islam der Barmherzigkeit infrage gestellt wurden.

Khallouk hatte bereits früher gegen den Vorgänger von Khorchide, Sven Kalisch, massiv Kritik geübt. Kalisch, der die historische Existenz des Propheten Mohammed angezweifelt hatte, lehrt, nachdem er Morddrohungen erhalten hatte, in einem anderen Fachgebiet und hat mittlerweile mit dem Islam gebrochen.

Den Zentralrat der Muslime im Beirat vertritt auch Danya Ouklah, die an der Universität Osnabrück islamische Theologie studierte. Sie setzte sich in den Medien gegen das auch in Nordrhein-Westfalen geltende Kopftuchverbot für Lehrerinnen an Schulen ein.

Ebenfalls im Beirat vertreten ist für den Islamrat Buhran Kesici, der Vize-Vorsitzende der Berliner Islamischen Föderation. Diese wiederum wird der als islamistisch geltenden Bewegung Millî Görüş zugerechnet. Nach Einschätzung des deutschen Verfassungsschutzes zeigt Millî Görüş ein antidemokratisches Staatsverständnis.

Kesici ist bereits Mitglied im muslimischen Beirat für den Religionsunterricht im NRW-Schulministerium. Als Beiratsmitglied an der Universität Münster war er bereits einmal vorgeschlagen – wurde aber damals nach einer Intervention des Bundesbildungsministeriums vom Rektorat der Uni Münster abgelehnt.

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