Rathaus-Debatte zur City-Maut
Der Berufs-Pendler als Buhmann?

Münster -

Hilft eine City-Maut, Münsters Verkehrsprobleme zu lösen? Auf Einladung der SPD wurde darüber gestritten.

Mittwoch, 07.09.2016, 09:09 Uhr

Staus auf Münsters Straßen sind Alltag. Kann eine City-Maut, sprich eine Gebühr zur Straßenbenutzung, gegensteuern?
Staus auf Münsters Straßen sind Alltag. Kann eine City-Maut, sprich eine Gebühr zur Straßenbenutzung, gegensteuern? Foto: Matthias Ahlke

Welche Interessen wiegen mehr? Die Interessen der lärmgeplagten Anwohner an der Weseler Straße, die sich weniger Autos vor ihren Fenstern wünschen? Oder die Interessen der Berufspendler, die über die Weseler Straße zu ihren Arbeitsplätzen fahren?

Um diese Fragen kreiste ein spannendes Streitgespräch zwischen dem Verkehrsexperten Prof. Martin Lühder von der Fachhochschule Münster und dem IHK-Verkehrsexperten Joachim Brendel . Vordergründig ging es bei dieser SPD-Veranstaltung um das Thema City-Maut , hintergründig aber um die grundlegende Ausrichtung der Verkehrspolitik in Münster.

Lühder, der Maut-Experte , schlug sich gleich auf die Seite aller Lärmgeplagten. „Auch die Anwohner an den Ausfallstraßen haben ein Anrecht auf Lebensqualität.“ Wenn die Stadt dem nicht Rechnung trage, „werden ganze Straßenzüge veröden, weil dort niemand mehr wohnen möchte“.

Pendler-Verkehr bietet größtes Einsparpotenzial

Brendel kritisierte den Versuch, den Berufspendler zum „Buhmann“ der Verkehrspolitik zu machen. Das Pendler-Problem habe seine Ursache auch darin, „dass seit 15 Jahren nicht genug Wohnraum angeboten wird“. Münster sei für viele Beschäftige unerschwinglich, da könne man es ihnen nicht vorwerfen, „dass sie zu ihren Arbeitsplätzen pendeln“.

Die Arbeitnehmer sollen ja kommen, „aber nicht mit dem Auto“, so der Widerspruch von Prof. Lühder. Die City-Maut sei darauf ausgerichtet, Autofahrten zu verteuern und im Gegenzug eine Einnahmemöglichkeit für den Ausbau des Bus- und Radverkehrs zu erzielen. Prompt kam die Replik von Brendel: Das Mobilitätsverhalten viele Pendler sei komplizierter als vermutet. Komplizierte Wegebeziehungen sprächen für das Auto und gegen den ÖPNV.

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Prof. Dr. Martin Lühder. Foto: Universtität Münster

Bei so viel Kontroversen waren sich beide Verkehrsexperten zumindest in einem Punkt einig: Der Pendler-Verkehr bietet das größte „Einsparpotenzial“, wenn es darum geht, die vielen Staus in Münster zu minimieren. Im innerörtlichen Verkehr nämlich haben Rad und Bus dem Auto längst den Rang abgelaufen.

Besucher der Veranstaltung im Rathaus wollen juristische und technische Details über die Maut erfahren. Lühder ging darauf nicht ein. Erst müsse die Frage geklärt werden, „ob die Kommunen in der City-Maut langfristig ein Instrument zur Verkehrslenkung sehen oder nicht“. 

Stadt Münster plant keine City-Maut

Die Verkehrsplaner der Stadt Münster haben aktuell „keine Veranlassung und auch keinen Auftrag“, die Einführung einer City-Maut in Münster zu planen. Das sagte Christian Schowe, Leiter des Stadtplanungsamtes, auf Anfrage unserer Zeitung. Als „Oberzentrum in einer ländlich geprägten Region“, so Schowe weiter, müsse Münster auch mit dem Auto erreichbar sein.

Ganz abgesehen davon sei das Verkehrsaufkommen nicht so groß, als dass man mit einer Maut reagieren müsse. Überlegungen zur – langfristigen – Einführung einer Maut lehnte Schowe nicht ab. Hierfür müsse es dann aber bundesweit greifende Konzepte geben. Ansonsten könne es zwischen Großstädten mit oder ohne Maut zu Wettbewerbsverzerrungen kommen.

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