Trachten für das Oktoberfest
Im Miet-Dirndl zum Oktoberfest

Münster -

Als Alternative zum Kauf mieten sich immer mehr Münsteraner ihre Dirndl und Lederhosen, wenn sie zum Oktoberfest auf die „Wiesn“ am Albersloher Weg wollen. „Das Geschäft boomt seit Jahren“, sagt Christian Modersohn vom Kostümverleih Münsterland.

Mittwoch, 21.09.2016, 11:09 Uhr

Leihen statt kaufen: Melanie Guttermann probiert ihr Dirndl für das Oktoberfest im Kostümverleih von Christian Modersohn an. Für viele, die nur selten zur Bierzelt-Gaudi gehen, ist das geliehene Kleid eine sinnvolle Alternative.
Leihen statt kaufen: Melanie Guttermann probiert ihr Dirndl für das Oktoberfest im Kostümverleih von Christian Modersohn an. Für viele, die nur selten zur Bierzelt-Gaudi gehen, ist das geliehene Kleid eine sinnvolle Alternative. Foto: hpe

Wenn am Freitag im Oktoberfestzelt am Albersloher Weg die ersten Maßkrüge gestemmt werden, wird man die bodenständigen Westfalen zumindest optisch nicht wiedererkennen. Dirndl und Krachlederne gehören zum bayerischen Volksfest in Münster inzwischen genauso dazu, wie Schweinshaxe und Leberkäs. „99 Prozent unserer Besucher kommen in Tracht “, sagt Fest-Organisator Bernd Redeker .

Weil Dirndl und Bluse schnell 100 Euro und mehr kosten und für eine Wildbock-Lederhose mindestens um die 200 Euro hingeblättert werden muss, leihen sich immer mehr Oktoberfestbesucher ihren „Bieranzug“ für den einen Abend. „Das Geschäft boomt seit Jahren ungebrochen“, sagt Christian Modersohn vom Kostümverleih Münsterland .

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Wettbewerb gewonnen: Dirndl ist preisgekrönt

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Ursprünglich spezialisiert auf närrische Spaßverkleidungen und gruselige Halloween-Outfits, hat sich der Verleih inzwischen reichlich mit Dirndl, Lederhosen, karierten Hemden und Kindertrachten eingedeckt. Die Kundschaft kann im Laden anprobieren und sofort mitnehmen. „Bei Frauen sind es fünf Versuche und rund eine Stunde Bedenkzeit, bis die Wunschtracht feststeht. Männer sind da flotter. Lederhose an, passt, fertig“, so Modersohn.

Special

Ob kaufen oder leihen sinnvoll ist, hängt auch davon ab, wie häufig man zur weiß-blauen Gaudi möchte. „Wer weniger als drei Veranstaltungen pro Jahr besucht, steht sich mit der Kostümmiete günstiger“, meint zumindest Modersohn. Das Dirndl „mit Zubehör“ wie Kette, Tasche und Bluse gibt es für drei Tage zum Festpreis ab 39 Euro, rund 220 Varianten stehen zur Auswahl. „Besonders ganz große und sehr kleine Frauen leihen sich bei uns ihr Oktoberfest-Outfit, weil es in Läden nur selten diese Sondergrößen gibt“, so Modersohn. Die Kundschaft mietet nicht nur für die lokalen Oktoberfest-Events. „Viele suchen sich hier in Ruhe ihre Kleidung aus und fahren dann nach München auf die Wiesn. „Deutlich günstiger, als vor Ort am Festplatz“, so der Kostümverleiher.

 

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Und wer seine Tracht für die weiß-blauen Abende kauft, setzt immer stärker auf Qualität. Im Gegensatz zu Bayern, wo Dirndl und Leserhose zu vielen Anlässen getragen werden, wandert die Tracht in hiesigen Breiten nach der Bierzelt-Gaudi wieder für ein Jahr in den Schrank. „Unsere Kunden kaufen dann eher die hochwertige Ware, weil sie lange etwas davon haben wollen“, sagt Karstadt-Abteilungsleiterin Ingrid Erfkemper.

Die wichtigsten Oktoberfest-Regeln

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  • Die perfekte Frisur

    Ob Bauern- oder Fischgrätzopf, Haarkranz oder Flechtpony – zum Dirndl passt geflochtenes Haar. Klassisch und sowohl für schulterlange als auch für sehr lange Haare geeignet ist der Haarkranz. Für mehr Halt die Haare vorher eindrehen. Dann unter dem linken Ohr anfangen zu flechten. Dazu eine Partie Haare nehmen und diese in drei gleichgroße Strähnen aufteilen und die rechte über die mittlere Strähne legen. Dann eine Partie des oberen Haares abtrennen und unter dem einmal Geflochtenen zu der linken Strähne hinzunehmen und über die mittlere Strähne legen. Die dünne rechte, ehemalige mittlere Strähne über die dicke, ehemalige linke Strähne legen. Dieses „halbe“ Einflechten einmal rund um den ganzen Kopf durchführen. Die übrigen Haare zu einem normalen Zopf flechten, herumlegen, festecken, fertig. Super angesagt auch: ein Flechtkranz mit Undone Wellen und der Haarkranz als Fischgrätzopf geflochten und undone arrangiert.

