Rückbau der alten Oberfinanzdirektion
Ein Abriss von innen

Münster -

Ein Abriss kann eine langwierige und sehr anspruchsvolle Aufgabe sein – für das schadstoffbelastete Gebäude der alten Oberfinanzdirektion im Ostviertel trifft das zu. Der 50 Jahre alte, seinerzeit von Stararchitekten entworfene  Bau wird gerade ausgehöhlt. Im Inneren sind die Arbeiter dabei, die Einrichtungen der Stockwerke zu demontieren – damit verschwindet auch ein Stück nostalgische Behördengeschichte.

Samstag, 20.08.2016, 12:08 Uhr

Die alte Oberfinanzdirektion: Äußerlich ist das 150 Meter lange Gebäude noch unversehrt, doch im Inneren rumoren die Mitarbeiter der mit dem Rückbau beauftragten Firmen.
Die alte Oberfinanzdirektion: Äußerlich ist das 150 Meter lange Gebäude noch unversehrt, doch im Inneren rumoren die Mitarbeiter der mit dem Rückbau beauftragten Firmen. Foto: Matthias Ahlke

Noch steht der Bau da, weiß und elegant: 150 Meter lang, 13 Stockwerke hoch, ein asymmetrischer Vorbau mit Obelisk. Im Inneren der alten Oberfinanzdirektion , deren 350 Mitarbeiter Anfang Mai ausgezogen sind, ist aber mittlerweile nichts mehr, wie es einmal war.

Die beiden Uhren in der Empfangshalle stehen noch auf 10.56 beziehungsweise 11.27 Uhr. Die soliden hölzernen Wandschränke in den Hunderten der Büroräume sind bis auf die unteren beiden Etagen aus den Büros herausgebrochen worden. Alles, was noch in den Räumen war, ist weggeräumt. Und draußen nagt seit Ende Juli am Parkdeck auf der Rückseite des Gebäudes der Baggerzahn.

Der Rückbau läuft bisher ganz planmäßig.

Roland Schniedenharn, Amt für Immobilienmanagement

Der vor gut einem Monat begonnene Rückbau des vor 50 Jahren errichteten Gebäudes läuft „planmäßig“, sagt Roland Schniedenharn , der beim städtischen Amt für Immobilienmanagement das Projekt leitet. Auf dem 35 000 Quadratmeter großen Gelände an der Andreas-Hofer-Straße baut die Stadt bekanntlich die Gesamtschule Münster Ost.

Der Bau, der nun wegen der zu hohen Belastung mit gesundheitsschädlichen, mutmaßlich krebserregenden PCB (Polychlorierte Biphenyle) abgerissen wird, ist ein Werk der Architekten Helmut Hentrich und Hubert Petschnigg. Beide haben die Hochhaus-Architektur im Westdeutschland der 50er- bis 70er-Jahre vielerorts geprägt. Von Petschnigg stammt unter anderem das Vierscheibenhaus des Westdeutschen Rundfunks in Köln und die Ruhruniversität Bochum, zu den Bauten von Hentrich zählt auch das Dreischeibenhaus in Düsseldorf.

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Impressionen aus der Bauzeit der alten OFD: Die vertikalen Stützen wurden zuerst gefertigt, dann die Bodenplatten der Stockwerke hydraulisch hochgezogen. Foto: Bernd Golisch

Die Entsorgung des PCB-belasteten Materials ist für das mit dem Rückbau beauftragte Unternehmen nicht das größte Problem, betont Schniedenharn. Die Entsorgung des in den 90er-Jahren im Gebäude ummantelten Asbests, ist die eigentlich anspruchsvolle Aufgabe. Bis Ende des Jahres werden die rund 25 000 Tonnen des gesundheitsschädlichen, feuerbeständigen Dämmstoffes schrittweise Etage für Etage in luftdichten abgeschlossenen Kammern ausgebaut und entsorgt.

Sichtbares Zeichen des Rückbaus wird in den nächsten Tagen ein 50 Meter hoher Kran sein, ein sogenannter Seilbagger, der die entsorgten Bauteile direkt aus den Fenstern der Stockwerke befördern soll, wie Schniedenharn erläutert. Der Rückbau soll die Anwohner nur gering durch zusätzlichen Verkehr belasten: Mit vier bis fünf Lastwagen pro Tag aber müsse gerechnet werden, kündigte die Stadt zu Beginn des Rückbaus an.

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Blick in einen der langen Flure: Die Holzverkleidungen sind mittlerweile herausgebrochen worden. Foto: Matthias Ahlke

Ob der Bau nach der Entfernung der Schadstoffe konventionell abgerissen, oder gesprengt wird, wollen Bausachverständige im September entscheiden.

Soviel ist jedenfalls klar: In einem Jahr soll von dem markanten Gebäude nicht mehr viel übrig sein.

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