Interview mit Günther Jauch
"Eigentlich werden Schiffe nach Frauen benannt"

Münster -

Der erste und der – vorerst – letzte Gewinner der RTL-Show „Wer wird Millionär?“ kommen aus Münster: Eckhard Freise siegte vor 16 Jahren, Leon Windscheid Ende 2015. Von dem Geld kaufte sich der 27-jährige Doktorand ein Partyboot, das Jauch an diesem Samstag (10. September) im münsterischen Stadthafen auf den Namen „MS Günther“ taufen wird. Mit dem 60-jährigen Moderator, der in Münster geboren wurde, aber 57 Jahre nicht mehr hier war, sprach unser Redakteur Martin Kalitschke.

Mittwoch, 07.09.2016, 14:09 Uhr

Günther Jauch moderiert seit 1999 die RTL-Show „Wer wird Millionär?“. Am 10. September kommt er nach Münster, um ein nach ihm benanntes Schiff zu taufen.
Günther Jauch moderiert seit 1999 die RTL-Show „Wer wird Millionär?“. Am 10. September kommt er nach Münster, um ein nach ihm benanntes Schiff zu taufen. Foto: dpa

Herr Jauch , hätten Sie die Millionen-Frage von Leon Windscheid , aus wie vielen Steinchen der Zauberwürfel besteht, beantworten können?

Jauch: Nein, das hätte ich nicht gewusst, an dieser Frage wäre ich definitiv gescheitert.

Trauten Sie denn Leon Windscheid die richtige Antwort zu?

Jauch: Er bat ja damals darum, zunächst die Frage vorzulesen, ohne die vier Antwortmöglichkeiten zu nennen. Ich glaube, er tippte auf 148 Würfel – dabei sind es ja nur 26. Zu diesem Zeitpunkt dachte ich: Das wird nichts mit der Million.

Dann schaffte er es doch. Gibt es Kandidaten, bei denen Sie schon von Beginn an so ein „Millionärsgefühl“ haben?

Jauch: So ab der 16.000-Euro-Frage merkt man, ob jemand souverän unterwegs ist. Wer dann noch drei oder vier Joker hat, ist automatisch ein „gefährlicher Gegner“. Bei Leon war mir relativ schnell klar, dass das ein cleverer Kandidat ist.

Günther Jauch - eine Karriere in Bildern

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  • Einer seiner größten Erfolge: "Wer wird Millionär?".

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  • Sport kann er auch: Günther Jauch bei der 52. Vierschanzentournee an der Paul-Ausserleitner-Schanze im österreichischen Bischofshofen.

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  • Ganz früher: Günther Jauch 1991 bei "Stern TV".

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  • In den 80er Jahren machte Günther Jauch als Radiomoderator von sich reden.

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  • Ritual nach dem Tatort: Lange moderierte Günther Jauch am Sonntagabend die nach ihm benannte Talkshow im Ersten.

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  • Moderator Günther Jauch und Ehefrau Thea kommen am 2012 zur Bertelsmann Party in Berlin. 

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  • Der damalige Rundfunkmoderator Günther Jauch, aufgenommen im Januar 1987 in seinem Büro beim Bayerischen Rundfunk in München.

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  • Januar 1987.

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  • In Kanzem an der Saar betreibt Günther Jauch ein Weingut.

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  • Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sitzt am 25. September 2011 in Berlin vor Beginn der Aufzeichnung zu einer ARD-Sendung mit dem Moderator Günther Jauch zusammen. 

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  • Für Faxen ist er sich selten zu schade - wie hier beim RTL-Jahresrückblick "2008! Menschen - Bilder - Emotionen".

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  • Moderator Günther Jauch hält am 19. September 2012 in Berlin bei der Verleihung des Medienpreises Goldene Henne 2012 im Theater am Potsdamer Platz seine Auszeichnung in der Kategorie "Moderation" in den Händen.

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  • Turnübungen auf dem "Wer-wird-Millionär"-Stuhl.

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  • Moderator Günther Jauch und seine Frau Thea Sihler kommen am 14. September 2011 in Berlin zur Bertelsmann Party. 

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  • Alte Freunde: Thomas Gottschalk und Günther Jauch.

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Ich finde, dass man Ihnen ansieht, ob Sie einen Kandidaten mögen – oder er für sie nur ein Kandidat von vielen ist. Was haben Sie an Leon Windscheid gemocht?

Jauch: Seine Frische und Lockerheit. Und dass er das Unternehmer-Gen hat. Er wollte von Anfang nicht gewinnen, um das Geld für später zu sparen, sondern er hatte die Idee von einem Party-Schiff im Kopf.