    Auf dem Bild sind zwei junge Frauen in einem traditionellen Dirndl mit Flechtfrisur.

    Foto: Stoever
  • Schleifenregeln

    Die Ausrichtung der Schleife an der Schürze verrät den Beziehungsstatus der Trachtenträgerin: Sitzt die Schleife links, bedeutet das, die Frau ist ledig. Aber Vorsicht, nicht jede ledige Frau ist flirtbereit: Laut Brauchtum müssen auch Verlobte und Verliebte die Schleife noch links tragen. Sitzt die Schleife hingegen rechts, ist die Frau verheiratet. Über eine Schleife in der Mitte gibt es verschiedene Angaben. Die einen sagen, laut ungeschriebenen Regeln dürften Dirndlträgerinnen die Schleife nicht in der Mitte knoten. Andere sagen, eine Schleife in der Mitte bedeutet: Jungfrau. Schleife hinten: Verwitwet, Kellnerin – oder keine Ahnung von der Tradition, so bindet man eben auch die gemeine Küchenschürze.

    Das Foto zeigt eine der vielen Möglichkeiten für die Schleife. Über die genaue Bedeutung der einzelnen Positionen lässt sich streiten.

    Foto: colourbox.de
  • Münsterländer lieben Tracht

    Einen festen Dresscode gibt es auf dem Münchner Oktoberfest nicht. Alteingesessene verzichteten sogar meist auf den traditionellen Aufzug und gehen in Jeans und Pullover. Dafür gibt es einen guten Grund: Eine richtige Tracht kostet schnell einen vierstelligen Betrag. In Münster dagegen „wird mehr Tracht getragen als in München“, sagt Christian Wasmuth, Mitorganisator des münsterischen Oktoberfestes. 600 Kilometer vom Epizen­trum des Oktoberfest-Universums entfernt merkt allerdings auch niemand, wenn die Lederhose nicht aus echtem Hirschleder ist und man zur Lederhose eigentlich ein weißes Leinen- und kein Karohemd trägt.

    Das Foto zeigt den Wiesn-Chef Josef Schmid bei der Vorstellung des offiziellen Wiesn-Maßkrugs im August 2015.

    Foto: dpa
  • „Ziemlich nah dran am Original“ wollen die Macher des Oktoberfestes in Münster sein. Deshalb gibt es dort Bier einer bayrischen Brauerei, das in Originalmaßen serviert wird, also ab einem Liter. Die Preise sind auch fast wie auf der Theresienwiese: In Münster kostet eine Maß 9,80 Euro, in München 10,10 Euro. Anders als auf der Wiesn wird am Albersloher Weg schon vor dem Fassanstich (19.30 Uhr) am ersten Tag ausgeschenkt. Auch was die Musik angeht, werde in der Westfalenmetropole mehr aufgedreht. „Hier ist mehr Party und Lautstärke“, sagt Christian Wasmuth, Mitorganisator des münsterischen Oktoberfestes. Zu essen gibt es Schweinshaxe, Knödel, Brezeln, Hähnchen, Leberkäse und Weißwurst. Letztere essen Bayern übrigens morgens. So, wie einige auch schon um 9 Uhr im Bierzelt sitzen.

    Foto: Hidding Events
  • Obwohl die Besucherzahl jedes Jahr steigt (1980: 5,1 Mio./2014: 6,3 Mio.), sinkt der Verkauf der traditionellen Speisen. So reduzierte sich die Anzahl der verkauften Schweinswürstl von 360.734 (1985) auf 122.658 (2014). Auch Brathähnchen (Brathendl) wurden weniger verkauft (1985: 629.520 / 2014: 509.420).

    Das Foto zeigt den beliebten Imbiss auf dem Oktoberfest - die Brezel.

    Foto: dpa
  • Zum Oktoberfest gehört die Maß. Preislich hat sich seit 2002 (Anstieg von 6,30 bis 6,80 Euro) einiges getan. So bezahlt man in diesem Jahr auf den Wiesn für ein Maß Bier zwischen 10,10 Euro und 10,35 Euro.

    Schwere Angelegenheit - Kellner müssen auf dem Oktoberfest starke Arme haben.

    Foto: dpa
  • Top beim Oktoberfest:

    Sowohl Jung als auch Alt, Einheimische und internationale Gäste feiern gemeinsam und spätestens nach dem dritten Song tanzen alle auf den Bänken. Es herrscht viel Liebe zum Detail, wie beispielsweise bei den Frisuren der Frauen. Außerdem gibt es einfache Regeln, wie das Schleifebinden, die das Leben einfacher machen. Und mittlerweile kennen sich die Gäste immer besser mit den bayrischen Traditionen aus.

    Gute Stimmung gehört zum Oktoberfest wie die Maß Bier und die Trachten. Das Foto zeigt eine Gruppe junger Frauen auf den Wiesn im September 2010.

    Foto: dpa
  • Flop beim Oktoberfest:

    Sich beim Schuhwerk keine Mühe geben und in Turn- und Wanderschuhen zu kommen, statt in traditionellen Haferlsocken und -schuhen. Generell andere Klamotten über der Tracht tragen. Beim Alkohol über die Stränge schlagen oder mit dem Auto kommen.

    Foto: Theo Heitbaum
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