Bruch des Kirchenasyls: Bischof entsetzt
„Schockiert von Härte und Brutalität“

Münster -

Mit Erschrecken haben Superintendentin Meike Friedrich und Stadtdechant Jörg Hagemann von der Auflösung eines Kirchenasyls im Kapuzinerkloster erfahren. Die Repräsentanten der evangelischen und der katholischen Kirche der Stadt Münster zeigten sich erschüttert, dass der Kreis Coesfeld einen ghanaischen Asylbewerber im Rahmen des Dublin-Verfahrens mit Polizeigewalt aus dem Kirchenasyl geholt hat. „Unfassbar, dass der Kreis Coesfeld den Ghanaer nach Ungarn zurückführt. Wir verweisen hier auf ein Urteil des Verwaltungsgerichts Münster, worin dieses die inhumanen Zustände für Asylbewerber in Ungarn feststellte“, betonten die beiden Theologen in einer Pressemitteilung.

Dienstag, 23.08.2016, 21:08 Uhr

Bischof Dr. Felix Genn zeigte sich „schockiert von dieser Härte und Brutalität “. „Es erschüttert mich und macht mich betroffen, dass während eines laufenden Verfahrens ohne Vorankündigung zugegriffen wird“, erklärte der Bischof. „Die Festnahme geschah ohne Not, es gab keine Fluchtgefahr, der Mann hätte sich gut weiter im Schutz der klösterlichen Mauern aufhalten können.“

Kirche und Staat haben für ein Kirchenasyl ein Vorgehen abgesprochen. Das dazugehörige Dossier, in dem die Gründe für eine Härtefallentscheidung zugunsten des Ghanaers zusammengefasst sind, sei unmittelbar vor der Übermittlung an das zuständige Bundesamt gewesen, so das Bischöfliche Generalvikariat. Es sei am Montag eingegangen und unmittelbar an das Katholische Büro in Düsseldorf weitergeleitet worden, von wo es am Dienstag an das Bundesamt gegangen wäre. Bischof Genn kündigte an, dass er sich weiter zusammen mit dem Katholischen Büro zugunsten des Flüchtlings einsetzen werde.

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