Nun hat er das Schiff für den Kanal in Münster gekauft – und es nach Ihnen benannt. Eine verrückte Idee, oder?

Jauch: Der Name ist ja schon deshalb ungewöhnlich, weil Schiffe eigentlich immer nach Frauen benannt werden – was ich übrigens bis vor Kurzem noch gar nicht wusste. Ungewöhnlich ist auch, dass ich die Taufe vornehmen werde – dafür sind normalerweise auch nur Frauen zuständig. Und dann soll es auch noch Unglück bringen, wenn man einem Schiff einen neuen Namen gibt. Irgendwie machen wir also alles falsch.

Am Samstag kommen Sie zum ersten Mal nach 57 Jahren wieder nach Münster. Wegen Leon Wind­scheid, wegen des Schiffs oder wegen Münster?

Jauch: In meiner Show versuchen immer wieder Kandidaten, mich für Veranstaltungen zu verpflichten, aber da fehlt mir einfach die Zeit. Ich glaube, ich wollte mir einfach mal anschauen, wo ich meine ersten Lebensjahre verbracht habe.

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Manche Teilnehmer zahlen über 1000 Euro, um bei der Jungfernfahrt dabei zu sein.

Jauch: Ehrlich? Ich glaube ja, dass sich hinter Leon Windscheid ein kleiner PR-Profi verbirgt, der genau weiß, wie man so was aufzieht. Ich finde es gut, dass er die Taufe mit einem guten Zweck verbindet, statt zur Million noch mehr Geld für sich zu verdienen. Ich freue mich jedenfalls sehr auf Münster und bin sehr neugierig auf die Stadt und die Party für den guten Zweck.

Werden Sie sich denn am Wochenende auch mal Münster anschauen?

Jauch: Ich komme am Samstag erst kurz vor der Veranstaltung, und am Sonntag habe ich später woanders einen Termin. Aber abhängig davon, wie lange ich mich am Sonntagmorgen von der Schiffstaufe erholen muss, würde ich mir schon gerne Münster anschauen. Ich bin neugierig auf die Stadt und weiß ja nicht viel über Münster – außer dem, was mir meine Eltern erzählt haben. Sie berichteten mir vom Schlossgarten und von einer Gaststätte namens Pinkus Müller, die es noch heute geben soll.

Und was wissen Sie über das heutige Münster?

Jauch: Was man so liest: Studentenstadt, absolut fahrradfreundlich, hat die Auszeichnung „lebenswer­teste Stadt der Welt“ gewonnen, katholische Stadt. Das ist es dann aber auch schon. Ach – und da gibt es noch eine Verbindung. Vor zwei Jahren rief mich das LWL-Museum für Kunst und Kultur an und fragte, ob ich den Audioguide sprechen möchte. Das habe ich dann auch gemacht, die haben ja tolle Sachen dort im Museum.

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Nicht nur der – vorerst – letzte Millionengewinner kommt aus Münster, auch der erste ist ein Münsteraner, Eckhard Freise gewann bei Ihnen im Jahr 2000. Haben Sie noch Kontakt?

Jauch: Ja, wir haben danach sehr oft Kontakt gehabt, persönlich und auch telefonisch. Als erster Millionen-Gewinner ist er ja praktisch eine historische Figur. In einer Sache hat er allerdings Pech gehabt: Er gewann damals noch eine Million D-Mark.

Sie moderieren „Wer wird Millionär?“ seit mittlerweile 17 Jahren. Zum zehnjährigen Jubiläum sagten Sie seinerzeit in einem Interview, dass Sie sich eigentlich keine zehn weiteren Jahre vorstellen können. Die sind nun allerdings fast rum. Wie geht es weiter?

Jauch: Zehn Jahre im Fernsehen, das ist ja schon ein Methusalem-ähnliches Alter. Vermutlich konnte ich mir nur deshalb vor sieben Jahren schwer vorstellen, zehn weitere Jahre zu machen. Aber bei Stern TV habe ich ja auch über 20 Jahre moderiert. Sie sehen, mir liegen die Marathonstrecken. Ich habe einen Handschlag-Vertrag mit RTL , der Sender kann ebenso wie ich die Zusammenarbeit sofort beenden. Man muss schauen, wie lange die Leute die Sendung noch mögen – oder der Moderator für sie noch der Richtige ist. Im Moment gibt es jedenfalls kein Datum, wo ich sagen würde: Jetzt ist es genug. Der weltweit dienstältestes Moderator von „Wer wird Millionär?“ bin ich ja schon jetzt, und diesen kleinen Ehrentitel will ich noch einige Zeit verteidigen.

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