Weniger Plagegeister
Darum sind Wespen in diesem Jahr auf dem Rückzug

Münster -

Vor einem Jahr wurde Münster von einer regelrechten Wespen-Invasion heimgesucht. In diesem Sommer bietet sich hingegen ein völlig anderes Bild. Nur vereinzelt schwirren Wespen durch die Luft. Was ist passiert?

Dieses Jahr gibt es nur wenige Wespen.
Dieses Jahr gibt es nur wenige Wespen. Foto: Oliver Werner

Die starken Niederschläge der vergangenen Monate setzen den Wespen arg zu. Eine Plage wie im Vorjahr ist daher nicht absehbar. „Ein Großteil der Wespen ist schlicht und einfach ertrunken“, erläutert Dr. Werner Mühlen, Wespen-Experte der Landwirtschaftskammer NRW . Im Februar und März hätten sich die von vielen gefürchteten Insekten zunächst gut entwickelt – „doch dann kam der Regen“. Immer wieder wurde Münster von anhaltenden, teils ­intensiven Güssen heim­gesucht. „Viele Völker sind daraufhin gestorben“, betont Mühlen. Und ein Großteil ­jener Wespen, denen dieses Schicksal erspart blieb, verhungerte, da sie von den Niederschlägen daran gehindert wurden, auf Nahrungssuche zu gehen.

2015 seien die Rahmenbedingungen vollkommen anders gewesen, betont der Wespen-Experte. „Auf ein schönes Frühjahr folgte ein heißer Sommer, die Wespen-Population explodierte regelrecht, es kam zu einer Invasion“.

Etwa alle 100 Meter, so seine Schätzung, befindet sich in Münster ein Wespennest. In guten Jahren leben in jedem Nest bis zu 2000 Tiere. Aufgrund der widrigen Wetterbedingungen im Sommer 2016 fielen viele Nester deutlich kleiner aus als üblich – womit auch die Zahl der Bewohner deutlich zurückging.

Tipps gegen Wespen

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  • Tipp 1: Am Kaffeetisch und beim Grillen: Wespen stechen sobald sie sich bedroht fühlen. Vermeiden Sie deshalb heftige Bewegungen.

    Foto: colourbox.de
  • Tipp 2: Auch das Wegpusten der Tiere ist nicht ratsam: Das im Atem enthaltene Kohlendioxid gilt im Wespennest als Alarmsignal.

    Foto: Karl-Josef Hildenbrand, dpa
  • Tipp 3: Nur zwei der acht heimischen Wespenarten stehen auf Süßspeisen und Fleisch oder Wurst, nämlich die Deutsche Wespe und die Gemeine Wespe. Es ist sinnvoll, Nahrungsmittel im Freien abzudecken und Reste wegzuräumen. Nach dem Essen sollte bei Kindern der Mund abgewischt werden, um die Wespen nicht anzulocken.

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  • Tipp 4: Nie direkt aus der Flasche trinken. Am besten Getränke mit dem Strohhalm trinken.

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  • Tipp 5: Um von den ungeliebten Tischgästen gänzlich in Ruhe gelassen zu werden, empfiehlt sich eine Ablenkfütterung. Zwei Schülerinnen fanden bei einem Experiment für Jugend forscht heraus, dass sich überreife Weintrauben dazu am besten eignen. Fünf bis zehn Meter vom Ort des eigentlichen Geschehens entfernt aufgestellt, halten die Früchte die Wespen in Schach.

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  • Tipp 6: Vorsicht: Unverdünnte Marmelade oder reiner Honig wirken als Ablenkung weniger gut. Sie machen die Tiere aggressiv. Vom Kauf von mit süßem Saft oder Bier gefüllten Wespenfallen rät der NABU ganz ab. Die Tiere sterben in der Flüssigkeit einen qualvollen Tod. Zudem gehen nur alte Tiere in die Falle. Das aktive Volk wird nicht dezimiert.

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  • Tipp 7: Wespen können von Gerüchen wie Parfüm, Cremes, Holzmöbelpolitur oder ähnlichen Düften angezogen werden. Außerdem fliegen Sie gerne auf bunte Kleidung.

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  • Tipp 8: Um Wespen, Bienen und andere Insekten aus dem Haus zu halten, empfiehlt es sich, Fliegengaze an Fenstern und Türen anzubringen, insbesondere an Küchen-, Bad- und Kinderzimmerfenstern.

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  • Tipp 9: Haben sich trotz aller Vorkehrungen Wespen ins Haus verirrt, wird ein Glas über das Insekt gestülpt und vorsichtig ein Stück Papier als Boden untergeschoben, um das Tier wieder nach draußen zu bringen.

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  • Tipp 10: Wespennester am Haus dürfen nicht einfach eingeschlossen werden, da sich die Tiere dann einen anderen Ausgang suchen und so ins Haus gelangen können. Am verschlossenen Einflugloch müssen Sie dann mit aggressiven Wespen rechnen.

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  • Tipp 11: Bleibt man auf einer Distanz von zwei bis drei Metern zum Nest und versperrt die Flugbahn der Wespen nicht, fühlen sie sich nicht bedroht.

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  • Tipp 12: Obst rechtzeitig abernten und aufsammeln. Blattläusen mit biologischen Maßnahmen vorbeugen beziehungsweise diese bekämpfen, da die süßen Ausscheidungen der Läuse Wespen anziehen.

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Mühlen will zwar nicht ausschließen, dass es ab Ende August doch noch zu einem verstärkten Wespen-Aufkommen kommen könnte. „Doch dafür müsste es länger warm und trocken sein.“ Danach sieht es allerdings nach Einschätzung der Meteorologen derzeit nicht aus.

Komplett sind die Wespen allerdings nicht von der Bildfläche verschwunden. Eine Mitarbeiterin der Umweltberatung des Grün­flächenamtes berichtet, dass bereits rund 100 Anrufe von Bürgern eingegangen seien, die sich durch Nester gestört fühlen. Sie betont, dass für deren Entfernung nicht mehr die Feuerwehr zuständig sei. Es gebe aber einen Imker, der Nester entfernt und dann in ein Waldstück bei Coesfeld umsiedelt.

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