Wohnungsmangel
Mehr Pragmatismus, bitte

Münster -

In Ballungsräumen und wachsenden Städten wie Münster ist Wohnraum knapp und teuer. Um schnell mehr Wohnungen zu schaffen, die sich eine breite Mehrheit der Bevölkerung leisten kann, müssen pragmatische Konzepte her, fordern Experten der Wohnungswirtschaft.

Donnerstag, 29.09.2016, 21:09 Uhr

Wohnraum neu bauen, der für breite soziale Schichten erschwinglich ist – dafür ist auch Pragmatismus in der Politik nötig.
Wohnraum neu bauen, der für breite soziale Schichten erschwinglich ist – dafür ist auch Pragmatismus in der Politik nötig. Foto: dpa

Der knappe und für viele Menschen (zu) teure Wohnraum ist in Münster und anderen wachsenden Städten und Ballungsräumen eines der drängendsten Probleme. Wird bezahlbarer Wohnraum noch knapper? Diese Frage stand am Donnerstag als Motto über der Tagung „Münsteraner wohnungswirtschaftliche Gespräche“, zu der das Institut für Siedlungs- und Wohnungswesen der Universität ins Mövenpick-Hotel eingeladen hatte.

Die Antwort der rund 140 Experten lautet: vorerst ja. Denn der Bedarf und die entsprechenden Planungen der Kommunen können nicht so schnell umgesetzt werden, wie es nötig wäre. Von den 400. 000 geplanten Neubau-Wohnungen in NRW bis zum Jahr 2020 sind gerade einmal 150.000 genehmigt.

Wohnungen in Neubauten sind teuer

Für Thomas Hegel und Sandra Wehrmann nicht verwunderlich: Es dauere rund drei Jahre von der Beantragung der Baugenehmigung bis zur Fertigstellung eines Wohngebäudes, sagen die beiden Geschäftsführer unisono. Hegel ist Vorstandsvorsitzender der LEG Immobilien AG, die 130. 000 Mietwohnungen verwaltet, davon in Münster rund 6000. Sandra Wehrmann leitet das städtische Wohnungsbau-Unternehmen Wohn- und Stadtbau. Zusammen mit allen Experten sind sich Hegel und Wehrmann einig, dass in der gegenwärtigen Wohnungsnot etwa in Münster an mehreren Hebeln angesetzt werden muss, um den Bau bezahlbarer Wohnungen zu beschleunigen.

Das Grundproblem: Wohnungen in Neubauten sind besonders teuer. Angefangen beim Grundstückspreis bis hin zu Vorgaben zur Energie-Effizienz und Barrierearmut – all diese Faktoren verteuern Neubauten. Hegel und Wehrmann beziffern die Erstellungskosten für einen Neubau-Quadratmeter Wohnraum auf 2500 Euro, ohne Fördermittel wären dann elf Euro Miete fällig, um die Kosten zu erlösen.

Mehr Pragmatismus von der Politik

Die Miete in Wohnungen in älteren Gebäuden, die etwa nicht mit kostenträchtigen Aufzügen ausgestattet sind, ist generell günstiger als im Neubau. In den Wohnungen der Wohn- und Stadtbau etwa zahlen die Mieter nach Angaben von Wehrmann durchschnittlich 5,25 Euro pro Quadratmeter Wohnraum.

Die Vertreter der Wohnungswirtschaft sehen bei dem Thema mehrere Zielkonflikte, wie auch Prof. Martin zur Nedden vom deutschen Institut für Urbanistik aus Düsseldorf ausführte. Er forderte „integrierte Stadtentwicklungskonzepte“ und kooperationsfördernde Strukturen in den Verwaltungen, damit alle Akteure zusammenarbeiten können, energieeffizient bauen, städtebauliche, soziale und kulturelle Belange bei der Entwicklung neuer Quartiere berücksichtigen und die Kosten dabei trotzdem möglichst gering zu halten.

Die Wohnungsbauunternehmen wünschen sich von der Politik „Pragmatismus“, um den Wohnungsbau zu beschleunigen. Martin zur Nedden hatte zuvor eine zielgerichtete „Liegenschaftspolitik“ gefordert und Beispiele von Städten hervorgehoben, in denen Bauland nach der Güte von Gesamtkonzepten für die Quartierentwicklung vergeben wird – und nicht etwa an den meistbietenden Investor für ein Grundstück.

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